Marktbericht
Nach tagelangen US-Angriffen auf Iran und Vergeltungsschlägen in der Region droht der Konflikt weiter außer Kontrolle zu geraten. Das treibt am Morgen die Ölpreise auf den höchsten Stand seit Juni.
Nach zwei Verlustwochen in Folge ringt der DAX am Morgen um Stabilisierung – allerdings erstmal ohne Erfolg. Angesichts weiter steigender Ölpreise gab der deutsche Leitindex in den ersten Handelsminuten um 0,2 Prozent auf 24.791 Punkte nach.
„Klare Marktbewegungen sind kaum zu erwarten, es bleibt zäh“, kommentierte Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater. In der vergangenen Woche war der DAX am Ende mit einem Minus von 0,3 Prozent bei 24.830 Punkten aus dem Handel gegangen, womit er seine zeitweise größeren Verluste ein gutes Stück verringerte.
Auch in dieser Woche könnten die Gewinnmitnahmen im Technologiesektor weitergehen. Ansonsten rollt auch hierzulande die Berichtssaison so richtig los. „Die Märkte navigieren derzeit zwischen Unternehmenszahlen und geopolitischen Schlagzeilen, aber am Steuer sitzt der Nahost-Konflikt“, schrieb Marktanalyst Timo Emden. Der Iran-Krieg bleibe das dominierende Risiko für die Finanzmärkte.
Zumal dort die Gefahr einer weiteren Eskalation wächst. Bei einem Raketenangriff der iranischen Revolutionsgarden auf einen Luftwaffenstützpunkt in Jordanien kamen erstmals seit Monaten wieder US-Soldaten ums Leben. Beide Seiten verschärften daraufhin ihre Drohungen. Diplomatische Bemühungen sind unterdessen nicht erkennbar.
Angesichts des zunehmenden militärischen Schlagabtauschs zwischen den USA und Iran ist auch der Schiffsverkehr in der Straße von Hormus am Wochenende zurückgegangen. Daten des Finanzdatenanbieters LSEG zufolge passierten am Sonntag vier Schiffe die Meerenge; am Samstag waren es acht gewesen. „Je länger die Meerenge geschlossen bleibt und der Krieg eskaliert, desto größer ist das Risiko, dass die Ölpreise auf etwa 150 Dollar je Barrel steigen müssten, damit sich die Nachfrage an das geringere Angebot anpasst“, sagte Shane Oliver, Chef-Anlagestratege beim Vermögensverwalter AMP. „Das ist nicht unser Basisszenario, bleibt jedoch ein erhebliches Risiko.“
Der Ölpreis für die Nordseesorte Brent ist zwischenzeitlich auf den höchsten Stand seit Juni gestiegen. Ein Barrel Brent bei Lieferung im September kostet aktuell 90,50 Dollar, ein Anstieg von 2,72 Prozent. Die Sorte West Texas Intermediate legte um 2,39 Prozent auf 84,46 Dollar zu.
So steht denn in dieser Woche auch die Inflation wieder im Fokus, heute wurden erstmal die Erzeugerpreise veröffentlicht. Die deutschen Hersteller haben ihre Preise im Juni nicht mehr so stark angehoben. Die Erzeuger gewerblicher Produkte – von Lebensmitteln bis hin zu Industriegütern – verlangten im Schnitt 1,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Von Mai auf Juni fielen die Erzeugerpreise um 0,3 Prozent.
Erzeugerpreise gelten als Frühindikator für die allgemeine Inflation. Auf deren Entwicklung blickt in dieser Woche auch die Europäischen Zentralbank. Sie berät am Donnerstag über den Leitzins – aktuell steht er bei 2,25 Prozent.
Ein Ausverkauf bei Halbleiter- und KI-Aktien hat der Wall Street am Freitag Verluste eingebrockt. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 0,8 Prozent tiefer auf 52.146 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 gab ein Prozent auf 7457 Zähler nach. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor 1,4 Prozent auf 25.520 Punkte.
Der Sportartikel-Hersteller Adidas hat im Zuge der Fußball-Weltmeisterschaft viermal so viele Trikots verkauft wie beim vorangegangenen Turnier. Die Ballverkäufe hätten sich zugleich verdoppelt, teilte der DAX-Konzern mit. Insgesamt erwarte Adidas nun Verkäufe mit Blick auf die WM in Höhe von etwa 1,5 Milliarden Euro, sagte Adidas-Chef Björn Gulden laut Mitteilung.
Der US-Elektroautobauer Tesla setzt dank der Steigerung von Nachfrage und Gewinn auf einen rasanten Ausbau der Produktion im deutschen Werk in Grünheide bei Berlin. „Für das Geschäftsjahr 2026 prognostiziert die Gesellschaft eine deutlich steigende Produktionsmenge im Vergleich zum Vorjahr“, heißt es im Geschäftsbericht der Tesla Manufacturing Brandenburg SE für 2025. Der Plan sei, die Produktionsmenge zu maximieren.
SpaceX peilt nun kommenden Donnerstag statt des zunächst vorgesehenen Montags einen neuen Startversuch mit seiner Starship-Rakete an, wie das Raumfahrtunternehmen mitteilte. In der vergangenen Woche hatte der von Elon Musk geführte Konzern rund 100 Milliarden Dollar an Marktwert verloren, nachdem der 13. Testflug in Texas kurz vor dem Abheben bei der Zündung der Triebwerke abgebrochen worden war.
