Abgeblätterte Farbe und Algen im frisch sanierten „Reflecting Pool“ in Washington: US-Präsident Trump wittert dahinter Vandalismus. Doch die Staatsanwaltschaft hat Anklagen fallengelassen – was für Ärger im Weißen Haus sorgt.
Die Renovierung des ikonischen „Reflecting Pools“ vor dem Lincoln Memorial in Washington D.C. ist das Prestigeprojekt für US-Präsident Donald Trump und seine Kampagne zur Verschönerung der Hauptstadt der USA. Doch dieses Projekt macht eine Menge Ärger.
Vandalen und Trump-Gegner sollen die frisch gegossene Bodenbeschichtung mit einem Teppichmesser aufgeschnitten und herausgerissen haben, behauptete der US-Präsident noch im Juni voller Überzeugung.
Staatsanwältin Pirro droht mit zehn Jahren Gefängnis
Drei Verdächtige präsentierte die Staatsanwältin von D.C., Jeanine Pirro, Anfang Juli. Darunter ist David Hearn, ein US-Bürger aus einem Vorort von D.C. und früher einmal Olympiateilnehmer im Kanu-Team der USA.
Die Beweise gegen ihn seien erdrückend, behauptet die Trump-Vertraute Pirro damals. Mitarbeiter des National Park Service, die für die Verwaltung der US-Nationalparks zuständig sind, hätten die Tat mit eigenen Augen gesehen, verkündete sie vor Gericht. Nach ihren Angaben drohten bis zu zehn Jahre Gefängnis.
„Der Angeklagte riss ein Stück der Versiegelung vom Boden des Wasserbeckens heraus. Die Beweislage zeigt – und wir werden das zweifelsfrei nachweisen – , dass Hearn den Reflecting Pool am Lincoln Memorial vorsätzlich beschädigt hat“, sagte Pirro im Juli.
Seite an Seite mit US-Präsident Trump: Staatsanwältin Jeanine Pirro wollte entschieden gegen angeblichen Vandalismus vorgehen.
Pfusch am Bau statt Vandalismus
Doch, dass das alles nicht wahr ist, räumte jetzt auch die Staatsanwaltschaft in einem Statement ein. Stattdessen stimmt, was die Hauptstadtpresse und Hunderte Pool-Experten im Internet bereits seit Wochen vermutet hatten. Die Epoxidharz-Grundierung und die darüber gesprühte wasserfeste Farbe wurden zu eilig und nicht fachgerecht am Boden des Beckens aufgetragen.
Ein Pfusch der von Trump ohne Ausschreibung beauftragten Baufirma. Ganze Fetzen der Farbschicht schwammen daraufhin lose im Wasser. Und David Hearn wollte sich ein Stück als Andenken aus dem Teich angeln – von Sachbeschädigung keine Spur.
Trump: Pirro sei „eingeknickt wie ein Regenschirm“
Der zu Unrecht beschuldigte David Hearn klagt nun seinerseits auf Wiedergutmachung, kündigt sein Anwalt im Fernsehen an. Auch stellvertretend für alle anderen US-Amerikaner, gegen die aus „rein politischen Gründen, ohne Beweise“ ermittelt werde, erklärte der Anwalt.
In der Regierung wird nun zwischen Trump, dem für die Renovierung zuständigen Innenminister Doug Burgum, sowie der Staatsanwältin Pirro die Schuld hin und hergeschoben. Letztere sei laut Trump bei Gericht eingeknickt wie ein Regenschirm.
Am „Reflecting Pool“ ist derweil das Wasser wieder abgelassen und eine Baustelle errichtet worden. Zum zweiten Mal in diesem Jahr.

