Ein weiterer Schock für die Pendler in Bonn – die Stadtwerke haben mitgeteilt, dass ab heute 60 der insgesamt 75 SWB-Stadtbahnen der Stadt Bonn und des Rhein-Sieg-Kreises (SSB) sowie E-Bahnen nicht fahren können. Voraussichtlich bis zur nächsten Woche sollen die Bahnen wegen möglicher Ermüdungsschäden überprüft werden.
Heute Morgen ist es noch relativ ruhig am Bonner Hauptbahnhof und man merkt noch nicht viel von den fehlenden Bahnen. Sie fahren zwar regelmäßig, allerdings meistens nur mit einem Wagen statt mit zwei. Noch reicht der Platz für die Fahrgäste aber aus.
Die Lage ist gut. (…) Wir können heute alle Fahrten anbieten, bis auf die der Linie 68.
Stefanie Zießnitz, Pressesprecherin SWB
Die Stadtwerke setzen auch darauf, dass jetzt in der Ferienzeit weniger Fahrgäste unterwegs sind und die Stadtbahnwagen dadurch nicht so voll sein werden. Falls es aber doch mal eng wird, ist nach Angaben der Stadtwerke zusätzliches Personal an den Stationen im Einsatz, um die Fahrgäste zu navigieren.
Pendler sehen es gelassen
Die meisten Fahrgäste bleiben entspannt und haben teilweise noch gar nichts von den Änderung mitbekommen. „Ich bin optimistisch das gleich eine Bahn kommt und ich zur Arbeit fahren kann“, sagt uns ein Pendler im WDR-Interview. Teilweise sorgen aber auch verspätete Züge für Unmut. „Eigentlich hätte die Bahn vor 2 Minuten fahren müssen, jetzt kommt sie wohl in 10 Minuten. (…) Ich lasse mich überraschen“, erzählt uns eine andere Pendlerin.
Prüfer warnten offenbar vor Versagen von Bremsen und Rädern
Es gibt Sicherheitsbedenken bei älteren Bahnen der SWB
Quellen des WDR sprechen gar von dramatischen Schäden an einigen Bahnen. Genau diese hätten auch zu der kurzfristigen Stilllegung geführt. Betroffen seien demnach sicherheitsrelevante Bestandteile an den Stadtbahnen mit Baujahren aus den 1970er bis 90er Jahren. Neben Schäden an Rädern sollen Prüfer eine lange Liste mit weiteren Mängeln erstellt haben. Die SWB hat dem WDR bestätigt, dass bei einer Routineuntersuchung der älteren Bahnen Auffälligkeiten an Bauteilen gefunden wurden und Reperaturen nötig seien. Es hätte also sein können, dass es zu einer Materialermüdung gekommen wäre. Deshalb sei es besonders wichtig auf Nummer sicher zu gehen und die Bahnen direkt aus dem Verkehr zu ziehen und zu überprüfen.
Laut WDR-Quellen soll festgestellt worden sein, dass nicht zugelassene Bauteile verwendet wurden und die Arbeiten an den Bahnen nicht vollständig dokumentiert sind. Es bestehe die Gefahr, dass Bremsen und Teile des Fahrwerks unvermittelt ausfallen könnten. Die SWB konnte uns das nicht bestätigen. Zuständig ist die Bezirksregierung Düsseldorf als Technische Aufsichtsbehörde.
Linien 18, 63 und 68 betroffen
Die 60 Bahnen werden laut SWB alle gleichzeitig am Dienstag (21.7.2026) aus dem Betrieb genommen. Die Linien, die teilweise auch durch Köln, Hürth, Brühl und Bornheim fahren, können nach Angaben der Stadtwerke trotzdem in üblicher Taktung bedient werden. Allerdings werden die Bahnen kürzer sein, anstatt zwei Waggons werden sie dann nur einen haben.
Die Linien 18 und 63 werden mit Bahnen der Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) bedient. Auf der Linie 16 gibt es aktuell sowieso Bahnersatzverkehr und die Linie 68 wird wegen der geringeren Nachfrage in den Ferien in den kommenden Tagen nicht fahren.
KVB hilft aus, viele Bonner ahnen nichts
WDR-Reporter Sebastian Tittelbach berichtete am Montagabend live aus Bonn. Er sagte, viele Bonner ahnten nichts von den anstehenden Einschränkungen. Ein Laufband etwa auf den digitalen Abfahrtsinformationen fehlte zum Zeitpunkt seines Berichts vollständig.
Die Kölner Verkehrsbetriebe werden 20 ihrer Stadtbahnen ausleihen, damit ein Teil der ausfallenden Bahnen ersetzt werden kann. Dafür dünnt die KVB ihren eigenen Fahrplan etwas aus. Sie bittet bei den Fahrgästen um Verständnis. „Wir haben intern geprüft, in welchem Umfang das betrieblich möglich ist und haben eine Lösung gefunden, die wir angesichts der sinkenden Nachfrage in den Sommerferien unseren Fahrgästen gegenüber für vertretbar halten“, so KVB-Vorstandsvorsitzender Marcel Winter.
So wird ab sofort die Linie 5 in Köln nur noch mit einem Einzelwagen fahren. Außerdem verkehrt die Linie 18 in der Hauptverkehrszeit morgens und nachmittags auch nur noch im Zehn-Minuten-Takt.
Kein Schienenersatzverkehr
Die Stadtwerke Bonn haben auf WDR-Nachfrage erklärt, dass sie keinen Schienenersatzverkehr für die betroffenen Bahnen einrichten werden. Einerseits gehen die SWB davon aus, dass durch die Unterstützung der KVB der normale Takt auch so gehalten werden kann. Andererseits möchten die Stadtwerke „weniger Verkehr auf den staubelasteten Straßen verursachen“, deshalb setzen sie keine zusätzlichen Busse ein.
Unsere Quellen:
- Pressemitteilung Stadtwerke Bonn
- Mailverkehr mit den Stadtwerken Bonn
- Beobachtungen und Recherchen des WDR-Reporters
- WDR-Interview mit Stefanie Zießnitz, Pressesprecherin SWB
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Bonn, 20.07.2026, 19:30 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, WDR aktuell, 20.07.2026, 21:45 Uhr
