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Startseite»Politik»Braunau in Österreich: Hitlers Geburtshaus wird zu Polizeistation
Politik

Braunau in Österreich: Hitlers Geburtshaus wird zu Polizeistation

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 22, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 22.07.2026 • 06:50 Uhr

Erst ein Schulgebäude, dann ein Standort der Lebenshilfe, zuletzt Leerstand: Lange wurde im österreichischen Braunau diskutiert, was aus dem Geburtshaus von Hitler werden soll. Nun soll die Polizei den Ort „neutralisieren“.

David Freches

„Ich glaube, dass aus Braunauer Sicht jetzt zur jahrhundertelangen Geschichte des Hauses ein weiteres Kapitel hinzukommt – und es wird wahrscheinlich auch die Diskussion um die Nachnutzung beenden“, sagt Bürgermeister Johannes Waidbacher zur Eröffnung.

Der ÖVP-Politiker meint damit Diskussionen, die es vor Ort jahrelang gab. In den 1970ern war das Gebäude eine Schule, danach das Zuhause der Lebenshilfe in Oberösterreich. Als diese vor 15 Jahren auszog, stand das baufällige Gebäude leer.

Eine Einigung mit der damaligen Eigentümerin, wie das Haus angemessen weitergenutzt werden kann, gab es nicht. Sie wurde schließlich enteignet. Seit 2017 gehört das Gebäude nun der Republik Österreich.

Historische Aufnahme des Geburthauses Adolf Hitlers im oberösterreichischen Braunau am Inn

Polizei soll rechte Kreise fernhalten

Es folgten Debatten über ein neues Konzept, Umbauarbeiten, eine neue Fassade und nun die Eröffnung des Polizeizentrums. Die Stadt sagt: Die Polizeistation kommt auch in der Hoffnung, das Haus als Pilgerstätte für einschlägig rechte Kreise unattraktiv zu machen.

Entsprechende Vorfälle gab es immer wieder. Ein Gerichtsprozess gegen einen Deutschen, der 2021 vor dem Haus einen Kranz niedergelegt hatte, liegt aktuell auf Eis.

Eine Expertenkommission hatte auch diskutiert, ob das Haus abgerissen oder einer Gedenkstätte weichen soll – und sich schließlich bewusst dagegen entschieden. Auch dann hätte die Stadt kaum kontrollieren können, wer den Ort wie als Pilgerstätte aufsucht.

Man wolle die Geschichte mit einem Abriss auch nicht einfach verdrängen. Die Polizei würde den Ort neutralisieren – auch weil es so leichter sei, Überwachungskameras an der Fassade anzubringen.

Historiker: „Keine Neutralisierung möglich“

Florian Kotanko ist Historiker und Obmann im Verein für Zeitgeschichte in Braunau. „Ich glaube nicht, dass es an der Position Braunaus als Geburtsort Hitlers irgendetwas ändert“, so der Historiker.

Es würden auch nach wie vor Leute zu dem Haus kommen, weil sie es bewunderten. „Es ist meiner Meinung nach keine Neutralisierung dieses Ortes möglich.“ Dass dort nun die Polizei unterkommt, dagegen spreche nichts. Sie sei eine Behörde, die dem demokratischen Rechtsstaat unterstehe, sagt der Historiker.

Für ihn wäre eine Option gewesen, wenn die Lebenshilfe dort weiter untergebracht wäre – sinngemäß als großer symbolischer Kontrast: auf der einen Seite ein Rückzugsort für Menschen mit Behinderung, auf der anderen Seite das Geburtshaus des Mannes, der für das Dritte Reich, seine menschenfeindliche Haltung und auch die Euthanasie stand.

„Man kann mit der Entscheidung einverstanden sein oder auch nicht, aber es ist entschieden.“ Damit müsse man sich zufriedengeben, sagt Kotanko. Der Historiker kann sich kaum vorstellen, dass Menschen vor dem Haus künftig noch Kränze niederlegten oder den – auch in Österreich – verbotenen Hitlergruß zeigten, weil sie das dann eben direkt vor einer Polizeiwache täten.

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