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Startseite»Politik»Frankreich: Die Not der Weinbauern nach den Waldbränden
Politik

Frankreich: Die Not der Weinbauern nach den Waldbränden

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 21, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 22.07.2026 • 00:38 Uhr

Seit Wochen wüten in Südfrankreich massive Waldbrände. Eine Region, die es hart getroffen hat, sind die Pyrénées-Orientales – dort fielen den Flammen auch zahlreiche Weinhänge zum Opfer. Die Winzer stehen vor dem Nichts.

Julia Borutta

Hinter der Bergkuppe ist plötzlich alles braun und schwarz. Auch der Boden. Das Feuer hat buchstäblich verbrannte Erde hinterlassen. 5.000 Hektar Wald und Weinstöcke sind dahin. Die Heimat und die Lebensgrundlage von Menschen wie Jean-Louis Salies.

Der 78-jährige Weinbauer steht vor seinem Haus ganz oben im 50 Einwohner zählenden Dörfchen Tarerach – ein warmer, fester Händedruck, ein freundlicher, aber rief trauriger Blick. Salies geht voraus in die dunkle Küche. Hier hängt der Kummer schwer in der Luft. „Als ich nach der Evakuierung zurückgekommen bin, habe ich geweint. Und heute Morgen, als ich mich endlich überwunden habe, meine Weinhänge abzufahren, da haben es die Tränen auch wieder leicht gehabt.“

Von 45 Hektar sind ihm nur acht geblieben. Seit dreihundert Jahren ist seine Familie hier verwurzelt. Salies ringt um die Worte, schluckt schwer. „Wir haben den Weinanbau in unserem Herzen, im Bauch, im Kopf. Das ist unsere Leidenschaft. Man muss diesen Beruf schon sehr lieben, um jetzt nicht alles hinzuschmeißen.“

Leichtes Spiel für Waldbrände

Das Feuer hatte hier Mitte Juli leichtes Spiel. Eine Luftfeuchtigkeit von nur 8 Prozent, Temperaturen von 43 Grad und starker Wind. Die Pflanzen waren wie Benzin für das Feuer, so trocken waren sie. Und was auffällt, sind diese Schneisen, wo die Flammen nicht hingekommen sind. Wo es jetzt nicht schwarz verbrannt ist, sondern braun. Da hat einfach die enorme Hitze des Brandes alle Feuchtigkeit in den Pflanzen verdampfen lassen. Als hätte man einen riesigen Haartrockner über die Weinhänge gestülpt.

Salies hat nicht die Kraft, noch einmal mit in die Weinhänge zu fahren, dafür ist Alain Fabre zur Stelle. Der 55-jährige Winzer – rundes Gesicht, wettergegerbte Haut – ist gleichzeitig auch Bürgermeister des kleinen Ortes. Total verbannt, sagt Fabre und zerbröselt die braunen Weinblätter zwischen den kräftigen Fingern. „Da kommt nichts mehr.“

Die Rebe daneben schafft es vielleicht nochmal. Vielleicht. Wenn 50 Prozent eines Weinbergs kaputt sind, helfe nur noch rausreißen und neu pflanzen. Doch bis zu einer neuen Ente dauert es dann mindestens fünf Jahre. Wie könnte man diese Region besser vor Feuern schützen?

Rückgang des Weinanbaus

„Früher haben wir immer im Winter das Unkraut zwischen den Rebzeilen abgefackelt, jetzt dürfen wir das nicht mehr. Vorschrift. Die Grünen wollen die Libellen, die Eidechsen und weiß ich nicht alles schützen“, sagt er. Wo mehr Unkraut stehen bleibt, hat das Feuer auch mehr Zündholz. Hinzukommt, dass der massive Einbruch des Weinkonsums zu einem Rückgang des Weinanbaus geführt hat.

Dabei ist ein Weinberg eigentlich ein guter Feuerwall. „Wenn wir mehr Bauern hier hätten, wäre der Schaden nicht so groß. Alles würde besser in Schuss gehalten, es gäbe weniger Gestrüpp, das die Flammen 10 Meter hochschlagen lässt. Das Feuer wäre einfacher zu stoppen“, sagt Fabre.

EU zahlt Prämien gegen Weinüberschuss

Doch in der Region haben viele Bauern ihre Weinhänge vernichtet, die EU zahlt dafür Prämien, um den Weinüberschuss zu reduzieren. Fabre wünscht sich Wasserrückhaltebecken: Im Winter Regen auffangen, im Sommer die Pflanzen wässern, damit sie die Hitze und mögliche Feuer besser überstehen. Doch auch um die Becken gibt es politischen Streit.

Alain Fabre lässt den Blick zum Dorf schweifen. Tarerach wurde verschont. Hier wurde er geboren, hier will er bleiben. „Mein Sohn will das Weingut eigentlich übernehmen. Aber jetzt fragen wir uns, was wir machen. Ist das überhaupt rentabel? Ich bin zwar versichert, aber wenn das nicht alles abdeckt, wir keine Hilfen von der Regierung oder von der EU bekommen?“

Hilflos fühlen sie sich in Tarerach. Die Winzer wissen nicht, wie es weitergeht. Nur eines scheint gewiss: Auch der nächste Sommer wird heiß und trocken.

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Dr. Heinrich Krämer
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