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Startseite»Betrugsmaschen»KI-Firmen schreddern Bücher: Was belegt ist
Betrugsmaschen

KI-Firmen schreddern Bücher: Was belegt ist

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 30, 2026Keine Kommentare7 Minuten Lesezeit
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→Woran erkennt man Fake News zuverlässig? Antworten finden Sie im Leitfaden Fake News erkennen.

Aktuell sorgen Social-Media-Beiträge für Verunsicherung: KI-Firmen sollen Bücher massenhaft aufkaufen, zerschneiden, für KI-Trainings scannen und anschließend vernichten.

WTF

AI companies are purchasing large quantities of used and rare books. Scanning their contents to train models. Then turning the originals to pulp.

The sum of human thought, digitized and shredded.

Every book that gets scanned disappears from the physical world permanently.… pic.twitter.com/zCDV0tFaci

— Shruti (@heyshrutimishra) July 29, 2026

Der wichtigste Punkt: Der Vorgang ist nicht frei erfunden, wird in den viralen Beiträgen aber stärker verallgemeinert, als es die Belege hergeben.

Für Anthropic ist der Vorgang belegt

Der wichtigste belegte Fall betrifft Anthropic, das Unternehmen hinter Claude. Aus einer Entscheidung des U.S. District Court for the Northern District of California im Fall Bartz v. Anthropic geht hervor, dass Anthropic Millionen gedruckter Bücher kaufte, die Bindungen entfernen ließ, die Seiten zuschneiden und scannen ließ und die Papieroriginale anschließend verwarf.

Aus den Büchern entstanden digitale, durchsuchbare Dateien für eine interne „research library“. Das ist der harte Kern der viralen Behauptung: Es handelt sich nicht nur um Social-Media-Gerüchte oder eine frei erfundene Empörung.

Wichtig ist aber die genaue Formulierung. In den Gerichtsunterlagen ist von „destructive scanning“ und dem Verwerfen der Papieroriginale die Rede. Begriffe wie „geschreddert“, „zu Zellstoff verarbeitet“ oder „pulped“ können den Entsorgungsweg beschreiben, sind aber nicht in jedem Einzelfall als konkrete Methode belegt.

Destruktives Scannen selbst ist kein speziell für KI erfundenes Verfahren. Es wird in der Massendigitalisierung genutzt: Der Buchrücken wird entfernt, damit die losen Seiten schneller durch Scanner laufen können. Für wertvolle oder historische Bände gibt es schonendere Verfahren, sie sind aber langsamer und teurer.

Das Video allein beweist wenig

Das auf X geteilte Video zeigt offenbar einen technischen Arbeitsschritt: Bücher werden für das Scannen vorbereitet, indem die Rücken entfernt werden. Solche Aufnahmen können echt sein, beweisen für sich allein aber nicht, wer den Auftrag erteilt hat, welche Bücher betroffen waren oder ob die Scans tatsächlich für KI-Training genutzt wurden.

Für eine belastbare Zuordnung bräuchte es zusätzliche Belege: Auftragsunterlagen, Rechnungen, Lieferketten, ISBN-Listen, Angaben zum Scandienstleister oder interne Dokumente. Die vorliegenden Recherchen betonen genau diesen Punkt: Ein Clip ist ein Recherchehinweis, aber noch kein vollständiger Nachweis für einen konkreten KI-Auftrag. 

Nicht für alle KI-Firmen gleich belegt

Die viralen Posts sprechen häufig allgemein von „AI companies“ oder „KI-Unternehmen“. Das ist zu breit. Für Anthropic gibt es einen klaren Primärbeleg aus einem Gerichtsverfahren.

Bei anderen großen Unternehmen ist die Lage anders. Gegen Google, Meta und OpenAI gibt es zwar ebenfalls Urheberrechtsverfahren rund um Bücher und Trainingsdaten. Dort geht es aber vor allem um digitale Quellen, etwa Schattenbibliotheken, Webdaten oder kopierte Datensätze. Ein ähnlich klarer Beleg dafür, dass diese Unternehmen massenhaft physische Bücher kaufen, zerschneiden, scannen und anschließend entsorgen lassen, liegt derzeit nicht öffentlich vor.

Das heißt nicht, dass es keine weiteren Fälle geben kann. Es heißt nur: Der gut belegte Fall ist Anthropic. Bei anderen Akteuren gibt es bislang vor allem Hinweise, Recherchen zu Zwischenhändlern und auffällige Bestellungen im Buchmarkt.

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Warum gerade ältere Bücher interessant sind

Für KI-Unternehmen sind gedruckte Bücher aus der Zeit vor dem Boom generativer KI besonders attraktiv. Der Grund: Sie enthalten mit hoher Wahrscheinlichkeit menschlich geschriebene, redigierte Texte und nicht bereits massenhaft KI-generierte Inhalte. Anbieter wie ISBNdb werben laut 404 Media genau mit diesem Argument: Bücher vor 2022 seien als Trainingsdaten interessant, weil sie frei von moderner KI-„Kontamination“ seien.

Das erklärt, warum nicht nur besonders wertvolle Bücher eine Rolle spielen, sondern vor allem ältere Fach-, Sach- und Spezialtitel mit ISBN. Für KI-Training zählt nicht zwingend der Sammlerwert eines Buches, sondern der Text: strukturiert, thematisch vielfältig und möglichst nicht schon aus KI-Ausgaben recycelt.

Seltene letzte Exemplare sind nicht nachgewiesen

Der emotional stärkste Teil der Behauptung betrifft angeblich seltene oder sogar letzte vorhandene Bücher. In manchen Posts wird gewarnt, unwiederbringliche Einzelstücke könnten für KI-Trainingsdaten zerstört werden.

Dafür gibt es derzeit keinen belastbaren öffentlichen Nachweis. Recherchen aus Europa berichten zwar über auffällige Massenbestellungen, ISBN-Listen und obskure Titel aus Antiquariaten und Secondhand-Beständen. Zugleich beschreiben Händler und Medien aber auch, dass häufig ältere Fachliteratur, Sachbücher, Reisebücher, Kochbücher oder schlecht verkäufliche Lagerbestände betroffen seien.

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Damit bleibt die Sorge um Kulturgut nachvollziehbar, aber die stärkste Zuspitzung ist nicht belegt: Ein öffentlich dokumentierter Fall, in dem nachweislich das letzte bekannte physische Exemplar eines Werks für KI-Training zerstört wurde, ist derzeit nicht bekannt.

Warum die Sorge trotzdem nachvollziehbar ist

Die Sorge ist nicht aus der Luft gegriffen. Auch wenn nicht bewiesen ist, dass gezielt letzte Exemplare vernichtet werden, kann destruktives Scannen kulturelle Verluste verursachen. Ein digitales Trainingsfile ersetzt nicht die materielle Geschichte eines Buches: Einband, Papier, Randnotizen, Exlibris, Besitzspuren oder besondere Druckmerkmale gehen verloren.

Hinzu kommt ein Marktproblem. Wenn datenhungrige Käufer große Mengen obskurer Titel über ISBN-Listen aufkaufen, können Bücher aus dem Gebrauchtmarkt verschwinden, ohne dass vorher geprüft wurde, wie selten sie tatsächlich sind. Genau diese fehlende öffentliche Bestandsprüfung ist eine der offenen Fragen.

Das US-Urteil ist kein Freibrief für Europa

Im Anthropic-Verfahren trennte das Gericht zwei Dinge: Die Digitalisierung rechtmäßig gekaufter Printbücher für interne Zwecke wurde im konkreten Fall als Fair Use gewertet, auch weil die gedruckten Originale vernichtet wurden und keine zusätzliche Kopie am Markt blieb. Separat davon ging es um piratisch beschaffte Buchdateien aus Schattenbibliotheken; dazu kam es später zu einem Vergleich über 1,5 Milliarden US-Dollar. 

Die Fair-Use-Logik aus den USA lässt sich nicht einfach auf die EU übertragen. Hier gelten andere Regeln für Urheberrecht und Text- und Data-Mining. Werke dürfen für Text- und Data-Mining nur unter bestimmten Voraussetzungen vervielfältigt werden, etwa wenn sie rechtmäßig zugänglich sind. Rechteinhaber können kommerzielle Nutzungen außerdem vorbehalten.

In Deutschland ist das unter anderem in § 44b UrhG geregelt. Deshalb wäre ein vergleichbares Vorgehen hier nicht automatisch zulässig, nur weil ein US-Gericht Anthropic im konkreten Fall teilweise recht gegeben hat. Entscheidend wären die Umstände des Einzelfalls, der Zugang zu den Werken und mögliche Rechtevorbehalte.

Fazit

Bewertung: Teilweise belegt und irreführend.
Für Anthropic ist massenhaftes Kaufen, destruktives Scannen und Entsorgen gedruckter Bücher belegt. Die pauschale Behauptung, KI-Firmen würden bereits massenhaft seltene oder letzte physische Exemplare vernichten, ist nach der vorliegenden Quellenlage nicht belegt.

FAQ: KI-Firmen und gescannte Bücher

Stimmt es, dass KI-Firmen Bücher massenhaft kaufen, zerschneiden, scannen und danach vernichten?

Ja, für Anthropic ist das belegt. Ein US-Gericht dokumentierte, dass das Unternehmen Millionen gedruckter Bücher kaufte, die Bindungen entfernen, die Seiten zuschneiden und scannen ließ und die Papieroriginale anschließend verwarf.

Geht es dabei wirklich um KI-Training?

Ja, im Anthropic-Fall ging es um den Aufbau einer internen digitalen Forschungsbibliothek für KI-Entwicklung. Alte und gedruckte Bücher gelten für KI-Unternehmen als besonders wertvolle Datenquelle, weil sie redigierte, strukturierte und oft vor der KI-Textwelle erschienene Inhalte enthalten.

Werden die Bücher danach vernichtet?

Im Anthropic-Fall wurden die Papieroriginale nach dem destruktiven Scannen verworfen. Ob sie in jedem Fall geschreddert, recycelt oder anderweitig entsorgt wurden, ist nicht für jeden Einzelfall öffentlich belegt.

Werden dabei seltene oder letzte Exemplare zerstört?

Dafür gibt es derzeit keinen belastbaren öffentlichen Nachweis. Recherchen berichten über auffällige Massenbestellungen, obskure Titel und Sorgen im Antiquariatsmarkt. Ein dokumentierter Fall, in dem nachweislich das letzte bekannte physische Exemplar eines Werks für KI-Training zerstört wurde, ist derzeit nicht bekannt.

MEDIA

news.com.au

28. Juli 2026

OFFICIAL

U.S. District Court

23. Juni 2025

OFFICIAL

Bartz et al. v. Anthropic

5. September 2025

✓ Dieser Fall wurde geprüft

Der nächste Fake ist schon unterwegs.

Diesen hier hast du geprüft gesehen – die meisten Menschen sehen ihn ungeprüft. Bleib ihnen einen Schritt voraus.

Früher gewarnt werden →

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Hinweis: Stand zum Veröffentlichungsdatum.
Verwendete Bilder, Screenshots und Medien dienen ausschließlich der sachlichen Auseinandersetzung im Sinne des Zitatrechts (§ 51 UrhG).
Teile dieses Beitrags können KI-gestützt erstellt und redaktionell geprüft worden sein.
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Dr. Heinrich Krämer
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