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Startseite»Nachrichten»Rücktritt auf dem Höhepunkt: Spahn hat seine Macht gerade gesichert – dann stürzt er
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Rücktritt auf dem Höhepunkt: Spahn hat seine Macht gerade gesichert – dann stürzt er

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 18, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Rücktritt auf dem HöhepunktSpahn hat seine Macht gerade gesichert – dann stürzt er

Jens Spahn ist nicht mehr Fraktionsvorsitzende der Union im Bundestag. (Foto: picture alliance / dts-Agentur)

In seinen 14 Monaten als Unionsfraktionschef hat Jens Spahn viele Krisen überstanden: Richterwahl, eine immer noch wabernde Maskenaffäre, Rentenstreit. Nun stolpert er über eine private Entscheidung mit politischer Bedeutung. Und das zu einem unglücklichen Zeitpunkt.

Politisch saß Jens Spahn eigentlich fest im Sattel und war sogar in Aufwärtsbewegung, doch eine private Entscheidung bringt ihn jetzt abrupt zu Fall. „Eines ist mir in den letzten Tagen immer klarer geworden: Meine Familie ist mir das Wichtigste“ – mit diesen Worten verabschiedet Spahn sich als Unionsfraktionsvorsitzender nach nur 14 Monaten im Amt.

Der Druck auf den 46-jährigen CDU-Politiker war in den vergangenen Tagen immer weiter gewachsen, auch in der eigenen Partei. Der Grund: ursprünglich privater Natur. Spahn und sein Mann Daniel Funke hatten sich entschieden, Eltern zu werden und dafür die Hilfe einer Leihmutter in den USA in Anspruch genommen.

In Deutschland ist Leihmutterschaft nicht erlaubt – und Spahns Partei ist strikt gegen eine Legalisierung. Auch er selbst hatte sich in der Vergangenheit dagegen ausgesprochen. Kritiker warfen Spahn deshalb vor, er nutze privat Möglichkeiten, die er Menschen in ähnlicher Situation in Deutschland politisch nicht zugestanden habe.

Masken, Richterin, Rente

Spahns Sturz kommt auf dem bisherigen Höhepunkt seiner politischen Karriere, von der manche sagen, dass sie ihn noch ins Kanzleramt hätte führen können. Nach Anlaufschwierigkeiten hatte er seine Position an der Spitze der CDU/CSU-Bundestagsfraktion gefestigt und sich als mächtigster Mann der Union neben Bundeskanzler Friedrich Merz und Bundesinnenminister Alexander Dobrindt etabliert. In der gegenwärtigen Reformphase der schwarz-roten Koalition profilierte Spahn sich als geräuschloser Strippenzieher – ein Erfolg, der nach seinem teils holprigen ersten Amtsjahr nicht jeder vorhergesehen hatte.

Mit einem Wahlergebnis von 91,3 Prozent war es im Mai 2025 vielversprechend losgegangen. Doch nur zwei Monate nach Spahns Start als Fraktionschef platzte die Wahl der Rechtswissenschaftlerin Frauke Brosius-Gersdorf zur Richterin am Bundesverfassungsgericht. Das wurde Spahn angelastet, weil er den Widerstand in der eigenen Fraktion nicht rechtzeitig erkannte. Er beschreibt diesen 10. Juli 2025 als einen der beiden „heftigsten“ Tage seiner politischen Karriere – neben einer Situation während der Corona-Krise, als er massiv unter Druck geriet.

Aus der Bahn werfen ließ sich Spahn von so etwas aber nicht. Auch nicht von der Affäre um Maskenkäufe in seiner Zeit als Gesundheitsminister, die ihn bis in diese Legislaturperiode verfolgte. „Es braucht ziemlich viel, um mich umzuhauen“, sagte der CDU-Politiker. Die wohl größte Herausforderung hatte er im Herbst zu meistern, als die Junge Union den Aufstand gegen das Rentengesetz von SPD-Arbeitsministerin Bärbel Bas probte. Merz zeigte sich trotzig und ging auf Konfrontationskurs. Spahn musste die notwendigen Stimmen organisieren und nahm sich jeden Einzelnen der jungen Rebellen in seiner Fraktion vor. Medienberichten zufolge soll er dabei nicht gerade zimperlich vorgegangen sein und sogar mit dem Entzug von Listenplätzen gedroht haben.

Diese Probleme schlugen sich auch im Ergebnis bei Spahns Wiederwahl als Fraktionschef im Mai dieses Jahres nieder: mit 86,5 Prozent lag es rund fünf Prozentpunkte unter seinem Ausgangswert. Aber Spahn fing sich – so, wie er bis dahin jeden Wirbel um seine Person und seine Entscheidungen ausgesessen hatte. Das mag auch mit seiner Erfahrung zusammenhängen: Spahn ist 46, sitzt aber schon mehr als sein halbes Leben im Bundestag. 2002 wurde der Westfale mit 21 Jahren als damals jüngster Abgeordneter der Union ins Parlament gewählt, dem er nun schon fast ein Vierteljahrhundert angehört.

Das Ende einer Karriere?

Von 2017 bis 2021 war Spahn Gesundheitsminister unter der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel und nach dem Wahlsieg der Union im Februar 2025 auch als Wirtschaftsminister im Gespräch. Merz machte ihn aber zum noch mächtigeren Fraktionschef. Es wäre vielleicht sogar noch mehr drin gewesen.

Er hat aber ganz offensichtlich unterschätzt, welche Wirkung seine private Entscheidung im politischen Raum haben würde. Nach Bekanntwerden der Leihmutterschaft entwickelte sich in der Union in kürzester Zeit ein Sturm der Empörung. Und es gab niemanden, der ihm zur Seite sprang.

In seinem Interview mit „Bild“-Vize Paul Ronzheimer zeigte er sich am Freitagnachmittag noch zuversichtlich, dass er bis zur nächsten regulären Fraktionssitzung damit durchkommen würde. Der Druck war aber schon zu diesem Zeitpunkt enorm. Merz verlor noch vor der CDU-Präsidiumssitzung am Montag die Geduld und drängte ihn zum Handeln.

Ob damit seine politische Karriere ganz endet, ist noch offen. Ein Comeback in gehobener Position ist angesichts seines Glaubwürdigkeitsverlusts aber kaum vorstellbar.

Quelle: ntv.de, Michael Fischer und Lena Klimpel, dpa

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