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Startseite»Politik»Chalil al-Haja: Was die Wahl des neuen Hamas-Chefs bedeutet
Politik

Chalil al-Haja: Was die Wahl des neuen Hamas-Chefs bedeutet

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 21, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 21.07.2026 • 18:52 Uhr

Nach einer fast zweijährigen Übergangsphase hat die Terrororganisation Hamas einen neuen Anführer. Die Wahl von Chalil al-Haja steht laut Experten für eine Richtungsentscheidung – gegen pragmatischere Strömungen.

Von Melanie Marks, ARD Tel Aviv

Die Wahl von Chalil al-Haja soll ein Signal sein: Die Hamas will Handlungsfähigkeit zeigen. Denn zwei Jahre stand die Palästinenserorganisation, die von zahlreichen Staaten als Terrororganisation eingestuft wird, ohne klare Führung da.

Israel hat nach dem Terrorangriff auf Israel am 7. Oktober 2023 das Ziel ausgegeben, die Hamas zu zerstören und zahlreiche Vertreter der Führungsriege getötet, auch den letzten Führer der Hamas, Yahya Sinwar.

Seitdem wurde die Hamas von einem mehrköpfigen Team geleitet. Jetzt hat sie mitgeteilt: al-Haja sei zum neuen Anführer gewählt worden. Für Experten war das auch eine Richtungsentscheidung.

Langer Wahlprozess

Hauptkonkurrenten bei dieser Wahl waren Chalil al-Haja und Chaled Maschal, der die Hamas schon einmal geleitet hat. Die Wahl zog sich über Monate hin. Gewählt wurde vom Shura-Rat, dem obersten Beratungsgremium der Hamas. Darin sind alle organisatorischen Einheiten der Hamas vertreten: die Hamas im Westjordanland und im Ausland sowie die Hamas im Gazastreifen.

Einem arabischen Fernsehsender zufolge ging die Wahl mit 35 zu 34 Stimmen knapp für al-Haja aus. Ibrahim Dalalsha vom palästinensischen Thinktank Horizon-Center bezeichnet das als eine „trotzige Botschaft der Hamas“, die sich gegen einen Vertreter der pragmatischeren Strömung entschieden habe.

Zwei Kandidaten – zwei Richtungen

Maschal kommt aus dem Westjordanland. Die Hamas dort gilt als verhältnismäßig weniger radikal, will vor allem politisch überleben. Der Hamas im Gazastreifen geht es stärker um ihre militärische Zukunft. Al-Haja ist dort geboren und hat dort auch den Großteil seines Lebens verbracht. Mittlerweile lebt er im Ausland. Er studierte Islamwissenschaft in Gaza, Jordanien und im Sudan.

Von Anfang an in der Hamas

Seinen Einfluss innerhalb der Hamas hat er in den vergangenen 20 Jahren ausgebaut. Al-Haja gehört seit ihrer Gründung zur Hamas, wurde 2006 für die Organisation ins palästinensische Parlament gewählt, 2017 zu ihrem stellvertretenden Anführer im Gazastreifen.

Dort arbeitete er mit Sinwar zusammen, dem späteren Hamas-Chef, der als einer der Hauptplaner des Angriffs vom 7. Oktober gilt. Etwa 1.200 Menschen starben dabei, mehr als 250 Geiseln wurden in den Gazastreifen verschleppt.

Al-Haja verließ den Gazastreifen vor dem Angriff. Der New York Times sagte er dazu später, es sei der Hamas „gelungen, die Palästina-Frage wieder auf die Tagesordnung zu setzen“.

Vergangenes Jahr versuchte Israel erneut, auch al-Haja bei einem Raketenangriff in Doha zu töten. Er überlebte, einer seiner Söhne starb. Es war bereits der vierte, der getötet wurde.

Wenig Bewegung bei indirekten Verhandlungen mit Israel

Al-Haja übernimmt die Führung der Hamas zu einem Zeitpunkt, zu dem zahlreiche Fragen offen sind: die Zukunft des Gazastreifens, die zukünftige Rolle der Hamas im Westjordanland und ihr Verhältnis der Hamas zu arabischen Staaten.

Dalalsha vom Horizon-Center sagt: Die Ausrichtung der Hamas werde sich durch die Wahl al-Hajas nicht verändern. „Sie verschafft ihm lediglich mehr Macht, um die Politik fortzusetzen, die er innerhalb der Bewegung bereits seit Jahren verfolgt.“

Das betrifft vor allem die indirekten Verhandlungen der Hamas mit Israel. Al-Haja führt diese auf Seiten der Hamas an. Aber aktuell gibt es kaum Bewegung. Der 20-Punkte-Plan von US-Präsident Donald Trump sieht vor, dass eine Technokratenregierung die Verwaltung des Gazastreifens übernimmt. Noch sitzt diese aber in Kairo, weil Israel sie nicht in den Gazastreifen lässt.

Knackpunkt Entwaffnung

Die Hamas hat zwar kürzlich angekündigt, ihre Regierungsaufgaben abzugeben. Allerdings: „Das Problem ist, dass sie weiterhin die wichtigste Macht im Gazastreifen ist und der militärische Flügel weiterhin Waffen einsetzt, wie ein Schattensystem“, sagt Dalalsha.

Israel will deswegen, dass die Hamas in einem ersten Schritt entwaffnet wird und zieht seine Streitkräfte nicht, wie im Plan vorgesehen, schrittweise aus dem Gazastreifen ab. Ein Kompromiss ist aktuell nicht in Sicht.

Engere Verbindungen zu Iran

Eine weitere offene Frage für die Hamas sind ihre Beziehungen zum Iran. Zwar gehört die Hamas zur sogenannten „Achse des Widerstands“. Aber sie stand Iran nie so nahe, wie etwa die Hisbollah-Miliz im Libanon.

Al-Haja will die Beziehungen zu Iran ausbauen. Gleichzeitig hat er aber auch Verbindungen zu Ägypten, Katar – und den US-Amerikanern, wie Michael Milshtein, Hamas-Experte an der Universität Tel Aviv, beschreibt.

Der US-Sondergesandte Steve Witkoff soll al-Haja seine Anteilnahme ausgesprochen haben, nachdem dessen Sohn getötet worden war. „Es scheint also, dass es eine Art Legitimität von al-Haja gibt“, sagt Milshtein.

Amtszeit bis 2027

Was al-Haja nun verändern kann? Viel Zeit hat er nicht. Gewählt ist er bis zur nächsten turnusgemäßen Wahl im kommenden Jahr.

Aber Milhstein und Dalalsha sind sich einig: Es geht al-Haja nicht um Veränderung, sondern darum, seinen Kurs fortzuführen.

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Dr. Heinrich Krämer
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