Es beginnt oft schmeichelhaft: eine attraktive neue Online-Bekanntschaft, schnelle Vertrautheit, ein Flirt, der intensiver wird. Irgendwann werden intime Bilder oder Videos ausgetauscht, oder ein Videochat nimmt eine private Wendung. Kurz darauf ändert sich der Ton schlagartig: Der Chatpartner droht, das Material an Familie, Freunde oder Arbeitgeber zu schicken, die Freundesliste habe man bereits kopiert. Es sei denn, es wird gezahlt.
Das ist Sextortion, und diese Masche wird industriell betrieben, von organisierten Gruppen mit Drehbüchern, gefälschten Profilen und inzwischen auch KI-generierten Video-Gegenübern. Zunehmend trifft sie auch Menschen, die nie intime Bilder verschickt haben: Dann behaupten die Erpresser einfach, kompromittierendes Material zu besitzen, etwa durch eine angebliche Kamera-Übernahme, oder sie fälschen es mit KI. Die Drohung funktioniert trotzdem, denn sie zielt nicht auf Beweise, sondern auf Scham.
Und Scham ist der Grund, warum diese Masche so gefährlich ist. Betroffene erzählen niemandem davon, zahlen still, und stellen fest, dass die Forderungen nach der ersten Zahlung nicht enden, sondern steigen. Der Druck kann Menschen an ihre Grenzen bringen, gerade junge Betroffene. Deshalb ist der wichtigste Satz dieses Artikels kein technischer Tipp, sondern dieser: Wenn dir das passiert ist, bist du nicht schuld. Du bist auf professionelle Täter hereingefallen, deren Beruf es ist, genau das zu erreichen. Die Scham gehört ihnen, nicht dir.
Was im Ernstfall zu tun ist: Zahle nicht, denn Zahlen beendet nichts, es beweist den Tätern nur, dass Druck wirkt. Brich den Kontakt ab und blockiere die Profile, aber sichere vorher Screenshots von Chat, Profil und Forderungen als Beweise. Erstatte Anzeige bei der Polizei, Sextortion ist eine Straftat, und die Ermittler kennen diese Fälle zur Genüge, niemand dort wird urteilen. Melde die Profile der Plattform. Und in den allermeisten Fällen gilt: Die angedrohte Veröffentlichung bleibt aus, denn sie bringt den Tätern nichts ein, ihr Geschäft ist die Angst davor, nicht die Tat.
Vor allem aber: Sprich mit jemandem. Mit einem Menschen, dem du vertraust, oder mit einer Beratungsstelle. In Österreich ist Rat auf Draht unter 147 rund um die Uhr erreichbar, in Deutschland die Nummer gegen Kummer unter 116 111, für Erwachsene gibt es die Onlineberatungen der Verbraucherzentralen und Kriminalprävention der Polizei. Wenn du Elternteil bist und dein Kind betroffen sein könnte: Reagiere ohne Vorwurf. Die Angst vor dem Ärger zu Hause ist oft genau das, was Kinder in solchen Situationen schweigen und zahlen lässt.

Diese Folge unserer Serie endet anders als die anderen, bewusst ohne Spendenaufruf. Wenn du nach diesem Text etwas tun willst, dann das: Sprich mit den jungen und mit den älteren Menschen in deinem Umfeld über diese Masche, bevor es die Täter tun. Das ist hier mehr wert als jeder Euro.
Hinweis: Stand zum Veröffentlichungsdatum.
Verwendete Bilder, Screenshots und Medien dienen ausschließlich der sachlichen Auseinandersetzung im Sinne des Zitatrechts (§ 51 UrhG).
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