Die Zahl der Hungernden sinkt, doch Konflikte wie im Nahen Osten könnten die Lebensmittelversorgung massiv verschlechtern. Milliarden Menschen fehlt zudem das Geld für eine gesunde Ernährung.
Die gute Nachricht zuerst: Der Hunger weltweit ist das dritte Jahr in Folge gesunken. Zwischen den Regionen gibt es aber deutliche Unterschiede. Die meisten Hungernden gibt es laut dem UN-Bericht zur weltweiten Ernährungssicherheit zurzeit in Afrika.
309 Millionen Menschen litten dort letztes Jahr an Hunger. Damit ist Afrika der Kontinent mit den meisten Hungernden, vor Asien. Das habe zwei Gründe, sagt Maximo Torero, der Chefökonom der Welternährungsorganisation FAO, die sich weltweit für den Kampf gegen Hunger und Mangelernährung einsetzt: „Die Konflikte in Afrika sind eine Herausforderung. Sie sorgen für viel Hunger in der Region.“ Außerdem sei die Bevölkerung in Afrika sehr stark gewachsen.
Folgen der Hormus-Blockade noch nicht erfasst
Vor allem Südasien und Lateinamerika haben laut dem Bericht große Fortschritte gemacht beim Bekämpfen des Hungers. Indien zum Beispiel. Das Land habe sein Sozialsystem verbessert und digitalisiert, sagt Torero. Dadurch sei es für Behörden jetzt leichter, Lebensmittel gezielt an die Menschen zu bringen, die sie brauchen.
Der Bericht zur weltweiten Ernährungssicherheit untersucht wie sich aktuelle Krisen, Konflikte und der Klimawandel auf den weltweiten Hunger auswirken. Die Blockade der Straße von Hormus konnte noch nicht berücksichtigt werden, weil sich der Bericht immer auf das Vorjahr bezieht.
Die Welternährungsorganisation erwartet aber deutliche Folgen durch die Blockade. Weil die Energiepreise weltweit ansteigen. Und weil durch die Blockade Rohstoffe fehlen, um Dünger herzustellen: „Es fehlen 20 bis 30 Prozent von allem, was man braucht, um Dünger zu produzieren. Erdgas zum Beispiel, um Stickstoff herzustellen, oder Schwefel.“ Weniger Dünger führe zu sinkenden Erträgen, so Torero, „was sich später auch auf die Verbraucherpreise auswirken wird“.
Millionen fehlt Zugang zu gesunden Lebensmitteln
Der Bericht untersucht nicht nur den Stand des Hungers, sondern auch die Qualität der Ernährung. Fast 2,7 Milliarden Menschen können sich keine gesunde Ernährung leisten. Ein Grund ist, dass zum Beispiel Obst und Gemüse in vielen Ländern sehr teuer sind. Rund 70 Prozent der Lebensmittelkosten entstehen laut dem Bericht erst nach dem Anbau der Lebensmittel. Durch Lagerung, Transportwege und Kühlketten.
Aber beim Thema gute Ernährung gehe es nicht nur um Unterernährung, sagt Torero: „Auch an Übergewicht und Adipositas sterben Menschen. Durch Herzinfarkte, Diabetes und so weiter. Deshalb muss beides gleichzeitig angegangen werden.“
Die Vereinten Nationen haben das Ziel ausgegeben, den Hunger bis 2030 zu besiegen. Der Bericht zeigt, dass die Welt von diesem Ziel noch weit entfernt ist. Die aktuellen Krisen machen es zusätzlich schwer, es zu erreichen.

