Kein Bier, kein Sektchen und kein Kurzer – die Deutsche Bahn will Alkohol an Bahnhöfen verbieten, für mehr Sicherheit. In Köln und anderen Bahnhöfen ist das schon jetzt Standard. Was hat es dort gebracht?
Der Kölner Hauptbahnhof ist für Shirin Thiertges alles andere als ein Wohlfühlort: „Man fühlt sich unsicher, wenn abends viel Alkohol konsumiert wird an Bahnhöfen, vor allem als Frau“, erzählt die junge Kölnerin. Diese Erfahrungen teilen hier viele: „Wir sind heute früh morgens angekommen und es gibt Menschen, die so früh schon betrunken sind. Das nimmt einem den Spaß an so einer Städtetour“, sagt eine Touristin, die mit ihrer Freundin für den Tag nach Köln gekommen ist.
Dabei gilt hier seit April eigentlich schon das, was die Deutsche Bahn jetzt an allen 5.400 Bahnhöfen in Deutschland durchsetzen will: ein Alkoholverbot. Das soll nicht in den Zügen gelten und auch die Gaststätten und Geschäfte im Bahnhof sollen weiterhin Alkohol verkaufen dürfen. Wer aber im Gebäude und an den Gleisen Alkohol trinkt, der riskiert einen Platzverweis oder bei einem wiederholten Verstoß sogar ein Hausverbot.
Gewalttaten an Bahnhöfen gestiegen
Die Deutsche Bahn erhofft sich dadurch, dass ihre Bahnhöfe sicherer werden. In Bahnhöfen und Zügen wurden 2025 laut dem Bundesinnenministerium ganze 27.000 Gewalttaten registriert. Wie viele davon im Zusammenhang mit Alkohol passiert sind, differenziert die Statistik nicht.
Bahn-Sprecherin Anja Böker sieht dennoch einen klaren Zusammenhang: „Alkohol führt oft zu Konflikten, zu Belästigungen, zu Gewalt, und damit machen wir jetzt Schluss.“ In Hamburg etwa, ein Bahnhof, an dem Alkohol schon seit 2024 verboten ist, habe man gute Erfahrungen damit gemacht: „Da sind die Rückmeldungen positiv. Gewalt ist zurückgegangen, das hat uns bestärkt, das auszuweiten.“
Unter den Gewalttaten leiden häufig auch Bahnmitarbeiterinnen und -mitarbeiter. Die Deutsche Bahn spricht von mehr als 3.000 Vorfällen im vergangenen Jahr. Erst letzte Woche hatte ein Mann einen Kontrolleur in einem Zug attackiert. Der Mitarbeiter erlitt lebensgefährliche Verletzungen. Der Angreifer soll betrunken gewesen sein. Deshalb bleibt die Frage: Reicht ein Alkoholverbot – das nun schrittweise bis zum 15. Oktober an den Bahnhöfen umgesetzt werden soll – aus, wenn in den Zügen weiterhin getrunken werden darf? Immerhin schenken etwa die Bordbistros der ICE-Züge Alkohol aus.
Wer führt Kontrollen durch?
Detlef Neuß vom Fahrgastverband Pro Bahn kritisiert das. Wenn schon ein Alkoholverbot, dann müsse das auch durchgehend sein. Am Gleis und in der Bahn. Außerdem sei er noch nicht überzeugt, dass das Verbot auch wirklich überall kontrolliert werden kann. Denn auch, obwohl das Rauchen in Bahnhöfen verboten sei, werde das nur selten konsequent überwacht: „Und das wird beim Alkohol nicht anders sein“, so Neu, „gerade bei kleineren Bahnhöfen ist das vermutlich personell überhaupt nicht leistbar, dass man eine 24/7-Kontrolle durchführt und Personal vor Ort hat.“ Besonders kritisch könne das bei Großveranstaltungen werden.
Bestes Beispiel dafür: der Kölner Karneval. Hunderttausende Menschen besuchen jedes Jahr die Stadt. Viele davon kommen mit dem Zug am Kölner Hauptbahnhof an und sind schon bei der Ankunft nicht mehr nüchtern.
Generell merken hier am Kölner Hauptbahnhof die meisten noch nicht allzu viel von dem seit etwa drei Monaten geltenden Verbot: „Ich wusste gar nichts davon“, so ein Fahrgast. „Es ist schon störend, vor allem auch, wenn der FC Köln spielt.“
Die Deutsche Bahn habe das Sicherheitspersonal erst in diesem Jahr aufgestockt, so Konzernsprecherin Anja Bröker. Etwa 5.000 hauseigene Sicherheitskräfte würden mit etwa 4.500 Bundespolizistinnen und -polizisten kooperieren. Alexander Dobrindt, als Bundesinnenminister zuständig für die Bundespolizei, zeigte sich gegenüber der Nachrichtenagentur dpa noch nicht ganz überzeugt. Das Alkoholverbot halte der CSU-Politiker für einen „diskussionswürdigen Vorschlag“, die Durchsetzung des Verbots sei jedoch „problematisch“.
