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Reichste Russin ist Gründerin : Das ist der russische Online-Riese unter Beschuss

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 30, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Reichste Russin ist Gründerin Das ist der russische Online-Riese unter Beschuss

30.07.2026, 20:12 Uhr Von Christina Lohner
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Wildberries-Gründerin Tatjana Kim im Juni in St. Petersburg (Foto: picture alliance / TASS)

Die Ukraine attackiert „Russlands Amazon“ zurzeit beinahe täglich. Hinter dem Unternehmen steht eine Selfmade-Milliardärin. Zu ihrer Erfolgsgeschichte gehört ein blutiges Kapitel.  

Die heftigen ukrainischen Angriffe auf den Online-Händler Wildberries sollen der russischen Bevölkerung klarmachen: Der Angriffskrieg gegen ihr Nachbarland betrifft auch sie, ganz persönlich. Die Ukraine selbst erklärte ihre Attacken damit, dass auf der Plattform auch Rüstungsgüter gehandelt werden. Deren Anteil dort ist allerdings gering – das „russische Amazon“ ist vor allem eine entscheidende wirtschaftliche Säule des Landes. Dahinter steht die wohl reichste Frau Russlands: Tatjana Kim.

Kim kann laut dem US-Wirtschaftsmagazin „Forbes“ auf umgerechnet genauso viele Milliarden Euro wie eigene Kinder stolz sein: ganze sieben an der Zahl. Die ehemalige Englischlehrerin, geboren in der tschetschenische Hauptstadt Grosny, gründete Wildberries 2004 in Moskau. Die damals 28-Jährige war gerade in Mutterschutz und verkaufte in den ersten Jahren Kleidung des deutschen Versandhändlers Otto weiter, wie das Magazin ausführt. Ihr damaliger Ehemann Wladislaw Bakaltschuk, ein IT-Techniker, stieg demnach bald in die Firma ein. Zunächst arbeitete das Paar von zu Hause aus.

Heute sind die beiden getrennt, der Scheidungskrieg 20 Jahre nach Firmengründung war im wörtlichen Sinne blutig. Nachdem Kim ihren Mann aus dem Unternehmen geworfen hatte, tat sich dieser mit Tschetschenen-Chef Ramsan Kadyrow zusammen und versuchte, mit Bewaffneten in die Konzernzentrale einzudringen. Bei der Schießerei mit dem Sicherheitsdienst starben zwei Männer. Kim nahm daraufhin wieder ihren eigenen Familiennamen an.

Die Unternehmerin legte Wildberries gegen den Willen ihres Ex-Mannes mit dem Werbe-Riesen Russ zusammen. Seit Genehmigung der Fusion durch den Kreml sollen angeblich hochrangige Putin-Vertraute wie der Chef der Präsidialverwaltung, Anton Waino, an dem Konzern beteiligt sein.

Wildberries als Systemrisiko?

Eine solche Beteiligung von Kreml-Vertretern würde auch dabei helfen, mithilfe einer Staatsbank eine Pleite infolge der massiven ukrainischen Angriffe zu verhindern. Darüber wird Berichten zufolge derzeit nachgedacht.

Mit der Rettung des größten Online-Händlers des Landes würde sich die russische Führung allerdings auch selbst helfen. Wildberries ist einer der, wenn nicht der größte Kreditnehmer des Landes, wie der britische „Guardian“ einen ukrainischen Rüstungsvertreter zitierte. Mit dem Online-Riesen würden demnach zahlreiche russische Banken ebenfalls zusammenbrechen. Wildberries hatte zuletzt versucht, mithilfe von Krediten weiter zu wachsen und seine Lagerflächen im Eiltempo erweitert. Hinzu kamen eine eine eigene Online-Bank sowie ein Reisebüro.

Wildberries‘ Marktmacht ist inzwischen enorm, sowohl bei Verbrauchern als auch bei Händlern. Hunderttausende Anbieter verkaufen ihre Waren über das riesige Netzwerk mit Zehntausenden Abholstellen, die bis in die kleinsten Städte und mehrere Nachbarländer reichen. Mehr als 20 Millionen Transaktionen pro Tag wickelt Wildberries nach eigenen Angaben ab. Waren im Wert von umgerechnet fast drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts wurden im vergangenen Jahr laut der Nachrichtenagnetur Bloomberg auf der Plattform abgefertigt. Wegen des großen Angebots und schnellen Lieferungen wird der Online-Marktplatz auch „russisches Amazon“ genannt.

Die Händler, die dort verkaufen, sind von den ukrainischen Angriffen ebenso getroffen wie Wildberries selbst. Auch sie bangen teilweise um ihre Existenz. Bei den Bränden von Wildberries-Logistikzentren werden teils große Anteile ihrer dort gelagerten Waren zerstört – mit einem Wert in Milliardenhöhe. Wildberries hat insbesondere kleinen Anbietern eine Entschädigung zugesagt, doch über deren Höhe wird noch gestritten; die Beschwerden häufen sich.

Gewinn in Milliardenhöhe

Dabei hatte „Russlands Amazon“ im vergangenen Jahr umgerechnet fast zwei Milliarden Euro Gewinn gemacht, eine Steigerung von 68 Prozent im Vergleich zum Jahr zuvor. Der Umsatz betrug 67 Milliarden Euro. Etwa die Hälfte des gesamten russischen Online-Handels läuft über Wildberries. Der größte Konkurrent Ozon schaffte nur 100 Millionen Euro Gewinn.

Die Rubrik „Alles für die Spezialoperation“, wie Russland seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine nennt, hat Wildberries infolge der inzwischen fast täglichen ukrainischen Attacken entfernt, wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete. Militärbedarf wie Kampfhelme oder Drohnen-Steuergeräte lässt sich demnach trotzdem noch bestellen.

Bereits vor den ukrainischen Attacken hatte Wildberries – wie auch Ozon – laut Bloomberg die Bedingungen für die Verkäufer geändert. Für Verluste aufgrund höherer Gewalt müssen nun die Händler selbst haften. Dazu zählen Drohnenangriffe.

Ukrainische Drohnen zielen auch regelmäßig auf Moskau. Dort soll Wildberries‘ neue Zentrale im Jahr 2030 das höchste Gebäude werden. Falls es fertig gebaut wird.

Quelle: ntv.de

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