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Startseite»Politik»Verdächtiger Drohnenflug über „Patriot-Werft“ | tagesschau.de
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Verdächtiger Drohnenflug über „Patriot-Werft“ | tagesschau.de

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 7, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Exklusiv

Stand: 07.08.2026 • 17:02 Uhr

In Mechernich befindet sich ein wichtiger Bundeswehrstandort: Dort werden „Patriot“-Flugabwehrsysteme repariert. Nach Informationen von WDR, NDR und SZ soll es in der Nacht Drohnenüberflüge über der Kaserne gegeben haben.

Von Jörg Diehl, NDR/WDR, Florian Flade und Roman Lehberger, WDR

Mechernich liegt am Rand der Eifel, südwestlich von Bonn. Hier befindet sich ein wichtiger Bundeswehrstandort: In einer unterirdischen Anlage, 130 Meter unter der Erde, ist ein besonders geschütztes Materiallager. Auf einer Fläche von 30.000 Quadratmetern lagern hier Ausrüstungsgegenstände und Ersatzteile für das Kriegsgerät der Streitkräfte. Es ist ein Herzstück der Bundeswehr-Logistik.

Damit nicht genug: Hier sind auch jene Spezialisten der Bundeswehr tätig, die für Wartung und Instandsetzung des Flugabwehrsystems „Patriot“ zuständig sind. Die in der Truppe „Patriot-Werft“ genannte Anlage ist wohl die einzige dieser Art in Europa.

Nach Informationen von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung (SZ) alarmieren die jüngsten Drohnenüberflüge über dem Standort die Sicherheitsbehörden in ganz besonderem Maße: In der Nacht zu Freitag sollen demnach Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma zwischen 22 Uhr und 5 Uhr morgens insgesamt sechs Drohnenüberflüge beobachtet haben.

Offenbar Polizisten vor Ort

Bei der jüngsten Sichtung sollen bereits alarmierte Polizisten der Kreispolizeibehörde Euskirchen vor Ort gewesen sein und mindestens einen Überflug ebenfalls gesehen haben. Eine Drohne soll sogar kurzzeitig über den Einsatzkräften gekreist haben. Das geht aus einem vertraulichen Polizeibericht hervor.

Demnach sollen auch Feldjäger der Bundeswehr das Ganze aus etwa 40 Metern Entfernung beobachtet haben. Nach deren erster Einschätzung, so heißt es in dem Bericht, könnte es sich bei der Drohne um ein Gerät vom Typ Fly-380 VTOL gehandelt haben. Diese Drohnen haben eine Spannweite von rund 3,8 Metern und bis zu 400 Kilometer Reichweite. Sie können eine Geschwindigkeit von bis zu 150 km/h erreichen. Zudem können sie mehr als zehn Kilogramm Last tragen.

Hintergrund ist unklar

Wer für die Überflüge in Mechernich verantwortlich ist, ist unklar. Drohnen des besagten Typs werden u.a. für Vermessungsarbeiten, Kartierungen, aber auch für Grenzüberwachungen und Transporte in schwer zugänglichen Regionen eingesetzt. Die bisherigen Ermittlungen, in die auch das Landeskriminalamt NRW und die Sicherheitsbehörden des Bundes eingebunden sind, sollen nicht ergeben haben, dass es sich um eine fehlgeleitete Vermessungsdrohne gehandelt haben könnte.

Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts des sicherheitsgefährdenden Abbildens von militärischen Anlagen, Wehrmitteln oder sensiblen Bereichen. Auch der Militärische Abschirmdienst und das Gemeinsame Drohnenabwehrzentrum in Berlin sind mit dem Vorgang befasst.

„Wir können die von Ihnen angefragte Drohnensichtung bestätigen“, sagt ein Sprecher des Operativen Führungskommandos der Bundeswehr auf Anfrage. Insgesamt seien zwei Drohnen gesichtet worden. „Wir bitten um Verständnis, dass wir uns zu laufenden Ermittlungen nicht äußern.“

Immer wieder Überflüge über Militäreinrichtungen

Verdächtige Drohnenüberflüge über Militäreinrichtungen gab es in Deutschland in den vergangenen Jahren vielfach. Etwa über Marinestützpunkte an der Nord- und Ostsee und über Liegenschaften, in denen ukrainische Soldaten ausgebildet wurden. Die Sicherheitsbehörden vermuten, dass staatliche Stellen in Russland oder angeheuerte „Wegwerf-Agenten“ für einige verantwortlich sein könnten. Die Fachleute gehen davon aus, dass damit militärische und andere kritische Infrastruktur ausgespäht werden könnte, möglicherweise als Vorbereitung für Sabotagehandlungen.

Im April 2025 hatte ein Soldat auf einem Stützpunkt bei Emden mehrere Männer beobachtet, die offenbar Drohnen steigen ließen. Auch dieser Bundeswehrstandort gilt als hochsensibel: In der Gegend stehen mehr als 350 Meter hohe Mastantennen, mit denen verschlüsselte Befehle an U-Boote gefunkt werden. Als der Wachsoldat die Männer ansprach, sollen sie ihm etwas auf Russisch zugerufen und dann mit einem Transporter davongefahren sein. Die Personen konnten bis heute nicht ermittelt werden.

Wie WDR und NDR berichtet hatten, wurden im Dezember 2025 über dem Standort des neuen Luftverteidigungssystems „Arrow 3“ in der Annaburger Heide, im Grenzgebiet zwischen Brandenburg und Sachsen-Anhalt, mehrere Drohnen gesichtet. Sie waren von einem Überwachungssystem detektiert worden. Bundeswehrsoldaten hatten anschließend ein Sturmgewehr mit einer speziellen Zieloptik gegen die Drohnen eingesetzt, allerdings keine getroffen.

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