Mehr als 4.000 Hitzetote gab es nach einer Schätzung des Robert Koch-Instituts Ende Juni. Eine Klinik in Stuttgart arbeitete während der Hitzewelle am Limit – und plant schon für das nächste Mal.
So etwas habe er in seiner Notaufnahme zuvor noch nicht erlebt, sagt Oberarzt Markus Günther vom Robert-Bosch-Krankenhaus Stuttgart. „Wir waren letztendlich von Freitag bis Montag früh durchgehend beschäftigt, Patienten mit hitzeassoziierten Erkrankungen zu versorgen“, erzählt er. Am letzten Juni-Wochenende kamen ständig neue Patienten an: Körpertemperatur über 40 Grad und drohendes Multiorganversagen, weil bei über 42 Grad die Eiweißmoleküle im Körper zerfallen. Solche Notfälle müssen schnellstmöglich heruntergekühlt werden.
Günther und sein Team füllten Leichensäcke mit Eiswürfeln und Wasser, legten die überhitzten Patienten hinein und zogen den Reißverschluss zu bis unters Kinn. Aber irgendwann ging das Eis aus. Sie mussten die Vorräte in der Forschungsabteilung plündern. Schließlich waren auch die erschöpft. „Dann haben wir Handtücher nass gemacht, sie auf den Patienten ausgebreitet und mit Ventilatoren Verdunstungskälte erzeugt“, erzählt der Oberarzt.
Krankenhaus rüstet mit Klimageräten nach
Die Bilanz des Wochenendes: 160 Menschen mit Hitzebeschwerden, teilweise mussten sie in die Intensivstation, ein Mensch starb. Auch in anderen Bereichen des Krankenhauses machte die Hitze Schwierigkeiten. Denn Klimaanlagen gibt es zwar in der Notaufnahme und einigen anderen Bereichen wie dem OP, der Intensivstation, in Dialyse, Labor und Apotheke. Aber nicht auf den Normalstationen.
Sofort am nächsten Tag habe man deshalb neue Strategien entwickelt, sagt der Geschäftsführer der Klinik, Mark Dominik Alscher. Man habe zum Beispiel 20 mobile Klimageräte angeschafft und eine Liste gekühlter Räume erstellt, in die man Patienten nötigenfalls bringen könnte. Mitarbeitenden, die nicht zur Betreuung von Patienten vor Ort sein müssen, will man bei zu hohen Temperaturen das mobile Arbeiten zum Beispiel von Zuhause ermöglichen.
Forderungen nach Investitionen in Hitzeschutz
Der Geschäftsführer zieht einen Vergleich: „Heute hat jedes noch so billige Hotel eine Klimaanlage. Ich glaube, Krankenhäuser werden nicht umhinkommen, hier nachzurüsten.“ Er fordert, einen Teil des 50-Milliarden-Euro-Transformationsfonds der Bundesregierung für die Anschaffung von Klimaanlagen in Kliniken zu nutzen. Der sei zwar eigentlich für die Umstrukturierung der Kliniklandschaft gedacht, zunächst aber müsse man die dringendste Not lindern.
Ähnlich sieht das die Deutsche Stiftung Patientenschutz. Sie aber hält es für richtig, einen eigenen Finanztopf zu schaffen, ein Hitzestopp-Investitionsprogramm in Höhe von 30 Milliarden Euro für Kliniken und Pflegeheime bis spätestens 2027. Medizinisch-pflegerische Einrichtungen seien für die Erderwärmung nicht gewappnet, schon an einfachsten Maßnahmen wie Außenbeschattungen mangele es.
Kühlen schon auf dem Weg in die Klinik
In anderen Ländern habe man sich schon besser auf die steigenden Temperaturen eingestellt, sagt Christoph Wasser, der in der Klinik die Akut- und Notfallmedizin leitet. Dort würden Menschen mit Hitzeschäden schon vor Ort oder auf dem Weg ins Krankenhaus gekühlt. „Die Patienten profitieren davon, dass man sie möglichst rasch kühlt“, sagt er.
Ideal wäre es, wenn zum Beispiel bei großen Festen, wo es zu Hitzenotfällen kommen kann, immer ausreichend Eisvorräte vorhanden sind – und eine Möglichkeit, die Patienten in ein Eisbad zu legen. „Das kann eine Wanne sein oder ein Planschbecken“, sagt Wasser.
Am Robert-Bosch-Krankenhaus soll nun der neue Hitzeplan die dringendsten Probleme lösen. Auch für Oberarzt Markus Günther und sein Team in der Notaufnahme hat er die Situation etwas verbessert. Sie haben nun eine zusätzliche Eismaschine und eine weitere Kühltruhe bekommen – damit ihnen das nächste Mal die Eiswürfel nicht ausgehen.

