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VIP VIP, Hurra!: Lola Weippert rechnet mit Reality-TV ab

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 18, 2026Keine Kommentare6 Minuten Lesezeit
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VIP VIP, Hurra!Lola Weippert rechnet mit Reality-TV ab

17.07.2026, 17:04 Uhr Die Promikolumne von Verena Maria Dittrich
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Möchte keine schlimmen Formate mehr moderieren: Lola Weippert. (Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress)

Jahrelang war Lola Weippert eines der bekanntesten Gesichter des Reality-TV. Heute rechnet sie mit den Auswüchsen des Genres ab. Doch wer jahrelang Teil des Systems war, muss sich auch Fragen zur eigenen Rolle gefallen lassen.

„Jetzt greift doch endlich an! Was murksen die da rum? Nach vorne! Los!“ Der Mann, glühender England-Fan, springt neben mir im Minutentakt vom Sofa auf. England führt im Halbfinale der Fußball-Weltmeisterschaft gegen Argentinien mit 1:0, nur noch wenige Minuten trennen die Mannschaft vom ersten Finale seit einer gefühlten Ewigkeit, und während er den Fernseher anschreit, als könne Jude Bellingham ihn tatsächlich hören, sitze ich entspannt daneben und mache etwas, das ich mir zu meiner eigenen Überraschung bei Lola Weippert abgeschaut habe: Ich manifestiere.

England wird Weltmeister, England wird Weltmeister, England wird Weltmeister, rede ich mir ein, als ließe sich das Universum durch genügend Wiederholungen irgendwann erweichen.

Ich schreibe den Satz ungefähr zehntausend Mal auf einen imaginären Zettel in meinem Kopf, denn wenn Manifestieren tatsächlich so zuverlässig funktioniert, wie Lola Weippert es ihren Followern seit Jahren nahelegt, dann kann ein bisschen kosmische Unterstützung ja wohl kaum schaden. Dass Deutschland schon so früh die Koffer packen musste, liegt vermutlich einzig und allein daran, dass ich mich für Julian Nagelsmann nicht ausreichend angestrengt habe.

Wie wir inzwischen alle wissen, hatte das Universum an diesem Abend allerdings andere Pläne. England ist ausgeschieden. Seitdem spiele ich mit dem Gedanken, Lola Weippert zu verklagen.

Lola Weipperts Männergeschichten

Natürlich nicht, weil sie irgendetwas dafür könnte, sondern weil sich „Lola Weippert schuld am WM-Aus?“ wahrscheinlich vorzüglich klicken würde! Und während ich darüber nachdenke, welchen Promi ich zur Sicherheit ebenfalls mit in diese völlig frei erfundene Geschichte hineinziehen könnte, ist Ihnen, lieber Leser, hoffentlich längst klar, wie absurd diese ganze Nummer ist. Oder vielleicht eben doch nicht ganz.

Im Boulevard zählt nämlich oft eben nicht die beste Story, sondern die zugespitzteste. Hauptsache, irgendwo steckt ein Skandal drin und im Idealfall noch ein prominenter Name, der sich für die Überschrift ausschlachten lässt. Ob die Geschichte am Ende trägt, scheint manchmal fast schon zweitrangig geworden zu sein.

Während ich also noch grüble, ob ich Lionel Messi oder David Beckham – schließlich war der ja auch im Stadion – vorsorglich ebenfalls in meine ausgedachte Klageschrift aufnehmen sollte, fällt mir auf, dass Lola Weippert in den vergangenen Jahren selbst ziemlich oft im Zentrum der Berichterstattung stand.

Kaum äußert sie sich zu einem gesellschaftlichen Thema, dauert es nicht lange, bis daraus die nächste Boulevard-Schlagzeile wird. In ihren Instagram-Stories berichtet sie häufig von Begegnungen mit Männern – im Zug, auf der Straße, im Flugzeug. Zack: Ein Artikel folgt auf den nächsten. Was auffällt: Ihre Schilderungen werden häufig unmittelbar aufgegriffen, kritische Nachfragen sucht man in vielen Fällen aber vergeblich. Sie hat es schließlich gesagt. Na, dann.

Dies liegt gewiss auch ein Stück weit daran, dass Moral heute eine der härtesten Währungen im Nachrichtengeschäft geworden ist. Wer Haltung zeigt, bekommt Aufmerksamkeit, Empörung bringt Reichweite. Und wer dabei einen klaren Täter und ein klares Opfer präsentiert, liefert den Stoff, aus dem sich die knackigen Headlines beinahe von selber schreiben.

„Warum JETZT die Empörung?“

Vor wenigen Tagen rechnete Lola Weippert mit dem Reality-TV ab. Es ging um toxische Männer, die dort eine Bühne bekämen: „Ich habe lange nichts zu Reality-TV gesagt und zu der ganzen Entwicklung. Aber das, was gerade passiert (…), ist so schlimm, ist so gefährlich.“

Sie hat natürlich recht, wenn sie darauf hinweist, dass Gewalt im Reality-TV nichts zu suchen hat. Der Fairness halber sollte an dieser Stelle aber erwähnt werden, dass Gewalt, unabhängig davon, ob sie von Männern oder von Frauen ausgeht, gleichermaßen zu verurteilen ist.

Völlig zu Recht fragt der ehemalige Bachelor Daniel Völz deshalb auch in den Kommentaren: „Warum JETZT die Empörung? Das dulden wir doch schon seit Jahren. Fing doch alles 2018 an mit Yeliz … ich hab’s damals schon gesagt.“ Tatsächlich hatte er im gleichnamigen Format eine schallende Ohrfeige von Koc erhalten. Später sagte die Influencerin sogar: „Die Klatsche hat eigentlich nicht gereicht. Ich hätte am liebsten die Faust genommen.“

Neben viel Zustimmung gibt es aber auch kritische Stimmen: „Du hast diese Formate doch selbst jahrelang moderiert!“ Darauf antwortet Lola Weippert: „Nein, ich moderiere diese Formate nicht mehr, weil es immer schlimmer wird.“

Wirklich? Schließlich endete ihre Reality-TV-Karriere nicht mit ihrem Abgang von „Temptation Island“. Noch im vergangenen Jahr übernahm sie mit „FBoy Island“ das nächste Reality-TV-Format. Da fragt man sich schon, warum der moralische Bruch heute so klar gezogen wird. Und natürlich entscheidet eine Moderatorin nicht darüber, welche Szenen gesendet werden oder welche Dramaturgie ein Format bekommt. Aber genauso wenig ist sie bloße Deko. Deshalb fällt es mir schwer, die eigene Rolle im Nachhinein auf den Satz „Nein, ich moderiere diese Formate nicht mehr, weil es immer schlimmer wird“ zu reduzieren.

Grenzüberschreitungen Teil des Geschäftsmodells

Reality-TV ist schließlich nicht erst gestern eskaliert. Die Mechanismen, über die sich aktuell empört wird, waren auch vor sechs, sieben Jahren kein Geheimnis und mehr als offensichtlich. Und ich weiß das deshalb so genau, weil ich diese Formate seit vielen Jahren mit launigen Kritiken begleite und schon des Öfteren darauf hingewiesen habe, dass einige der neuen Richtungswechsel wirklich problematisch sind. Nämlich genau dann, wenn einem das Lachen im Halse stecken bleibt. Reality-TV soll schließlich Spaß machen und unterhalten – und keine Bauchschmerzen bereiten.

Dass Grenzüberschreitungen und möglichst viel Drama immer mehr Teil des Geschäftsmodells geworden sind, weiß jeder, der länger als zehn Minuten in ein solches Format hineingezappt hat. Und das ist nicht erst seit Alex Petrovic so! Also bitte!

Mich stört nicht, dass ausgerechnet Lola Weippert über Moral spricht. Klar kann, soll und darf man die Entwicklungen kritisieren, aber doch bitte mit einem Blick auf die eigene Rolle. Plötzlich ist sie die moralische Beobachterin eines Systems, von dem man selbst jahrelang profitiert hat? Ach, du liebes Bisschen!

Fast ironisch wird es, wenn man bedenkt, dass Lola Weippert 2020 selbst öffentlich erzählte, sie habe „immer jeden Typen, mit dem ich länger als drei Monate zusammen war, betrogen“. Wenig später war es ausgerechnet sie, die einem womöglich untreuen Teilnehmer bei „Temptation Island“ empfahl, doch bitte „kleinere Brötchen zu backen“. Wer sich selbst zur moralischen Instanz erhebt, muss sich gefallen lassen, an den eigenen Maßstäben gemessen zu werden.

So. Und jetzt manifestiere ich einfach mal, dass Medien Geschichten überprüfen, bevor sie sie veröffentlichen. Kleiner Scherz.

Quelle: ntv.de

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