Seit US-Präsident Trump das Hilfsprogramm USAID eingestellt hat, zeigen sich weltweit die Folgen. In Nepal fallen dadurch viele HIV-Präventionsprogramme weg. Die Konsequenzen sind in mehrerlei Hinsicht schockierend.
Erst hat sie Menschen am Rande der Gesellschaft geholfen, sich vor der Infektion mit HIV zu schützen – jetzt ist Rubi Lama selbst dieser Gefahr ausgesetzt. Denn seit dem Ende der finanziellen Hilfen von USAID sind in vielen Hilfsorganisationen weltweit Stellen gestrichen worden. Allein in Nepal waren schätzungsweise 35.000 Menschen im humanitären Sektor beschäftigt.
Gerade Transmenschen wie Rubi Lama bleibt in dem südasiatischen Land kaum eine andere Wahl, als sich zu prostituieren. Einer Reporterin der Nachrichtenagentur AP erzählt sie, wie sie und viele andere nachts an einer Schnellstraße stehen, um ihre sexuellen Dienstleistungen anzubieten: „In jener ersten Nacht, als ich dort war und es mit Kunden zu tun hatte, die auf mich zukamen, hatte ich Angst. Ich war nervös und unsicher, was ich sagen und wie ich es sagen sollte“, sagt Lama.
Sie erzählt, wie berauschte Gruppen von Männern sie umzingeln, aggressiv mit ihnen handeln und sie dann mitnehmen, um im Dschungel oder einem Industriegebiet Sex zu haben, viele berichten von Gewalt und Übergriffen. Sie sind oft ungeschützt, in jeder Hinsicht.
Sex für weniger als einen Euro
Man würde sehr wenig mit Sexarbeit verdienen, sagt Sunil Babu Pant, ehemaliger Politiker. „100 Rupien pro Kunde, etwa bei Sexarbeiterinnen, die am Straßenrand arbeiten.“ Sex für weniger als einen Euro. Eine Packung Kondome koste hingegen 150 Rupien, so Pant. „Sie können also nicht mehr Geld für Kondome ausgeben, als sie von den Kunden einnehmen. Es ist für sie eine sehr schwierig zu überleben.“
Pant hat vor 25 Jahren die Blue Diamond Society gegründet, Anlaufstelle und Sprachrohr für die nepalesischen LGBTQ-Gemeinschaften. Sie haben mit dafür gesorgt, dass Nepal als erstes Land weltweit ein drittes Geschlecht anerkennt, dem Menschen wie Rubi Lama angehören.
Alternative Jobs zu finden für LGBTQ-Personen schwierig
Doch die haben oft einen prekären Stand. „Da sie von zu Hause vertrieben wurden, fehlt ihnen das Geld, um auch nur ein kleines Unternehmen zu gründen, einen Teeladen etwa.“ Laut Pant ist die bittere Realität, dass das Bankensystem nicht für Arme ausgelegt sei. „Sie besitzen nichts, weshalb ihnen selbst für kleine Kredite nicht vertraut wird – und das nicht nur in Nepal, sondern in vielen Ländern, glaube ich. So entsteht ein Teufelskreis.“
Und alternative Jobs zu bekommen sei für Angehörige dieser Gemeinschaften schwierig, sagt Pant. Darum seien viele von ihnen in die Sexarbeit abgewandert.
Viele NGOs mussten die Arbeit einstellen
Und ihnen fehlt die Unterstützung, die sie als humanitäre Helfende früher selbst anderen geben konnten, erzählt Rubi Lama: „Als USAID-Gelder zur Verfügung standen, waren Kondome kostenlos. Auch Gleitmittel wurde gratis verteilt. HIV-Behandlungen – einschließlich PrEP, das zur HIV-Prävention eingenommen wird – waren ebenfalls kostenlos.“ Doch das sei nun alles vorbei.
Blue Diamond Society, die Organisation, die Pant gegründet hat, musste einen Großteil ihrer Hilfsprogramme schließen – wie 300 bis 400 andere NGOs in Nepal auch, schätzt Pant. Frauen, Kinder, Umweltschutz, Menschen mit Behinderungen, sie alle sind betroffen.
Steigende Zahl an HIV-Infektionen
Menschenrechtsverletzungen gegen LGBTQ-Personen können sie nicht mehr dokumentieren, sagt Pant. Und die nehmen zu – genauso wie die Zahl der HIV-Infektionen, befürchtet er. Doch dafür gibt es noch keine Erhebungen- nur Beobachtungen. Denn Studien und Tests kosten Geld, das niemand hat.
„Wir hören von Leuten, die HIV-Tests privat bezahlen können, dass es so aussieht, als ob es zumindest bei sexuell übertragbaren Infektionen einen Anstieg gegeben hat“, sagt Pant. Zum Teil wüssten sie es aber auch nicht genau, da es an Forschungsgeldern für die Datenerhebung fehle. „Wenn Geld vorhanden ist, investiert man vielleicht zuerst in Kondome, Gleitmittel, Tests und Behandlungen“, erklärt er. Die Forschung stehe erst an zweiter Stelle.
Die Geschichte von Rubi Lama ist nur ein Beispiel von Zigtausenden, wie Helfende zu Hilflosen werden.

