Die Waldbrände nähern sich immer mehr der französischen Stadt Bordeaux. Eine Evakuierung ist laut Bürgermeister nicht geplant. Bewohner und Urlauber sind verunsichert.
Ein starker Brandgeruch liegt über der gesamten Stadt Bordeaux und zieht durch alle Öffnungen in die Häuser ein. Die Behörden haben die Menschen aufgefordert, Aufenthalte im Außenbereich zu begrenzen. Die Feinstaubwerte sind über die zulässigen Schwellenwerte gestiegen.
Charles aus Bordeaux ist mit seiner Frau Christelle am Ufer der Garonne unterwegs. Beide tragen zum ersten Mal seit der Corona-Epidemie wieder FFP2-Masken: „Das sticht in der Nase, in den Augen, im Hals. Also dachten wir, es sei besser mit Maske rauszugehen“, sagt Charles. So ein Feuer habe er noch nicht erlebt. „Mit so etwas haben wir nicht gerechnet“, sagt er.
Noch sieht es in der historischen Altstadt von Bordeaux nach Normalität aus. Aber die Stimmung ist angespannt. Viele Menschen sind besorgt und wissen nicht, was da in den nächsten Tagen noch auf sie zukommen wird.
„Evakuierung der Stadt Bordeaux ist nicht geplant“
Es gebe keine offiziellen Durchsagen oder Ansagen, was man jetzt genau zu tun habe, erzählt Lisa aus der Nähe von Stuttgart.
Mit ihrem Begleiter Gaston ist Lisa von einem Campingplatz am Cap Ferret evakuiert worden. Ihre Zelte sind noch vor Ort, aber nun wollen sie abreisen. Denn eine Entspannung der Lage ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: Immer wieder wird die Frage gestellt, ob auch die Stadt Bordeaux irgendwann evakuiert werden muss.
Das verneint Bürgermeister Thomas Cazenave: „Eine Evakuierung der Stadt Bordeaux ist nicht geplant. Es gab vorbeugende Evakuierungen in einigen Gemeinden der Metropolregion Bordeaux, um die Zivilbevölkerung zu schützen und zu vermeiden, dass bei einem Feuer in Panik evakuiert wird.“
Kampf David gegen Goliath
Aber einige der Ausläufer des Feuers bei Bordeaux sind nur noch rund 15 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Das Feuer ist noch nicht einmal ansatzweise unter Kontrolle. Feuerwehrvertreter sprechen von einem Kampf David gegen Goliath.
Die Rettungskräfte haben es mit einer in Frankreich bislang nicht bekannten neuen Dimension der Waldbrände zu tun. „Das ist ein völlig unvorhersehbares Phänomen, das Feuergewitter auslöst mit eigenen Winden“, sagt auch die zuständige Präfektin Sophie Brocas. „Und der Wind facht das Feuer dann wieder selbst an.“
Aussicht auf weitere Hitze
Es entwickeln sich wahre Flammentornados, die für eine unkontrollierte Ausbreitung der Brände sorgen. Hunderte Häuser sind schon komplett verbrannt. Mehr als 200.000 Menschen sind bereits evakuiert worden. Sie werden in Notunterkünften untergebracht oder auch bei Privatleuten. Hotels in Bordeaux haben bereits Insassen von evakuierten Altenheimen aufgenommen.
Die französische Regierung will heute zu einer weiteren Krisensitzung unter der Leitung von Präsident Emmanuel Macron zusammenkommen. Die Wetterbedingungen sind im Moment eher ungünstig. Immer wieder gibt es kräftige Windböen und im Laufe der Woche werden in Bordeaux wieder Höchsttemperaturen bis 41 Grad erwartet.

