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Startseite»Nachrichten»Ausgemachte“ Aufbaukämpfe: Wie Fury und Joshua ihren 200-Millionen-Blockbuster „marinieren
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Ausgemachte“ Aufbaukämpfe: Wie Fury und Joshua ihren 200-Millionen-Blockbuster „marinieren

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 23, 2026Keine Kommentare8 Minuten Lesezeit
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Die Box-Superstars Tyson Fury und Anthony Joshua steigen am Wochenende in den Ring, allerdings noch nicht gegeneinander. Stattdessen heizen die Altstars ihre langersehnte Battle of Britain an – mit sportlich fragwürdigen Aufbaukämpfen.

Ein großer Boxkampf, so sagt es Promoter-Legende Bob Arum, müsse reifen, man muss ihn „marinieren“. Der Mann sollte es wissen. Arum ist 94 Jahre alt und seit den Tagen Muhammad Alis im Geschäft. Gilt sein Diktum auch für die Schwergewichts-Stars Tyson Fury und Anthony Joshua? Fraglich. Seit einer Dekade wartet die Boxwelt auf das Duell der englischen Giganten. Das „Battle of Britain“ wurde in dieser Zeit so oft gewürzt, dass die Marinade eigentlich längst ranzig ist.

2021 schien der Kampf ganz nah, als beide noch mit Weltmeister-Gürtel reüssierten. Saudische Promoter hatten mit 150 Millionen Dollar die nötige Finanzspritze aufgezogen, um die Königs-Schlacht zu realisieren. Dann aber verdonnerte ein US-Schiedsgericht WBC-Champion Fury zu einem dritten Kampf mit seinem amerikanischen Erzrivalen Deontay Wilder. Joshua verlor seine Titel von WBA, WBO und IBF an den Ukrainer Oleksandr Usyk. Fünf Jahre später ist keiner der Briten mehr Weltmeister. Und doch ist es so: Sowohl Fury als auch Joshua haben ihre Unterschrift endlich unter einen Vertrag gesetzt. Die Tinte ist trocken, der Kampf beschlossen. Im Herbst soll es so weit sein. Noch nicht entschieden ist, wo der Blockbuster stattfindet.

Der saudische Box-Mogul Turki Al-Sheikh ist offen für den Wunsch der britischen Fans, das Gefecht im Vereinigten Königreich auszutragen, sofern der Gong zu einer Zeit schlägt, die dem US-Markt genehm ist. Streaming-Gigant Netflix überträgt, Fury und Joshua sollen jenseits des Großen Teichs zu Primetime zu sehen sein. In Good Old England wäre es schon 2 Uhr nachts. Für ein Spektakel im Wembley-Stadion vor mehr als 90.000 Zuschauern müsste die Hauptstadt die Sperrstunde rund um das Nationalheiligtum aufheben. Keine einfache Nummer. Als mögliche Alternative gilt das Principality Stadium in Cardiff, das 80.000 Fans Platz bietet. Aber auch das einstige Boxmekka Las Vegas soll seinen Hut in den Ring geworfen haben. Der Traumkampf der Briten in den USA? Am Ende entscheidet das Gesetz des Geldes. Laut Medienberichten sind mehr als 200 Millionen Pfund (rund 325 Millionen Euro) im Topf. Fury und Joshua machen 50:50, heißt es.

Fury spielt den Wohltäter

Noch steht all das aber unter Vorbehalt. Denn die Engländer wollen ihren Megafight am Wochenende erst noch einmal frisch marinieren und sportliche Pflichten erfüllen. Fury trifft am Freitag im thailändischen Ferienort Pattaya auf den Polen Mariusz Wach. Es ist der zweite Kampf des 37-Jährigen in diesem Jahr, nachdem sich Fury im April nach eineinhalb Jahren Rente gegen den Russen Arslanbek Makhmudov relativ brotlos mit einem Punktsieg zurückgemeldet hatte.

Furys Auftritt findet vor einem exklusiven Publikum von nur 1500 Zuschauern statt. Die Ticketeinnahmen kommen einer Wohltätigkeitsorganisation zugute, die benachteiligte Kinder in Pattaya unterstützt. Via TV oder Streaming ist das Duell nicht zu sehen. Die Kameras laufen nur für die dritte Staffel der Netflix-Serie „At Home with the Furys“ (zu Hause bei den Furys), die später über den Äther flimmert. „Ich hätte 100.000 Tickets im Wembley-Stadion oder 70.000 in Tottenham verkaufen können“, tönte Fury. Aber für Geld boxe er eben nicht. Natürlich nicht.

Joshua, auch schon 36, kämpft einen Tag nach der Fury-Show in Dschidda in Saudi-Arabien gegen einen gewissen Kristian Prenga aus Albanien. Der 35-jährige No-Name hat alle seine 20 Siege (bei einer Niederlage) durch K.o. erzielt, weswegen ihn die Promoter und Manager als potenziell gefährlichen Stolperstein inszenieren. Nur: sportlich ist das Vorgeplänkel eigentlich wertlos. „Ich mache keinen runter, der in den Ring steigt, aber realistisch gesehen sind diese Aufwärmkämpfe ausgemachte Sache“, kommentierte die amerikanische Trainerlegende Teddy Atlas bei „Canada Casino“ die Prozeduren in Asien und Arabien.

Joshua gegen „Mr. Pringles – oder wen auch immer“

Furys Gegner Wach ist bereits 46 Jahre alt. Betonung auf alt, denn der 2,02-Meter-Riese hat in seiner Karriere viel auf sein markantes Kinn bekommen. Vor fast 14 Jahren, im Herbst 2012, bezog er vom damaligen Weltmeister Wladimir Klitschko in Hamburg eine fürchterliche Tracht Prügel. Zitternd saß Wach in den Rundenpausen zwischen dem Trommelfeuer auf seinem Schemel, fiel aber nicht um und rettete sich über die volle Distanz von zwölf Runden. So blieb Wach im Geschäft ein gefragter Name. Im Herbst seiner Karriere buchten ihn Promoter als Aufbaugegner, so wie jetzt auch. Vor zwei Jahren machte das britische Toptalent Moses Itauma in zwei Runden kurzen Prozess mit ihm. Sieben seiner letzten zehn Kämpfe hat Wach verloren.

Ungeachtet dessen pfeffert Fury fleißig die Marinade für seine Joshua-Vorspeise. „Gefährlich“ sei sein Kampf gegen den polnischen Hünen, „er ist so groß wie ich“, warnte der „Gypsy King“ – offiziell mit 2,06 Metern gemessen – sich selbst. Ganz der Marktschreier, der er seit jeher ist, schoss Fury noch ein Giftpfeilchen Richtung Rotes Meer. „Mariusz Wach würde mit seiner Faust einmal durch Joshuas Gegner pflügen, diesen Mr. Pringles oder wen auch immer“, spottete er.

Kristian Prenga ist in der Tat bestenfalls Insidern ein Begriff, etwa US-Experte Max Kellermann, der in einer Show der Box-Bibel „The Ring“ – die Turki Al-Sheikh gehört – artig versuchte, den Aufbaukampf schmackhaft zu machen. „Ja, er hat bisher nur gegen Taxifahrer gekämpft“, räumte der Amerikaner mit Blick auf Prengas Statistik zwar ein. Aber: Der 1,96 Meter-Mann vom Balkan könne eben hart hauen. Die Binse, dass ein Schlag im Schwergewicht alles ändern kann, muss als Anzünder herhalten. Andere Beobachter schwören gar ein Andy-Ruiz-Szenario herauf. Gegen den übergewichtigen Mexikaner hatte Joshua bei seinem US-Debüt 2019 völlig überraschend seine WM-Krone verloren. Ruiz – bei all seiner Hülle und Fülle – mit Prenga gleichzusetzen, ist freilich so, als würde man ein Discounter-Steak neben ein saftiges Stück Hüfte vom Metzger legen. Der Vergleich schmeckt nicht.

Usyk und Joshua wie Rocky und Apollo

Fury und Joshua sollen gegen handverlesene Gegner noch einmal glänzen, ehe es zur Sache geht. Nötig sind die Vorspiele nicht. Der britische Clash verkauft sich sowieso, auch wenn die Ex-Weltmeister ihren Zenit überschritten haben. Vielleicht wollen die Boxer tatsächlich nur ihren Ringrost loswerden. Fury wirkte bei seinem Comeback-Sieg im April noch nicht auf der Höhe. Das Fragezeichen hinter Joshua ist noch dicker. Er stand zuletzt im Dezember in Miami gegen Influencer-Größe Jake Paul im Ring. „AJ“ kassierte fürstlich ab und machte in dem bizarren Kampf in Runde sechs nur einmal ernst: Mit einer Rechten brach er Paul den Kiefer. Anfang des Jahres traf Joshua ein schlimmer Schicksalsschlag. In Nigeria hatte er einen schweren Autounfall. Der Boxstar kam mit leichten Verletzungen davon, zwei enge Freunde und Trainer des Engländers starben. Joshua hatte Glück, dass er seinen Platz auf dem Beifahrersitz mit einem der Todesopfer getauscht hatte und in den hinteren Teil stieg.

Um sich sportlich wie mental neu zu erfinden, hat sich Joshua für die Mission Fury mit seinem Nemesis Oleksandr Usyk zusammengetan. Der Schwergewichts-König hatte Joshua nicht nur 2021, sondern auch beim Revanchekampf ein Jahr später nach Punkten geschlagen. In Dschidda, wo der Brite nun sein Comeback gibt. „Ich habe mein Ego abgelegt und gesagt: ‚Let’s go!‘ Ich will der Beste sein, also umgebe ich mich mit den Besten.“ Als Teil von Team Usyk habe er vor allem seine Ausdauer verbessert, behauptet Joshua. „Ist das nicht unglaublich? Der Typ, der mich vor vier Jahren in Dschidda besiegt hat (ist jetzt mein Mentor, Anm.d.Red.). Ich habe gesagt, ich muss über zwölf Runden ein besserer Kämpfer werden. Jetzt hilft sein Team mir dabei, wieder die beste Version von mir selbst zu werden. Es ist einfach großartig, wie das Leben spielen kann“, frohlockte er im Gespräch mit „Talksport“.

Ein wenig erinnert die Faustkampf-(B)Romanze an das Boxermärchen von Rocky Balboa. Auch Rocky tut sich in Teil drei mit seinem alten Rivalen Apollo Creed zusammen, der ihn zurück auf den WM-Thron führt. Usyk hält große Stücke auf seinen prominenten Schüler. Joshua werde sich 2027 zum unumstrittenen Weltmeister krönen, prophezeit der 39-Jährige. Usyk hat unlängst seine WM-Gürtel abgelegt, um für seinen „Last Dance“ zwischen den Seilen freie Gegnerwahl zu haben. Joshua soll ihm folgen, die beiden haben sogar den ikonischen Sprint am Strand zwischen Rocky und Apollo nachgestellt.

„Ich habe nicht das Gefühl, dass die Welt bereits den besten Tyson Fury gesehen hat“, ließ der frühere Schwergewichts-König indes aus Thailand wissen. Das übliche Getöse. Wie viel Fury noch im Tank hat, ist unerheblich. Genau wie bei Joshua. Das Drehbuch für den finanziell größten Schwergewichtskampf der jüngeren Geschichte ist längst geschrieben. Eine Sache schloss Fury im Vorfeld aber aus. Er werde nach seinem Kampf in Thailand nicht direkt ins Flugzeug steigen, um bei Joshuas Auftritt in Saudi-Arabien auf die Pauke zu hauen. „Ich fliege heim zu meiner Frau und den Kindern, von denen ich zehn Wochen weg war“, dementierte Fury entsprechende Berichte über einen Auftritt in Dschidda. So viel Tamtam, Bob Arum würde sagen: Marinade, ist dann doch nicht nötig.

Verwendete Quelle: ntv.de

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