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Nicht mehr als ein Anfang: Das Schauspiel um Klopp wirft Fragen auf

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 23, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Es hat sich über Jahre angedeutet: Jürgen Klopp ist neuer Bundestrainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Der Hoffnungsträger steht vor einer schwierigen Aufgabe, seine Chefs machen keine gute Figur.

Das offenste Geheimnis des deutschen Fußballs ist gelüftet. Also fast. Der Deutsche Fußball-Bund hat am Freitag um 11 Uhr in seinem Campus in Frankfurt am Main zu einer Pressekonferenz geladen, samt englischer Übersetzung. Und geht es nicht mit äußerst überraschenden Dingen zu, präsentiert die Verbandsspitze keinen Monat nach dem blamablen WM-Aus gegen Paraguay ihr ganz eigenes „Rundum-Problemlöser-Qualitätspaket“: den neuen Bundestrainer Jürgen Klopp.

Das Gute daran lässt sich schnell zusammenfassen: Bernd Neuendorf (DFB-Präsident) und Hans-Joachim Watzke (Liga-Präsident und Klopp-Fan) haben das nur kurz bestehende Vakuum beim DFB-Team schon wieder gefüllt und einen Nachfolger für Julian Nagelsmann gefunden. Was das Ergebnis jedoch schmälert: Der Weg, den sie dorthin genommen haben, liefert mehr Fragen als Antworten.

Eine dieser wenigen Antwort heißt Klopp. Seit dem letzten paraguayischen Elfmeter im enttäuschenden Sechzehntelfinale von Foxborough hat die DFB-Spitze keine Sekunde den Eindruck erweckt, sich mit irgendeinem anderen Namen zu beschäftigen. Wieso auch? Klopp stand schon bei allen DFB-Spielen an der Seitenlinie, so gesehen war der Weg ja kein weiter. Er begann die WM mit der „Noch“-Spitze gegen Nagelsmann (entschuldigte sich danach ausführlich) und versprühte entspannte Vibes, während der „Noch“-Bundestrainer von Spiel zu Spiel immer gestresster wirkte. Alles nicht so richtig hilfreich.

Mainz-Dortmund-Leverkusen oder Red Bull?

Aber das liegt in der Vergangenheit. Mit Klopp haben seine neuen DFB-Chefs tatsächlich den Sehnsuchtskandidaten verpflichten können. Seit dem Abschied von Joachim Löw nach der enttäuschenden EM 2021 geistert sein Name durch jede Bundestrainer-Debatte. Die Deutschen lieben den Mainz-Dortmund-Liverpool-Klopp, der allerorts wundersame Dinge verrichtet hat. Der „Pöhler“, der „Normal One“ bescherte seinen Arbeitgebern stehts besondere Momente. 

Ganz anders der Fuschl-am-See-Klopp, der bei Red Bull tätig war. Zu dem wird lieber geschwiegen. Auch weil niemand abschließend beantworten kann, was er als „Head of Global Football“ dort nun eigentlich jetzt vollbracht hat. Verbrieft ist nur, dass in seinen 16 Monaten im RB-Kosmos gleich neun Trainer flogen. Die Frage ist also eher: Welche Klopp-Version sitzt bald auf der DFB-Bank? Es bräuchte den Mainz-Dortmund-Liverpool-Klopp, aber der andere ist mutmaßlich nicht ganz verschwunden.

Was aber deutlich mehr Fragen als die Personalie Klopp aufwirft, ist das unglückliche Bild, das seine neuen Chefs auf der Suche nach ihrem „Rundum-Problemlöser-Qualitätspaket“ abgegeben haben. Das seltsame Schauspiel um den wichtigsten Trainerposten des Landes fing schon mit der Verabschiedung Nagelsmanns an: Der Bundestrainer, der eine Woche zuvor noch die Idealbesetzung war, wurde unsanft per öffentlichem Ultimatum zum Rücktritt gedrängt.

Es wurde nicht besser: Neuendorf und Watzke stürzten sich kopfüber in den Aktionismus. Der heiße DFB-Trainerstuhl war noch nicht einmal wieder abgekühlt, da tauchte Klopp auch schon in der Verabschiedungspressemitteilung für Nagelsmann auf. Es hätte ja keine monatelange Trainerfindungskommission sein müssen, aber etwas Zeit zum Nachdenken? Oder warten, bis das Turnier vorbei ist? Oder wenigstens eine Sekunde einen anderen Kandidaten in Erwägung ziehen? Oder einmal kurz über Strukturen nachdenken?

Ein unschöner Verdacht

Egal, der Kurs war gesetzt: Es soll Klopp sein. Und dafür nahm die DFB-Spitze die transparentesten Verhandlungen aller Zeiten in Kauf. Man wusste, was Red Bull denkt. Was sich der DFB leisten kann. In welchem Airport-Hotel verhandelt wird. Einzig die Snacks auf dem Neuendorf-Watzke-Flug LH 400 nach New York blieben ein Geheimnis. Der DFB hat sich Klopp so sehr vor die Füße geworfen, dass man sich fragte: Worüber wird da eigentlich (mal abgesehen von Werbeverträgen) noch ernsthaft verhandelt?

Schließlich hat der DFB ja nicht mal aus verhandlungstaktischen Gründen so getan, als gäbe es einen Gegenkandidaten. Dabei gibt es bislang keinerlei Beweise, dass Klopp auch Bundestrainer sein kann. Ein Klub, besonders in der Premier League, funktioniert ganz anders als ein riesiger Verband wie der DFB. Und sein künftiger Spielerpool ist anders als im Verein limitiert, das durfte auch Nagelsmann in den vergangenen fast drei Jahren immer wieder erfahren.

Das Ergebnis: Klopp bekommt das Mega-Gehalt, nur knapp mehr als die sieben Millionen Euro, die der DFB seinem Vorgänger zahlte. Und der Verband tut seinem wichtigsten Angestellten keinen Gefallen. Mit all den Erwartungen überfrachtet verwandelt Klopp sich in das „Rundum-Problemlöser-Qualitätspaket“, wie Lars Ricken es genannt hat.

Bei diesem ganzen übereilten Schauspiel drängte sich ohnehin ein unschöner Verdacht auf: Möglicherweise sahen Neuendorf, Watzke und Rudi Völler auch eine verlockende Chance. Vielleicht kommt ja niemand auf die Idee, mal über ihre Posten zu sprechen, wenn sie im Eiltempo einen neuen Bundestrainer präsentieren? Und dann gleich das „Rundum-Problemlöser-Qualitätspaket“, besser geht es doch wohl kaum.

Schließlich lässt sich alles andere danach klären. Bemerkenswert ist das vor allem bei Neuendorf. Der DFB-Präsident hat das Kunststück vollbracht, nun schon das dritte WM-Debakel (Katar 2022, Australien 2023 und nun USA, Mexiko und Kanada) zu verantworten und sich immer noch im Amt zu befinden. In der Wüste vor 3,5 Jahren soll die DFB-Elf an der Politik gescheitert sein. Es wäre aber auch der Job des DFB-Präsidenten gewesen, sich darum zu kümmern.

Wer baut die Leitplanken?

Die Mechanismen sind unverändert. Neuendorf bleibt im Amt. Und Völler auch. Obwohl der DFB-Sportdirektor vor allem im Nachgang keine gute Figur machte. So wie der DFB in Katar die Politik verantwortlich machte, stützt Völler diesmal die Boulevard-Thesen. Ein Foto des Ex-Bundestrainers mit seiner Frau in Winston-Salem? Das habe der Sache „nicht gutgetan“, sagte Völler. Wem ist mit solchen Aussagen geholfen? Sein Job war es, Nagelsmann zu schützen. Vor den Medien, vor sich selbst. Geklappt hat das nicht. Klopp wird das vermutlich nicht brauchen.

Und so hat die DFB-Elf jetzt zwar einen neuen Bundestrainer. Und sonst? Auf dem Podium um 11 Uhr wird Klopp wohl nicht alleine sitzen. Neuendorf und Watzke sollen ihn flankieren. Für sie geht es auch darum, den Eindruck der vergangenen Wochen zu korrigieren: Dass die DFB-Spitze ihre Verantwortung abgibt und alles in die Hände des neuen Bundestrainers legt.

Selbst das „Rundum-Problemlöser-Qualitätspaket“ kann nicht alles übernehmen, das sagte auch Lars Ricken. „Für die Ausbildung der Spieler sind im Endeffekt wir als Vereine verantwortlich“, der DFB könne hier „nur Leitplanken“ setzen. Er muss aber etwas tun, Klopp ist nur der erste Schritt.

Verwendete Quelle: ntv.de

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