Nach zwei Nächten ohne US-Angriffe keimt in Teheran Hoffnung auf. Doch Inflation, wirtschaftliche Not und die Angst vor einer neuen Eskalation prägen weiter den Alltag der Menschen.
Zwei Nächte in Folge haben die USA keine Angriffe mehr auf Iran geflogen. In der Hauptstadt Teheran sorgt das für Erleichterung. „Niemand will Krieg in seinem eigenen Land“, sagt der 40-jährige Mohammad, der einen Kiosk im Westen der Hauptstadt betreibt. „Ich bin froh, dass das Kämpfen aufgehört hat.“
13 Nächte in Folge hatte das amerikanische Militär Luftangriffe auf Iran geflogen, mit dem erklärten Ziel, Irans militärische Fähigkeiten um die Straße von Hormus zu zerstören, sodass Iran die Schifffahrt durch die Meerenge nicht mehr bedrohen könnte.
Pause oder Zeichen für Verhandlung?
Zuletzt hatten die USA auch Ziele im Norden des Landes bombardiert, weit entfernt vom Persischen Golf. US-Präsident Donald Trump hatte mit neuen Angriffen in der Hauptstadt gedroht. Doch die sind bislang ausgeblieben.
Ob es sich jetzt nur um eine Pause handelt oder vielleicht doch um ein Zeichen für neue Verhandlungen, ist offen. In Teheran verstärkt das die Unsicherheit, die hier ohnehin den Alltag prägt. „Was ist das überhaupt für eine Situation? An einem Tag herrscht Krieg, am nächsten Tag Frieden“, empört sich Ali.
Der 55-Jährige betreibt eine Wäscherei im Südwesten der Stadt. Er wünscht sich, dass der Konflikt ein für alle Mal beendet wird, mit einem klaren Ergebnis. „Bisher hat Amerika uns mehr Schaden zugefügt als umgekehrt. Seit vier Monaten haben wir kein richtiges Geschäft mehr gemacht. Wir können uns die Miete für unsere Wohnung nicht mehr leisten.“
Hohe Inflation – Krieg verschärft wirtschaftliche Lage
Die wirtschaftliche Lage in Iran hat sich durch den Krieg mit den USA nochmal verschärft. Experten in Teheran rechnen mit einer Jahresinflation von 68 Prozent für 2026. Doch die tatsächlichen Zahlen dürften im dreistelligen Bereich liegen.
Die Preise explodieren, die iranische Währung Rial rutscht immer weiter ab. Der Teheraner Basar, eines der wirtschaftlichen Zentren der Stadt – im Juli 2026 ist er deutlich leerer als vor dem Krieg. „Damit sich die Lage verbessert, muss dieser Konflikt endlich beendet werden“, erklärt Danial. Er verkauft auf dem Basar Haushaltsgeräte. „Im Moment leben wir nur noch in Ungewissheit. Niemand weiß, wie die Zukunft dieses Landes aussieht.“
Kaum noch Kunden auf Basar
Die Devisenkurse schwanken stark. Wenn Danial am Morgen einen Preis für eine importierte Küchenmaschine nennt, kann es sein, dass sie bereits wenige Stunden später bereits deutlich teurer geworden ist. Das macht es schwierig, erklärt der Verkäufer. „Auf dem Basar stehen inzwischen vor allem wir Händler selbst herum. Kunden kommen kaum noch. Das Geschäft läuft praktisch gar nicht mehr. So können wir unseren Lebensunterhalt nicht verdienen.“
Ein Früchtehändler auf dem Tajrish-Platz im Norden Teherans.
Sorgen um die Zukunft
Und so gibt es auch für junge Menschen wenig Perspektive, erzählt ein Student in der Nähe der Universität Teheran, der seinen Namen nicht nennen will. „Wir machen uns große Sorgen um unsere Zukunft. Man strengt sich ständig an, und am Ende kommt nichts dabei heraus. Wenn man weiß, dass all die harte Arbeit zu keinem Ergebnis führt, dann macht einen das natürlich traurig.“
Im Dezember war die wirtschaftliche Lage der Auslöser für neue Proteste, die im Januar blutig niedergeschlagen wurden. Heute zeichnen sich neue Proteste dennoch nicht ab. Die Menschen haben die Repressionen nicht vergessen. Erst vergangene Woche hat die iranische Justiz einen Mann hingerichtet, der im Januar auf der Straße gewesen sein soll.
Kundgebungen und Gebete
Wer derzeit auf die Straße geht: Es sind die Anhänger der Islamischen Republik. Jeden Abend veranstalten sie Kundgebungen auf den großen Plätzen der Hauptstadt: mit Fahnen, lauter Musik und gemeinsamen Gebeten. Ein Teilnehmer am Teheraner Tajrish-Platz erklärt: „Wir wollen unseren Kämpfern an der Front den Rücken stärken, damit sie sicher sein können, dass in den Städten alles ruhig und sicher ist und sie mit Zuversicht gegen den Aggressor kämpfen können.“
Dabei fordern die Menschen auf den Kundgebungen Vergeltung für den Tod des Obersten Führers, Ali Chamenei. In der Bevölkerung sind die Anhänger der Islamischen Republik eine Minderheit, auf den Plätzen und Straßen der Hauptstadt Teheran haben sie allabendlich zurzeit die Oberhand.
Iran: Gespräche mit Oman
Wie es im Krieg zwischen den USA und Iran weitergeht, ist offen. Irans Revolutionsgarde erklärte, weiterhin könne kein Schiff durch die Straße von Hormus fahren, ohne die iranischen Vorschriften einzuhalten.
Irans Außenamtssprecher erklärte, dass Gespräche mit Oman über die zukünftige Nutzung der Meerenge produktiv gewesen seien. Derweil erklärte das US-Militär, man halte die Blockade iranischer Häfen im Persischen Golf aufrecht.

