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Entsetzen weicht Begeisterung: Ukrainerin macht Cottbus zum Social Media-Star

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 2, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Entsetzen weicht BegeisterungUkrainerin macht Cottbus zum Social Media-Star

Diana Yukhimets erreicht mit ihrem Instagram-Kanal „cottbus_heute“ Tausende Menschen. (Foto: picture alliance/dpa)

Aus „grau und schrecklich“ wird Liebe, jedenfall bei Diana Yukhimets. Die geflüchtete Ukrainerin entdeckt Cottbus neu – und zeigt Tausenden, was viele Einheimische übersehen. Ihre Videos verändern den Blick auf eine Stadt im Imagekampf.

Als Diana Yukhimets vor vier Jahren nach Cottbus kam, war sie wenig begeistert. Ihr erster Eindruck: „Grau, schrecklich“, sagt sie heute und lacht. Die Ukrainerin war nach ihrer Flucht zunächst im Stadtteil Schmellwitz untergebracht. „Kiew ist bunt, groß und schön. Millionenstadt. Und dann Cottbus. Das war eine Katastrophe.“

Heute gehört ausgerechnet sie zu den sichtbarsten Botschafterinnen der Lausitzmetropole. Mit ihrem Instagram-Kanal „cottbus_heute“ erreicht die 29-Jährige Tausende Menschen, einzelne Videos werden hunderttausendfach angesehen. Sie zeigt Lieblingsorte wie den Branitzer Park oder den Sachsendorfer Badesee, berichtet über Veranstaltungen und stellt Menschen und Unternehmen aus der Stadt vor. Vor allem aber vermittelt sie etwas, das in vielen Debatten über Cottbus oft fehlt: Begeisterung.

„Ich habe in verschiedenen Orten gelebt und weiß zu schätzen, was ich hier habe“, sagt Yukhimets. Geboren wurde sie in Poltawa, vor dem Krieg lebte und arbeitete sie in Kiew. Nach ihrer Ankunft in Deutschland lernte sie Deutsch und knüpfte Kontakte. Mit jeder neuen Freundschaft änderte sich auch ihr Blick auf die Stadt. „Alles wurde besser und besser. Und jetzt, wo ich ein großes Netzwerk habe, ist alles super“, sagt sie. Für ihre Follower plant sie ein Picknick im Branitzer Park, für Frauen veranstaltet sie kleine Kunst-Events – Malen bei Prosecco – und sie singt in einem ukrainischen Chor. 

Hobby mit großer Reichweite

Die Idee für „cottbus_heute“ entstand zufällig. Eine Freundin betreibt einen Instagram-Kanal über Senftenberg. „Da dachte ich: Das kann ich auch machen.“ Große Erwartungen hatte sie nicht. Doch schon im ersten Monat gewann sie rund 500 Follower. Besonders beeindruckt habe sie die Offenheit vieler Menschen. „Ich bin Ausländerin, spreche Deutsch mit slawischem Akzent und habe trotzdem viel Unterstützung bekommen.“ Auch von Ausländern in Cottbus kämen oft positive Reaktionen. Inzwischen hat sie fast 11.000 Follower, vor allem aus Cottbus, Berlin und Brandenburg. 

Dass solche Kanäle erfolgreich sind, überrascht Steffen Schoch nicht. Der Geschäftsführer von Heilbronn Marketing und Vorstandsmitglied des Bundesverbands City- und Stadtmarketing Deutschland (BCSD) sieht darin einen grundlegenden Wandel.

Das Stadtimage entsteht heute nicht mehr nur im Rathaus, in Tourismusorganisationen oder klassischen Medien“, sagt Schoch. Vereine, Unternehmen und Influencer prägten das Bild einer Stadt immer stärker mit. Oft würden Nutzer diese Inhalte sogar als glaubwürdiger wahrnehmen als offizielle Werbung. Auffällig sei, dass Zugezogene ihre neue Heimat häufig positiver sähen als Alteingesessene. „Wer neu in eine Stadt kommt, nimmt vieles bewusster wahr und sucht nach positiven Erlebnissen“, erklärt Schoch. Wer schon lange dort lebe, ärgere sich dagegen häufiger über Probleme.

Der Wert des Blicks von außen

Cottbus kennt Schoch aus den 1990er Jahren, als er dort beruflich tätig war. Schon damals sei ihm die kritische Haltung vieler Einheimischer aufgefallen. Gleichzeitig hätten Zugezogene oft auf die Stärken der Region hingewiesen – vom Branitzer Park über den Spreewald bis zum Umfeld der Stadt. Gerade ihr Blick von außen sei wertvoll. „Sie können neue Geschichten erzählen und Qualitäten sichtbar machen, die für die Identität einer Stadt wichtig sind, aber oft unterschätzt werden.“

Das Rathaus weiß um die Imageprobleme der Stadt. Noch immer werde Cottbus hauptsächlich mit Braunkohle verbunden. „Als Stadt voller Energie(kompetenz) sehen wir uns durchaus; leider ist der Kontext meist der des ‚Drecks‘ der Braunkohle“, sagt Sprecher Jan Gloßmann. Nicht ganz unbegründet sei leider der Ruf als Schwerpunkt rechtsextremistischer Aktivitäten. Yukhimets erlebt dieses Spannungsfeld regelmäßig. Unter ihren Videos finden sich Lob und Kritik gleichermaßen. Ein Beitrag über das Leben in der knapp 100.000 Einwohner zählenden Stadt erreichte mehr als 700.000 Menschen.

Negative Kommentare hätten sie anfangs verletzt. „Beim ersten schlechten Kommentar habe ich geweint.“ Inzwischen geht sie gelassener damit um und macht aus manchen Hasskommentaren sogar neue Beiträge.

„Cottbus ist nicht New York“

Obwohl sie keine „echte“ Cottbuserin sei, fällt ihr Urteil über die Stadt eindeutig aus: „Ich stehe hier morgens auf. Ich trinke meinen Kaffee hier. Ich warte auf die Straßenbahn. Ich lerne Menschen kennen. Ich höre ihre Geschichten. Ich habe hier neu angefangen. Diese Stadt ist Teil meines Weges geworden. Vielleicht bin ich nicht hier geboren. Aber ich habe mich entschieden, hier zu sein. Nicht für einen Moment, sondern für mein Leben.“ Künftig plant sie neue Formate, möchte Unternehmen vorstellen und Veranstaltungen organisieren. Ihr Ziel: ein anderes Bild von Cottbus.

„Cottbus ist nicht New York und nicht die Malediven. Aber die Stadt hat große Perspektiven.“ Der Cottbuser Ostsee, die Universität und viele junge Menschen böten große Chancen für den Tourismus und die Entwicklung der Stadt. „Wir müssen die Touristen jetzt hierherholen und Studenten zum Bleiben bewegen“, sagt sie. 

Für Schoch zeigt sich darin die Stärke sozialer Medien. Wer dort erlebt, wie Menschen in einer Stadt leben, arbeiten und ihre Freizeit verbringen, bekomme ein wesentlich konkreteres Bild als über offizielle Informationen. Gerade kleinere Städte hätten dadurch große Möglichkeiten. „Es ist eine Riesenchance“, so Schoch. Allerdings sei nicht alles, was in den sozialen Medien über Städte transportiert werde, immer nur positiv. Ähnlich sieht es Birgit Kunkel von der Tourismus-Marketing Brandenburg (TMB).

Influencer erreichten Zielgruppen, die klassische Kanäle kaum noch ansprechen, und genössen hohes Vertrauen. Zudem lieferten sie authentische Einblicke, die touristische Organisationen selbst kaum in dieser Vielfalt bieten könnten.  Das bestätigt Daniela Kerzel, Geschäftsführerin der CMT Cottbus Congress, Messe & Touristik GmbH: „Es werden Zielgruppen angesprochen, die wir nicht erreichen. Gut recherchierte Inhalte, die sympathisch präsentiert werden, können nur positiv sein.“ Für Yukhimets geht es bei ihrem Kanal längst nicht mehr nur um Reichweite oder Klickzahlen. Sie möchte den Menschen zeigen, was sie selbst erst nach und nach entdeckt hat. „Die Leute verstehen oft gar nicht, wie gut sie hier leben“, sagt sie. „Ich möchte zeigen: Ihr habt alles für ein gutes Leben.“

Quelle: ntv.de, Anja Sokolow, dpa

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