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Startseite»Politik»Handelsroute: Nordwestpassage als neuer globaler Seeweg?
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Handelsroute: Nordwestpassage als neuer globaler Seeweg?

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 22, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 22.07.2026 • 07:35 Uhr

Die Nordwestpassage galt lange als gefährlichster Seeweg der Welt. Der Klimawandel weckt Hoffnungen, dass hier eine neue Handelsroute zwischen Ostasien und Nordamerika entstehen könnte. Ein realistisches Szenario?

Martin Ganslmeier

Die Nordwestpassage, die im Norden Kanadas den Atlantik und den Pazifik verbindet, galt lange Zeit als gefährlichste Schiffsroute der Welt. Berühmt-berüchtigt: die gescheiterte Expedition des britischen Kapitäns John Franklin Mitte des 19. Jahrhunderts. Seine beiden Schiffe blieben im Eis stecken. 130 Männer an Bord starben an Unterkühlung, Hunger und Skorbut.

Erst 1906 gelang dem norwegischen Polarforscher Roald Amundsen die erste Durchfahrt. In den nächsten 100 Jahren schafften dies gerade mal 69 Schiffe. In den vergangenen fünf Jahren waren es dagegen – begünstigt durch den Klimawandel und schmelzendes Eis – bereits mehr als 100 Schiffe.

Die Nordwestpassage also eine künftige Handelsroute für die Schifffahrt? Die Polar-Expertin Gabriella Gricius von der US-Denkfabrik „Arctic Institute“ hält dies für vollkommen unrealistisch: „Tatsächlich wird die Durchfahrt aufgrund des schmelzenden Eises eher schwieriger. Mal schmilzt das Meereis, dann gefriert es wieder, ständig verändert sich die Strömung. Das macht die Navigation für Schiffe noch herausfordernder als früher.“

Entfernung zwischen Tokio und New York könnte sich halbieren

Besonders gefährlich sind riesige Eisbrocken, die sich aufgrund des Klimawandels vom ewigen Polareis lösen und nach Süden treiben. Sie können die Außenwand der Schiffe zerstören oder die ohnehin engen Fahrrinnen blockieren. Wäre die Nordwestpassage eine weniger riskante Seeroute, könnte sie die Entfernung zwischen den Häfen in Tokio und New York halbieren.

Doch die Gefahr, im Treibeis stecken zu bleiben oder gar zu verunglücken, ist für Handelsschiffe zu groß, sagt Arktis-Expertin Gricius: „Was würde nach einem Unglück passieren? Es gibt keine Infrastruktur, um auslaufendes Öl zu beseitigen. Oder man steckt fest und braucht einen Eisbrecher, der weit weg ist. Das kostet viel Geld und hohe Versicherungsprämien für Unternehmen.“

Schon jetzt warnen Arktis-Forscher vor wachsenden Gefahren für die Umwelt. Die ökologischen Folgen von auslaufendem Öl oder chemischen Substanzen wären eine jahrzehntelange Belastung auch für die einheimische Inuit-Bevölkerung.

International ungelöster Streit

Doch auch geopolitische Gründe verhindern, dass die Nordwestpassage in den nächsten Jahrzehnten zu einer attraktiven Schifffahrtsroute wird. Für Kanada ist die Nordwestpassage kanadisches Hoheitsgewässer, in dem seit Urzeiten die Inuit leben.

Dagegen sehen die USA, China und europäische Länder die Passage als internationale Wasserstraße, die zwei Ozeane verbindet und für alle frei befahrbar sein muss. Dieser Streit ist bis heute ungelöst. Seit 1988 gibt es jedoch zwischen Kanada und den USA eine Art Stillhalteabkommen, erklärt Arktis-Expertin Gricius. Leitgedanke: Wir stimmen überein, dass wir uns nicht einig sind.

„Die USA fragen Kanada vor einer Durchfahrt stets um Erlaubnis. Und Kanada sagt immer Ja. Damit bekommen die Amerikaner in der Praxis, was sie wollen, ohne Kanadas Auffassung anzutasten.“

China plant „arktische Seidenstraße“

Dieser Kompromiss funktioniert seit fast 40 Jahren. Doch das wachsende Interesse Chinas und Russlands an der Nordwestpassage könnte den Status quo in Frage stellen.

China plant eine „arktische Seidenstraße“ und fordert wie die USA freie Durchfahrt durch die Passage. Dagegen argumentiert Russland ähnlich wie Kanada. Weil Russland seinen eigenen arktischen Seeweg entlang der russischen Nordküste als sein Hoheitsgewässer betrachtet.

Geopolitisch umstritten und gerade wegen des schmelzenden Eises eine immer noch gefährliche Route – die Nordwestpassage wird auf absehbare Zeit keine neue Autobahn für Schiffe werden.

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