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Politik

Einzelhandel erzielt Umsatzplus trotz Kaufzurückhaltung

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 3, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 03.08.2026 • 15:11 Uhr

Der Einzelhandel hat in den ersten sechs Monaten des Jahres höhere Umsätze erwirtschaftet. Verbraucher halten sich bei Käufen weiterhin zurück, doch Händler profitierten von gestiegenen Preisen.

Die deutschen Einzelhändler haben ihren Umsatz im ersten Halbjahr vor allem durch Preiserhöhungen gesteigert. Die Einnahmen wuchsen inklusive Preissteigerungen von Januar bis Juni um 2,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Inflationsbereinigt (real) blieb nur ein Plus von 0,7 Prozent übrig.

Eine Steigerung der Umsätze im Mai fiel nach neuesten Berechnungen mit real 1,2 Prozent noch etwas kräftiger aus als zunächst angegeben. Danach gingen die Erlöse im Juni zurück. Im Vergleich zum Mai 2026 sanken sie nach Angaben der Wiesbadener Behörde real um 1,1 Prozent und nominal um 1,2 Prozent.

„Auffällig war im Juni erneut die Entwicklung der Umsätze der Tankstellen“, schreiben die Statistiker zu den aktuellen Zahlen. Sie stiegen – vor allem als Folge höherer Ölpreise durch den Krieg im Nahen Osten – real um 2,1 Prozent zum Vormonat. Der Umsatz im Lebensmittel-Einzelhandel schrumpfte dagegen um 1,4 Prozent zum Vormonat, der mit Nicht-Lebensmitteln um 1,0 Prozent.

Konsumstimmung auf Pandemie-Niveau

Nach wie vor prägt Kaufzurückhaltung das Geschäft. Der private Konsum, der eine wichtige Stütze der Konjunktur ist, entwickelte sich amtlichen Zahlen zufolge in den vergangenen Monaten verhalten. Zwar dämpfte der Tankrabatt im Mai und Juni den Preisauftrieb. Die Inflation verharrte jedoch über der Zwei-Prozent-Marke und zog im Juli wieder sprunghaft auf 2,8 Prozent an. Eine höhere Teuerungsrate schmälert die Kaufkraft der Menschen: Sie können sich dann für einen Euro weniger leisten.

Das spüren die Händler. „Die Lage im Einzelhandel ist alles andere als gut“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland (HDE), Stefan Genth. Die Konsumstimmung bewegt sich dem Branchenverband zufolge seit Langem rund um das Niveau des zweiten Corona-Lockdowns. „Das ist zu wenig, um der Branche Auftrieb zu geben“, so Genth. Weder die internationale Lage mit den Konflikten in Nahost und in der Ukraine noch die Bundespolitik machten kurzfristig Hoffnung auf bessere Stimmung.

Der HDE rechnet für das Gesamtjahr 2026 mit einem Umsatzwachstum von zwei Prozent – befeuert vor allem durch den Online-Handel. Ohne Berücksichtigung von Preiserhöhungen sagt der Verband nur ein reales Plus von 0,5 Prozent voraus. Die Politik müsse entschlossene Reformen angehen, um Unternehmen und Verbraucher bei Lohnnebenkosten, Energiepreisen und Bürokratie zu entlasten, fordert der HDE. Erst wenn die Menschen positive Veränderungen im Alltag spürten, steige die Konsumlaune.

Unsicherheiten bleiben

Zwar hat sich die Stimmung im Einzelhandel zuletzt aufgehellt: Im Juli stieg das Barometer für das Geschäftsklima auf minus 28,7 Punkte von minus 32,4 Punkten im Juni, wie das Münchner ifo-Institut in einer Umfrage erhob. „Das Geschäftsklima bei den Einzelhändlern hat sich zwar zum dritten Mal in Folge verbessert“, sagte ifo-Branchenexperte Patrick Höppner. „Die Stimmung bei den Unternehmen bleibt aber schlechter als vor der Eskalation des Konflikts im Iran Ende Februar.“

Viele Händler schätzten ihre Geschäftsaussichten für den weiteren Jahresverlauf sehr zurückhaltend ein. Im April und Mai war der Indikator auf die niedrigsten Werte seit 2023 abgerutscht. „Der Iran-Konflikt hat die konjunkturelle Unsicherheit erhöht und belastet die Verbraucherstimmung, auch wegen höherer Inflationsrisiken“, so Höppner.

Der schwache Konsum hat dazu beigetragen, dass sich der Aufschwung der deutschen Wirtschaft im Frühjahr verlangsamt hat. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs zwar von April bis Juni um 0,2 Prozent und damit das dritte Quartal in Folge – aber langsamer als zu Jahresbeginn, als das Plus 0,4 Prozent betrug, und Ende 2025 (0,3 Prozent).

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