Bei der Betriebsversammlung vor der Sommerpause stellt Porsche das „Zukunftspaket“ vor – es geht um Einsparungen und Jobabbau. Auch bei Audi soll noch stärker gespart werden als bisher. Der Autobauer kappte seine Prognose.
Beim Sportwagenbauer Porsche wurden auf der heutigen Betriebsversammlung erstmals Details des sogenannten Zukunftspakets vorgestellt. Ein wichtiger Bestandteil: Stellenstreichungen. Der kriselnde Autobauer will in den kommenden Jahren rund 5.000 weitere Stellen abbauen – zusammen mit dem im vergangenen Jahr beschlossenen Wegfall müssen damit rund 8.900 Beschäftigte das Unternehmen verlassen.
Die Mitarbeitenden sollen über Fluktuation, Altersteilzeit und Aufhebungsverträge sozialverträglich ausscheiden, wie das Unternehmen und der Porsche-Betriebsrat nach einer Betriebsversammlung im Stammwerk Stuttgart mitteilten. Außerdem sollen Tariferhöhungen bis 2035 zum Teil einbehalten werden, das Weihnachtsgeld sinkt und der Mitarbeiterbonus orientiert sich stärker am Unternehmenserfolg. Große Teile des Managements verzichten 2027 und 2028 auf Erhöhungen der Grundvergütung. Homeoffice soll zudem künftig nur noch an maximal acht statt zwölf Tagen im Monat möglich sein.
Die geltende Standortsicherung verlängert Porsche bis 2035. Betriebsbedingte Kündigungen seien in dieser Zeit ausgeschlossen. Außerdem sollen bis 2035 2,1 Milliarden Euro in den Standort Zuffenhausen und das Entwicklungszentrum in Weissach investiert werden.
Ziel: Porsche zukunftsfähig machen
Ziel der aktuell beschlossenen Maßnahmen sei, die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und dabei langfristig möglichst viele Arbeitsplätze abzusichern. Denn die VW-Tochter steckt bereits seit einiger Zeit in der Krise.
Das nun beschlossene Zukunftspaket ist bereits die zweite große Sparrunde. Im Februar 2025 hatten sich Management und Betriebsrat auf den Abbau von rund 1.900 Stellen in der Region Stuttgart bis 2029 verständigt. Zusätzlich liefen die befristeten Arbeitsverträge von etwa 2.000 Mitarbeitern aus.
Auch Audi in der Krise
Auch beim Ingolstädter Autobauer Audi geht es – wieder einmal – um Kosteneinsparungen: Die bereits eingeleiteten Sparmaßnahmen zeigten zwar Wirkung, reichten aber nicht aus, sagte Finanzchef Jürgen Rittersberger zur Vorstellung der Audi-Halbjahreszahlen und betonte: „Wir müssen in dem Umfeld, in dem wir uns bewegen, wettbewerbsfähiger und effizienter werden, an den Kostenstrukturen arbeiten und Entscheidungsprozesse schneller hinbekommen.“
Gleichwohl betonte VW-Chef Oliver Blume zuletzt, dass er Werksschließungen vermeiden wolle. „Es gibt intelligentere Lösungen, als Werke zu schließen. Das ist immer die letzte Option.“ Ähnlich äußerte sich heute auch Rittersberger: Es werde kein Gegeneinander der beiden Standorte Neckarsulm und Ingolstadt geben. „Wir haben Möglichkeiten, an beiden Standorten die Effizienz zu steigern“, sagte Rittersberger. „Wenn alle mithelfen, können wir eine Zukunft für Neckarsulm organisieren.“
Standorte effizienter machen
Das Handelsblatt berichtet bereits über Überlegungen, den Standort Neckarsulm durch eine Senkung der Kapazitäten dort und in Ingolstadt zu retten. Derzeit können in Neckarsulm jährlich 225.000 Fahrzeuge gebaut werden, das sind bereits rund 75.000 weniger als noch vor wenigen Jahren. An dem Standort laufen derzeit ausschließlich Verbrennerfahrzeuge vom Band.
Laut Rittersberger ist bereits beschlossen, die Nachtschicht in dem Werk zu streichen. „Wir sind kontinuierlich dabei, die Kapazitäten auf die Marktlage anzupassen.“ Blume hatte zuletzt in einem intern veröffentlichten Interview gesagt, dass in Europa Überkapazitäten von 500.000 Fahrzeugen abgebaut werden müssten.
Prognose gesenkt
Aktuell läuft bereits ein Stellenabbauprogramm bei den Ingolstädtern. Im März vergangenen Jahres hatte das Unternehmen den Abbau von bis zu 7.500 Jobs bis 2029 verkündet. Damals war allerdings auch die Beschäftigungssicherung, die betriebsbedingte Kündigungen ausschließt, bis Ende 2033 verlängert worden. Beim Abbau komme man gut voran, sagt Rittersberger.
In den Zahlen schlägt sich das bislang allerdings nur bedingt nieder: Angesichts eines immer schwieriger werdenden Marktes in China und der Eskalation im Nahen Osten erwartet der Autobauer im laufenden Jahr weniger Umsatz und Rendite, wie Audi heute mitteilte. Für das Gesamtjahr sagte die Volkswagen-Tochter nur noch Erlöse von 58 bis 63 Milliarden Euro voraus, das sind fünf Milliarden Euro weniger als noch im April prognostiziert.
Auch die Rendite dürfte mit fünf bis sieben Prozent um einen Prozentpunkt niedriger ausfallen als bislang angenommen. Derzeit ist Audi von dieser Rendite aber noch weit entfernt: Im ersten Halbjahr lag sie lediglich bei 3,8 Prozent.
Schwächstes erstes Halbjahr seit 2021
Audi blickt zudem auf das schwächste erste Halbjahr seit 2021 zurück: Der Gewinn im zweiten Quartal sank um rund 21 Prozent auf 563 Millionen Euro nach Steuern. Der Rückgang beim Quartalsgewinn fällt allerdings vergleichsweise niedrig aus, wenn man ihn mit dem Einbruch um rund ein Drittel bei Konzernmutter Volkswagen im zweiten Jahresviertel vergleicht.
Treiber der Krise ist – wie im Gesamtkonzern auch – unter anderem die Situation in China. Dort und in den USA verlor Audi zuletzt deutlich an Absatz. Zudem herrscht ein starker Preiswettbewerb. Das China-Geschäft, das bei Audi wegen der dortigen Joint-Ventures im Finanzergebnis verbucht wird, trug im ganzen ersten Halbjahr nur noch 73 Millionen Euro bei. Im Vorjahreszeitraum war es noch fast viermal so viel.
