Porträt
Ihr dickes Fell hat sie als Gesundheitsministerin unter Beweis gestellt. Nun soll Nina Warken Kanzleramtschefin werden – und als rechte Hand von Friedrich Merz dafür sorgen, dass die Regierungsarbeit wieder geräuschlos läuft.
Nina Warken kennt sich inzwischen gut aus mit Gegenwind. Als Gesundheitsministerin sollte sie das hochumstrittene Sparpaket für die Krankenkassen unbedingt noch vor der Sommerpause über die Ziellinie bringen. „Man braucht schon ein dickes Fell“, sagte sie damals. „Man gewinnt jetzt keinen Beliebtheitswettbewerb mit dem, was man tut.“
Dafür stieg sie aber offenbar in der Gunst des Bundeskanzlers. Friedrich Merz lobte Warken immer wieder für ihre Arbeit. „Sie hat mit sehr viel Mut, mit Augenmaß, mit Ehrlichkeit, mit Empathie, eine Reform vorgelegt, die beispielhaft ist für all die großen Reformen, die wir in der Koalition noch leisten wollen“, lobte er.
Früher kaum bekannt
Vor ihrer Zeit im Gesundheitsministerium war die Baden-Württembergerin öffentlich kaum bekannt. Sie war parlamentarische Geschäftsführerin der Unionsfraktion und kümmerte sich um Justiz- und Innenpolitik. Sie hatte also weder Regierungserfahrung noch kannte sie sich im Gesundheitswesen aus, als der Kanzler ihr den Job der Gesundheitsministerin anbot.
„Wenn man gefragt wird, wenn man das angeboten bekommt, dann ist das schon eine tolle Chance, eine Ehre“, sagte sie damals. „Da bräuchte man schon gute Gründe, es nicht zu machen.“
Die rechte Hand von Merz
Auch diesmal wird sie das Angebot nicht ausschlagen können. Als Kanzleramtschefin wäre sie die rechte Hand von Friedrich Merz, die Managerin in der Schaltzentrale der schwarz-roten Regierung. Statt öffentlichem Gegenwind aus jedem Winkel des Gesundheitswesens drohen nun andere Fallstricke: zwischen Kanzleramt, Fraktion, Ministerien und dem Koalitionspartner.
Das weiß auch Peter Altmaier ganz genau. Er war unter Angela Merkel Chef des Kanzleramtes. „Es ist ganz sicherlich eines der wichtigsten und gleichzeitig aber auch eines der arbeitsreichsten Ressorts in der Bundesregierung“, erinnert er sich. „Wir waren sehr professionell und trotzdem war die Grenze der Belastbarkeit nicht nur erreicht, sondern überschritten.“
Belastbarkeit bewiesen
Warken hat ihre Belastbarkeit unter Beweis gestellt. Als Mutter von drei Söhnen und im schwierigen Gesundheitsministerium, wo sie sich in kurzer Zeit in ein neues Themenfeld einarbeiten musste. Viel Zeit zur Einarbeitung wird ihr auch jetzt nicht bleiben, wenn sie den Job von Thorsten Frei übernimmt. Von der wichtigen Schaltzentrale im Kanzleramt hängt einiges ab, auch der Erfolg der geplanten Reformen.
Zu Warkens neuer Jobbeschreibung gehört: drohende Konflikte frühzeitig zu erkennen und bestenfalls auszuräumen. Warken selbst beschreibt sich als: ungeduldig, kommunikativ und manchmal auch stur. „Ungeduldig, weil man die Dinge schnell voranbringen will. Kommunikativ, weil es viele gibt, mit denen man im Dialog sein muss. Und stur, weil man es dann auch irgendwie schaffen muss, seine Dinge durchzubringen und sich vielleicht auch durchzusetzen.“
Warken wird in Zukunft nicht „irgendwie die Dinge durchbringen“ können. Sie muss im Hintergrund dafür sorgen, dass die Regierungsarbeit geräuschlos läuft. Dass Verhandlungen gut vorbereitet sind, damit die Regierung im entscheidenden Moment zu Kompromissen kommen kann. Der Kanzler traut ihr die Aufgabe der Kanzleramtsministerin offensichtlich zu. Warken wäre dann die erste Frau in diesem Job.

