Die Huthi-Miliz lässt ihrer Ankündigung einer Seeblockade gegen das verfeindete Saudi-Arabien offenbar Taten folgen. Die Gruppe aus dem Jemen hat nach eigenen Angaben mehrere Schiffe zur Umkehr gezwungen.
Die vom Iran unterstützte Huthi-Miliz im Jemen hat eigenen Angaben zufolge sechs Schiffe auf ihrem ursprünglichen Kurs zur Umkehr gezwungen. Innerhalb von 24 Stunden seien sechs Schiffe nach Warnungen der Huthi umgekehrt, berichtete die von der Miliz kontrollierte Nachrichtenagentur Saba. Unabhängig bestätigen ließen sich diese Berichte zunächst nicht.
Unklar ist, wo genau die Schiffe umgekehrt sein sollen. Jemen-Experten zufolge verbreitete die Miliz über Funk zuletzt aber eine entsprechende Warnung an Schiffe. Auch das von den Huthi kontrollierte Zentrum für humanitäre Einsätze in Sanaa teilte mit, Schiffsbesitzer und -betreiber seien aufgefordert worden, ihre Bewegungen vorab zu koordinieren.
In einer E-Mail an Reedereien warnte die Miliz davor, saudi-arabische Häfen anzulaufen. Ein solches Vorgehen könnte dazu führen, dass die Schiffe überall angegriffen würden. Schifffahrtsdaten des Anbieters LSEG zufolge kehrten daraufhin zwei Tanker um. Die beiden Schiffe, die auf dem Weg nach China und Indien waren, nahmen am Dienstag Kurs auf den Suezkanal, um die jemenitische Küste zu meiden.
Trump droht Huthi-Miliz: „Werden uns kümmern“
Die Huthi hatten am Montag eine Blockade für saudische Schiffe angekündigt. Die Huthi begründeten ihre Drohung mit dem Angriff der von Saudi-Arabien unterstützten jemenitischen Regierung auf den Flughafen von Sanaa. Für Saudi-Arabien gelte ab sofort ein „Verbot der Schifffahrt“, sagte ein Sprecher der Miliz. Wo genau diese Blockade gelten solle, wurde nicht gesagt.
US-Präsident Donald Trump sagte in Washington, dass es in der Region bisher keine Blockade der Miliz gegeben habe. „Wir haben länger nicht von ihnen gehört“, sagte Trump während eines Treffens mit Libanons Präsident Joseph Aoun im Weißen Haus. „Wenn es passiert, werden wir uns um die Sache kümmern.“ Trump verwies dabei auf US-Luftangriffe im Jemen im vergangenen Jahr.
Vollständige Blockade könnte Ölkrise weiter verschärfen
Die Huthi kontrollieren im Jemen vor allem den Norden und weite Teile der westlichen Küste am Roten Meer. Von hier aus können sie mit ihrem Arsenal aus Raketen, Drohnen und Marschflugkörpern auch Schiffe in der Meerenge Bab al-Mandab zwischen dem Jemen und dem afrikanischen Kontinent angreifen.
Die Meerenge gehört wie die Straße von Hormus zu den wichtigsten Seewegen weltweit und verbindet den Indischen Ozean über den Suezkanal mit dem Mittelmeer. Der Ölexport Saudi-Arabiens – des größten Rohölexporteurs der Welt – ist bereits durch die Blockade der Straße von Hormus stark eingeschränkt. Saudi-Arabien hatte zuletzt verstärkt eine Pipeline zum Roten Meer genutzt, um sein Öl auf den Weltmarkt zu bringen.
Eine vollständige Sperrung der Meerenge Bab al-Mandab am südlichen Ende des Roten Meeres könnte das weltweite Ölangebot um sieben Prozent verringern, da ein Großteil der saudi-arabischen Exporte die Region nicht mehr verlassen könnte, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters.
Viele internationale Reedereien meiden seit dem Jahreswechsel 2023/2024 weitgehend das Rote Meer und den Suezkanal und nehmen den Umweg um das Kap der Guten Hoffnung an der südafrikanischen Küste in Kauf. Die Huthi hatten damals mit Angriffen im Roten Meer – seinerzeit im Zusammenhang mit dem Gaza-Krieg – den Welthandel bereits massiv beeinträchtigt.
