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Startseite»Nachrichten»Gigantismus am Limit: Der Fußball braucht keine abgekupferte Super-Bowl-Show
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Gigantismus am Limit: Der Fußball braucht keine abgekupferte Super-Bowl-Show

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 18, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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18.07.2026 | 18:33 Uhr

Wenn am Sonntag vor einem Milliardenpublikum das WM-Finale stattfindet, ist auch viel von der Halbzeitshow die Rede. Passend zu diesem Turnier kommt sie im XXL-Format. Dabei hat der Fußball ein solch aufgeplustertes Spektakel gar nicht nötig.

Am Sonntag müssen Fans des Fußballs nochmal richtig stark sein. Nicht wegen des Sportlichen: Das Spiel zwischen Spanien und Argentinien (21 Uhr/ZDF, MagentaTV und im ntv.de-Liveticker) dürfte eine tolle Angelegenheit werden, vielleicht ein Spektakel, mindestens intensiv. Das Drumherum: naja.

Zum einen hat sich US-Präsident Donald Trump angekündigt. Es wird sein erster Auftritt in einem WM-Stadion während des Turniers sein. Wer gesehen hat, wie er die Siegerehrung bei der Klub-WM im Vorjahr schamlos gekapert und für sich selbst ausgenutzt hat, darf Schlimmstes befürchten. Zusammen mit FIFA-Chef Gianni Infantino soll er den Pokal übergeben. Die Bilder werden um die Welt gehen.

64 Teams bei WM sichern „gerissenem Infantino“ die Macht

Doch schon die Halbzeit wird ungewohnt. Vor allem ungewohnt lang. Mindestens 17 Minuten lang soll die Pause im MetLife Stadium zu East Rutherford sein, ließen die WM-Organisatoren von der FIFA ausrichten. Ob sie Auf- und Abbau der Bühnen richtig kalkuliert haben, und Lionel Messi, Lamine Yamal und Co. nicht doch länger in den Kabinen bleiben, wird sich zeigen. Unter der Woche kursierten Berichte, die Halbzeit werde bis zu 30 Minuten dauern. Die lange Pause ist in jedem Fall ein Novum. Und eigentlich verstößt die FIFA damit gegen ihre eigenen Regeln, die klar besagen, eine Pause soll 15 Minuten betragen. Nun gut, spätestens seit dem Fall Balogun und Trumps Anruf bei Infantino wissen wir, dass eigene FIFA-Regeln offenbar dafür da sind, um sie zu brechen.

Hätte Shakira alleine nicht gereicht?

Der Grund für die verlängerte Pause: eine XXL-Show mit prominenten Acts. Die Liste der Bands ist fast so lang wie eine Aufstellung für eine eigene Fußballmannschaft. Shakira und Madonna sind so etwas wie die Headliner, auch Justin Bieber, BTS, Burna Boy, der venezolanische Dirigent Gustavo Dudamel, Coldplay und ein New Yorker Grundschulchor sollen dabei sein. Ach ja, die Muppet-Figuren Kermit und Miss Piggy sind auch angekündigt. Offiziell ist von elf Minuten reiner Konzertzeit die Rede. Hinzu kommen noch Auf- und Abbau der Bühne. Die traditionellen 15 Minuten werden ziemlich sicher gesprengt. Denn die Sender wollen ja auch die erste Halbzeit besprechen.

Das klingt alles verdächtig nach Super Bowl. Dort sind die langen, extravaganten Auftritte in der Halftime Show legendär und Tradition. US-Sport-Fans sind das gewohnt. Die Halftime Show gehört zum Super Bowl, keine Frage. Und genau dort sollte sie auch bleiben. American Football ist American Football und Fußball bleibt Fußball. Ein solches Event krampfhaft auf den Fußball zu übertragen, wirkt wie kommerzieller Quatsch.  

Allgemein drängt sich die Frage auf: Steht der Sport, das Spiel, dieses Aufeinandertreffen auf dem Rasen eigentlich noch im Mittelpunkt? Oder schon der ganze Rest? Die Selfies, die Trump-Bilder?

Nichts gegen gute Musik, nichts gegen ein bisschen Show und Bling-Bling. Aber wozu gibt es denn eine eigene Abschlussfeier? Diese findet anderthalb Stunden vor Anpfiff statt – mit noch weiteren Stars. Genau dort könnten all die Bands ebenfalls auftreten. Vielleicht hätte es auch einfach genügt, die WM-erfahrene Shakira ihren WM-Hit „Dai dai“ in der Pause präsentieren zu lassen. Das hätte wohl gereicht, um die WM-Stimmung im Stadion und vor den Endgeräten anzuheben.

Video poster

Große Debatte um FIFA-Halbzeitshow: Gut oder Gaga?

Nur die Krönung

Allerdings dürften die Fans, die teilweise unfassbare Summen für die Finaltickets bezahlen, auch einiges an Show und Entertainment erwarten. Auch das ist eine Folge der irrsinnigen Preisstaffelungen dieser WM (Stichwort Dynamic Pricing). Stattdessen verkörpert diese Halbzeitshow den Gigantismus dieser WM, den manche vielleicht gut finden mögen, Fußball-Traditionalisten aber nur ablehnen können. Es ist die Krönung nach der Aufstockung auf 48 Teams, neuen Aufstockungsplänen auf 64 Teams, dem Fall Balogun und Hydration Breaks, die unter fadenscheiniger Begründung allen Zuschauern zwei weitere Werbeblöcke pro Partie bescheren.

Video poster

Weltmeistern winkt ganz besondere WM-Prämie

Auch für die Spieler könnte die Pausenverlängerung eine ungewohnte Herausforderung sein. Der Kölner Sportmediziner Hans-Georg Predel warnte beim SID, die längere Pause sei „nicht unproblematisch“. Der Grund: „Sie verändert die physiologischen Voraussetzungen deutlich.“

In Deutschland wurde eine Halbzeitshow in XXS-Version auch schon mal ausprobiert. Der Auftritt von Helene Fischer im Pokalfinale 2017 wurde dann von beiden Fanlagern gnadenlos niedergepfiffen. Es war ein Desaster. Der DFB schaffte die Halbzeitshow schnell wieder ab.

Allein: In den USA ist eine solche Reaktion am Sonntag nicht zu erwarten. Schade, eigentlich.

Verwendete Quelle: ntv.de

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