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Startseite»Betrugsmaschen»Wetter-Apps: Wie verlässlich sind 14-Tage-Prognosen?
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Wetter-Apps: Wie verlässlich sind 14-Tage-Prognosen?

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 23, 2026Keine Kommentare7 Minuten Lesezeit
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💬Welche Falschinformationen gibt es zum Klimawandel? Antworten finden Sie im Leitfaden Klima-Desinformation.

Aktuell sorgen sich Nutzer:innen um Wetter-Prognosen für die nächsten zwei Wochen. Wetter-App-Screenshots zeigen sehr hohe Temperaturwerte für Ende Juli und Anfang August. Teilweise werden Werte angezeigt, die so wirken, als stünden sie für einzelne Tage bereits fest.

Das ist irreführend. Wetter-Apps können für die kommenden Tage hilfreich sein, verlieren aber mit jedem weiteren Prognosetag an Genauigkeit. Besonders problematisch sind Anzeigen, die für einen Zeitpunkt in zehn oder 14 Tagen eine einzelne Zahl nennen, ohne die Spannweite möglicher Entwicklungen zu zeigen.

Ich schrieb kürzlich zum Thema. Wer dumme Wetter-Apps guckt, bekommt dumme Ergebnisse

Diese App nutzt das billig rumliegende US-Modell, dort auch nur den Hauptlauf, der ein völliger Ausreißer ist, wie man hier siehthttps://t.co/9Z0XIyBXRf

Deswegen wird bei uns der… https://t.co/WQCAqxglRp

— Jörg @kachelmann anderswo: @realkachelmann (@Kachelmann) July 22, 2026

Eine App-Zahl ist keine sichere Vorhersage

Viele Wetter-Apps zeigen für jeden Tag eine konkrete Temperatur an. Für Nutzer wirkt das eindeutig: Am Mittwoch 31 Grad, am Samstag 36 Grad, Anfang August vielleicht noch mehr. Tatsächlich ist eine solche Zahl bei längeren Vorhersagezeiträumen oft nur ein Ergebnis aus einem Modelllauf.

Jörg Kachelmann kritisiert genau diesen Punkt in seinem X-Beitrag. Er schreibt, wer „dumme Wetter-Apps“ nutze, bekomme „dumme Ergebnisse“. Gemeint sind Apps, die nach seiner Darstellung auf ungeeignete oder unzureichend eingeordnete Modellrechnungen setzen und dabei den Unsicherheitsbereich nicht sichtbar machen.

Der Unsicherheitsbereich ist aber entscheidend. Der Deutsche Wetterdienst erklärt, dass die Qualität von Vorhersagen abnimmt, je weiter sie in die Zukunft reichen. Besonders mittelfristige Vorhersagen sollten deshalb Angaben zu Spannweiten oder Wahrscheinlichkeiten enthalten.

Nach einigen Tagen zählt der Trend

Für den nächsten Tag sind Wetterprognosen meist deutlich belastbarer als für das Ende der kommenden Woche. Auch drei bis fünf Tage lassen sich oft noch sinnvoll einschätzen. Danach wird die Lage zunehmend unsicherer.

Das heißt nicht, dass 10- oder 14-Tage-Prognosen wertlos sind. Sie können Trends zeigen: Wird es eher wärmer? Gibt es Anzeichen für Hochdruck? Steigt die Wahrscheinlichkeit für Hitze, Gewitter oder wechselhaftes Wetter? Problematisch wird es erst, wenn daraus scheinbar exakte Tageswerte gemacht werden.

Eine seriöse Langfristdarstellung sagt deshalb nicht nur „an diesem Tag werden es 37 Grad“, sondern zeigt eine Bandbreite. Für einen Tag in zwei Wochen kann diese Spanne sehr groß sein. Dann ist nicht die einzelne Zahl entscheidend, sondern die Frage, ob mehrere Modelle in eine ähnliche Richtung zeigen.

Die Spannweite zeigt das Problem

Ein aktuelles Beispiel zeigt, wie groß der Unsicherheitsbereich bei einer 14-Tage-Prognose werden kann. Auf Kachelmannwetter wird für den 5. August für Berlin eine mögliche Höchsttemperatur zwischen 22 und 39 Grad angegeben. Für Wien reicht die Spanne sogar von 27 bis 42 Grad. Das sind 17 Grad Unterschied in Berlin und 15 Grad in Wien.

Die Aussage lautet also nicht: „An diesem Tag wird es genau so heiß“, sondern: Die derzeitigen Modellrechnungen lassen eine sehr breite Temperaturspanne zu. Auch bei den Tiefstwerten ist die Unsicherheit deutlich: Für Berlin liegt die Spanne zwischen 14 und 25 Grad, für Wien zwischen 22 und 31 Grad.

Der Vergleich mit dem Folgetag macht den Unterschied klarer. Für den morgigen 24. Juli reicht die Spanne der Höchsttemperaturen in Berlin nur von 18 bis 24 Grad, in Wien von 22 bis 25 Grad. Auch die Tiefstwerte liegen deutlich enger beieinander. Je näher der Prognosetag liegt, desto kleiner ist in der Regel der Unsicherheitsbereich. Genau deshalb sind konkrete Extremwerte für einen Termin in knapp zwei Wochen mit Vorsicht zu lesen.

Wadsak: Hitzewelle ja, Extremwerte nein

Auch ORF-Meteorologe Marcus Wadsak ordnet die aktuellen App-Screenshots ein. In einem Video erklärt er, dass es in Wetter-Apps zu Übertreibungen gekommen sei. Mitte der kommenden Woche beginne demnach eine Hitzewelle, mit etwa 35 Grad und Spitzen von 37 oder 38 Grad.

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Gleichzeitig distanziert sich Wadsak von Screenshots, die ihm mit App-Prognosen von 43, 45 oder sogar 47 Grad zugeschickt wurden. Solche Werte bezeichnet er sinngemäß als Unsinn. Er betont, dass er für diese Wetter-Apps nicht verantwortlich sei und Temperaturen weit über 40 Grad nach seiner Einschätzung nicht zu erwarten seien.

Seine praktische Empfehlung ist deutlich: Apps, die solche extremen Werte ohne saubere Einordnung ausgeben, sollte man eher löschen als ernst nehmen.

Warum Wetter-Apps so stark abweichen

Wettermodelle berechnen mögliche Entwicklungen der Atmosphäre. Dafür gibt es verschiedene Modelle, etwa europäische und US-amerikanische. Hinzu kommen unterschiedliche Aktualisierungen, Auflösungen und Berechnungsmethoden.

Mimikama-Club - Communitybereich fuer Steady-Unterstuetzer:innen

Ein einzelner Modelllauf kann ein Ausreißer sein. Wenn eine App genau diesen Lauf nimmt und daraus eine feste Tagesprognose macht, entsteht schnell ein dramatischer Screenshot. Für Nutzer ist dann kaum erkennbar, ob der Wert von mehreren Modellrechnungen gestützt wird oder nur eine extreme Variante darstellt.

Seriösere Wetterdienste arbeiten deshalb mit Ensembles. Dabei werden mehrere Varianten berechnet. Liegen diese eng beisammen, ist die Vorhersage stabiler. Liegen sie weit auseinander, ist die Unsicherheit hoch. Genau diese Information fehlt in vielen einfachen App-Kacheln.

Worauf Nutzer achten sollten

Wetter-Apps sind nicht grundsätzlich unbrauchbar. Für kurzfristige Planung können sie hilfreich sein, etwa für Regenwahrscheinlichkeit, Temperaturtrend oder Unwetterhinweise. Je weiter der Blick in die Zukunft geht, desto vorsichtiger sollte man einzelne Werte lesen.

Bei Prognosen über mehr als eine Woche sind Spannweiten, Wahrscheinlichkeiten und Modellvergleiche wichtiger als eine einzelne Zahl. Besonders skeptisch sollte man sein, wenn eine App sehr extreme Werte für einen Termin in zehn oder 14 Tagen anzeigt, aber keinen Unsicherheitsbereich nennt.

Für Hitze und Unwetter gilt: Aktuelle Warnungen offizieller Wetterdienste und regelmäßig aktualisierte Prognosen sind belastbarer als ein Screenshot aus einer Langfrist-App.

Bewertung: Irreführend. Wetter-Apps können einen Hitzetrend anzeigen, aber einzelne Extremwerte über viele Tage hinaus sind ohne Unsicherheitsbereich keine verlässliche Prognose.

FAQ zum Thema Wetter-Apps und Langfristprognosen

Sind Wetter-Apps grundsätzlich unzuverlässig?

Nein. Wetter-Apps können für die nächsten Tage hilfreich sein, z. B. bei Temperaturtrend, Regenwahrscheinlichkeit und kurzfristigen Warnhinweisen. Problematisch wird es, wenn Apps für zehn oder 14 Tage im Voraus einzelne Extremwerte anzeigen, ohne Unsicherheitsbereich oder Wahrscheinlichkeit zu nennen.

Wie weit im Voraus sind Wetterprognosen seriös?

Für die nächsten ein bis drei Tage sind Prognosen meist deutlich belastbarer als für die Zeit danach. Auch ein Trend über mehrere Tage kann sinnvoll sein. Je weiter die Prognose in die Zukunft reicht, desto größer wird aber der Unsicherheitsbereich.

Warum zeigen manche Wetter-Apps extreme Temperaturen an?

Manche Apps übernehmen einzelne Modellläufe und stellen deren Ergebnis als konkrete Tagesprognose dar. Solche Modellläufe können Ausreißer enthalten. Ohne Vergleich mit anderen Modellen und ohne Spannweite wirkt eine unsichere Berechnung dann wie eine sichere Vorhersage.

Bedeutet eine 14-Tage-Prognose mit 40 Grad, dass es wirklich so heiß wird?

Nein. Ein einzelner Wert in einer 14-Tage-App ist keine sichere Vorhersage. Er kann auf eine mögliche Entwicklung hinweisen, muss aber mit Unsicherheitsbereich gelesen werden. Entscheidend ist, ob mehrere Modelle einen ähnlichen Trend zeigen.

Woran erkennt man eine seriösere Wetterprognose?

Seriösere Angebote zeigen bei längeren Zeiträumen Spannweiten, Wahrscheinlichkeiten oder Modellvergleiche. Begriffe wie „möglich“, „wahrscheinlich“, „örtlich“ oder „Trend“ sind kein Zeichen von Unseriosität, sondern ein Hinweis auf die Unsicherheit der Prognose.

MEDIA

Facebook | Marcus Wadsak

23. Juli 2026

MEDIA

X | Jörg Kachelmann

22. Juli 2026

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Der nächste Fake ist schon unterwegs.

Diesen hier hast du geprüft gesehen – die meisten Menschen sehen ihn ungeprüft. Bleib ihnen einen Schritt voraus.

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Claudia Spiess

Claudia Spiess ist Redakteurin und Designerin bei Mimikama,
Österreichs führender Faktencheck-Organisation. Sie verbindet
journalistische Sorgfalt mit visueller Kommunikation und trägt
zur verständlichen Aufbereitung von Faktenchecks bei.

Hinweis: Stand zum Veröffentlichungsdatum.
Verwendete Bilder, Screenshots und Medien dienen ausschließlich der sachlichen Auseinandersetzung im Sinne des Zitatrechts (§ 51 UrhG).
Teile dieses Beitrags können KI-gestützt erstellt und redaktionell geprüft worden sein.
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