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Politik

Warum die Geburtenrate weiter zurückgeht

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 12, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 12.07.2026 • 05:00 Uhr

Die Gründe sind vielschichtig, die Folgen bald schon spürbar? In Deutschland werden immer weniger Kinder geboren. Dadurch dürfte die Nachfrage bei Kitas und Schulen sinken. Eltern warnen vor zu schnellen Reaktionen.

Von Maziyar Bazi, tagesschau.de

Deutschland geht der Nachwuchs aus. Die Geburtenrate ist im vergangenen Jahr auf den niedrigsten Stand seit 1997 gefallen. Mit durchschnittlich 1,32 Kindern pro Frau ist sie damit seit 2022 kontinuierlich gesunken.

Für Katharina Spieß, Direktorin des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB), kommt diese Entwicklung nicht überraschend. Ein Grund sei der demografische Wandel. Die Bevölkerung werde älter, dadurch gebe es weniger Menschen im typischen Alter für eine Familiengründung.

Laut Statistischem Bundesamt ist inzwischen jede zweite Person in Deutschland älter als 45 Jahre, jede fünfte sogar älter als 66. Doch das allein erklärt den Rückgang der Geburten nicht.

Sorgen um die Zukunft und der Kinderwunsch

„Kriege, wirtschaftliche Unsicherheiten, Inflation und andere Belastungen führen dazu, dass viele Menschen verunsichert sind und sich Sorgen um ihre Zukunft machen. Das kann dazu führen, dass sie ihre Kinderwünsche aufschieben oder gar nicht umsetzen“, sagt Spieß.

Sie verweist auf Untersuchungen des Instituts, denen zufolge sich die Bevölkerung eigentlich mehr Kinder wünscht, als letztlich geboren werden. „Es geht also nicht nur um die Zahl der Geburten, sondern auch darum, warum bestehende Kinderwünsche häufig nicht verwirklicht werden“, so Spieß.

Elternzeit soll verkürzt werden

Ein Faktor bei dieser Entscheidung: die Rahmenbedingungen für die Eltern. Die Bundeselternvertretung der Kinder in Kindertageseinrichtungen (bevki) fordert unter anderem eine bundesweit beitragsfreie Kindertagesbetreuung sowie eine langfristig gesicherte Finanzierung. Ziel sei es, Familien finanziell zu entlasten und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu verbessern, teilt der Vorstand gegenüber tagesschau.de mit. Gerade die Betreuung spiele eine entscheidende Rolle, damit sich Eltern für Kinder entscheiden könnten und Familie und Beruf miteinander vereinbar blieben.

Aktuell regeln die Bundesländer, ob für den Kitabesuch Gebühren anfallen. In Ländern wie Nordrhein-Westfalen entscheiden die Kommunen über die Höhe: Je nach Wohnort und Einkommen können dort für Spitzenverdiener laut bevki bis zu 1.000 Euro monatlich pro Kind an Gebühren anfallen.

Bei der Finanzplanung müssen sich Eltern zudem auf Neuerungen einstellen: Nach Plänen der Bundesregierung soll die Bezugsdauer des Elterngelds künftig von 14 auf zwölf Monate sinken. Gleichzeitig soll der Mindestbetrag von derzeit 300 auf 330 Euro und der Höchstbetrag von 1.800 auf 1.900 Euro steigen. Um den vollen Anspruch zu erhalten, müssten Väter künftig mindestens drei Monate Elternzeit übernehmen.

Was die Geburtenrate für Kitas bedeutet

Bleibt es bei der geringen Geburtenrate, dürfte sich das auch auf Betreuungsangebote auswirken. „Die Folgen werden wir als Gesellschaft schon in den kommenden Jahren spüren – etwa durch eine sinkende Nachfrage nach Kita- und später nach Schulplätzen“, sagt BiB-Direktorin Spieß.

Die bevki warnt jedoch davor, daraus vorschnell Konsequenzen zu ziehen. „Schon jetzt würden vereinzelt Kitas geschlossen, Kindertagespflegeangebote reduziert und Fachkräfte entlassen. Gehe Personal einmal verloren, lasse sich dieses später nur mit großem Aufwand zurückgewinnen.“

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