Seit 2022 wartete Boeing auf die Zulassung seines kleinsten Flugzeugs aus der 737-MAX-Reihe. Nun hat die US-Luftfahrtbehörde FAA die 737 MAX 7 freigegeben. Zuvor hatte es mehrfach Sicherheitsmängel gegeben.
Boeing hat nach jahrelangen Verzögerungen eine Zulassung für das kleinste Flugzeug seiner Modellfamilie 737 Max bekommen. Am Montagabend erteilte die US-Luftfahrtbehörde FAA die Zertifizierung für die Boeing-Flugzeuge vom Typ 737 MAX 7. Bei Anlegern kamen die Nachricht gut an: Boeing-Aktien stiegen nach der Zulassung für die MAX 7 am Montag um rund fünf Prozent.
Die Zulassung hatte sich zuvor abgezeichnet: Boeing hatte im Juli mitgeteilt, sich in der Endphase der Zertifizierung für die Überarbeitung des Anti-Eis-Systems der Triebwerke zu befinden. Nun kann der Airbus-Rivale die Maschinen des Typs 737 MAX 7 auch an Kunden ausliefern.
Nach Angaben der Branchen-Experten des Luftfahrt-Analysehauses Cirium hat Boeing bereits etwa 30 Maschinen des Typs MAX 7 gebaut, laut Konzern gibt es über 280 Bestellungen. Die 737 Max 7 kann je nach Konfiguration 135 bis 160 Passagiere befördern und hat eine Reichweite von bis zu gut 7.000 Kilometern.
Modell MAX 10 wartet noch auf Zulassung
Das größere Modell, die 737 MAX 10, wartet noch auf die Zulassung. Der stellvertretende FAA-Chef Chris Rocheleau zeigte sich im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters aber optimistisch: Er rechne damit, dass die Zulassung für die größere MAX 10 unmittelbar auf die der MAX 7 folgen werde. Boeing hofft auf eine Zulassung bis Ende des Jahres – sicher auch, weil laut den Branchen-Experten von Cirium schon neun MAX 10 gebaut sind, die nun auf ihre Auslieferung warten.
Für den US-Konzern ist die Zulassung ein wichtiger Schritt, da Boeing lange darauf gewartet hat, die kleinste Version seines Verkaufsschlagers an Kunden ausliefern zu können. Ursprünglich hatte Boeing mit einer Zulassung noch vor Ende des Jahres 2022 gerechnet.
Boeing macht Verluste
Boeing steht finanziell unter Druck. Aus dem Ruder laufende Kosten für das neue US-Präsidentenflugzeug haben Boeing im zweiten Quartal tiefer in die roten Zahlen gedrückt als erwartet. Allein 280 Millionen Dollar schrieb der US-Flugzeugbauer erneut auf die Air Force One ab.
Die Verzögerungen bei der Präsidentenmaschine belasteten auch das Gesamtergebnis: Der bereinigte Verlust je Aktie lag mit 76 Cent mehr als doppelt so hoch wie Analysten im Schnitt erwartet hatten. Der Nettoverlust schrumpfte aber im Vergleich zum Vorjahr um rund 30 Prozent auf 428 Millionen Dollar.
Monatelanges Flugverbot nach Abstürzen
Doch nach zwei Abstürzen von 737-MAX-Maschinen, bei denen 346 Menschen starben, wurden die Modelle fast zwei Jahre gegroundet, von März 2019 bis November 2020. Das behördliche Flugverbot dauerte rund 20 Monate, bis die US-Luftfahrtbehörde FAA die Maschinen Ende 2020 nach Software-Updates und neuen Trainingsvorgaben wieder freigaben.
Hinzu kamen zuletzt immer wieder Qualitätsproblemen bei Boeing, die das Zulassungsverfahren weiter verzögerten. So war etwa im Januar 2024 während eines Fluges einer fast neuen MAX 9 der Fluggesellschaft Alaska Airlines ein Kabinenteil herausgebrochen.
Auch im Juni hatte es wieder einen Zwischenfall gegeben: Eine Ryanair-Maschine auf dem Weg vom griechischen Thessaloniki nach Memmingen in Süddeutschland musste kurz nach dem Start zum Flughafen zurückgekehrt. Eine Passagierin berichtete, während des Fluges sei ein Knall zu hören gewesen, dann sei eine Fensterscheibe zerbrochen. Bei dem Flugzeug habe es sich um eine Boeing 737-800 gehandelt.
