Die vor Oman auf Grund gelaufene „Caroline Bezengi“ hat Rohöl an Bord. Nun läuft die Ladung aus und bedroht ein Meeresschutzgebiet. Die Suche nach den Eigentümern gestaltet sich schwierig.
Die Küste des Omans ist ein Traum für Taucher und Meeresforscher. Ein staatlich geschütztes Meeresschutzgebiet im Süden des Sultanats ist Lebensraum für artenreiche Korallenriffe und andere Tiere. „Gerade die unbewohnten Inseln sind Heimat für Meeresschildkröten, die die Strände nutzen, um dort ihre Eier abzulegen“, sagt Nina Noelle, Expertin für internationale Kriseneinsätze bei Greenpeace, der ARD. In den umliegenden Gewässern würden sich außerdem noch Delfine sowie eine seltene Buckelwalart befinden. Das alles sei jetzt akut bedroht.
Satellitenbilder zeigen nach Angaben von Greenpeace einen riesigen Ölteppich, der sich in den vergangenen Tagen vervierfacht hat. Und der nun ungefähr der doppelten Fläche der Stadt München entspricht.
Teil der russischen Schattenflotte?
Das Öl läuft aus dem auf Grund gelaufenen Schiff mit dem Namen „Caroline Bezengi“. Der Öltanker soll 110.000 Tonnen Rohöl geladen haben und wird Russlands sogenannter Schattenflotte zugerechnet. Der unter EU-Sanktionen stehende Tanker hat wahrscheinlich in einem russischen Hafen Öl geladen. So teilte es das Geodaten-Unternehmen Synmax zur Auswertung der Satellitenbilder mit. Berichten zufolge war der Tanker auf dem Weg nach Indien.
Anfang Juni gab es jedoch offenbar einen Zwischenfall auf See. Danach wurden keine Standortdaten mehr mitgeteilt. Badaoui Rouhban hat lange für die UN gearbeitet und appelliert an die internationale Gemeinschaft.
Im arabischen Fernsehsender Al Arabiya sagt der Ingenieur, der Oman könne dieses Problem nicht allein lösen: „Wenn die Vereinten Nationen tatenlos zusehen, dann ist das einfach nicht hinnehmbar. Es gibt die Internationale Seeschifffahrts-Organisation, die Schifffahrtsbehörde der Vereinten Nationen. Der Exekutivrat dieser Organisation muss handeln und seine Verantwortung wahrnehmen.“ Auch die betroffenen Küstenstaaten müssten Initiative ergreifen, fordert Rouhban.
Schiff gehört offenbar chinesischem Unternehmen
Die zuständigen omanischen Behörden teilen schriftlich mit: Technische Teams würden den Vorfall überwachen und Notfallmaßnahmen einleiten. So will man die Risiken für die Meeresumwelt minimieren und für eine sichere Schifffahrt sorgen. Einzelheiten, wie genau man das Problem lösen will, gab es bislang nicht.
Ein Problem: Omans Transportministerium forderte die Schiffs-Eigentümer bereits erfolglos auf, den Tanker samt Ladung aus seinen Gewässern zu entfernen. Berichten zufolge gehört das Schiff einem Unternehmen in China. Die Spur endet dort – ähnlich wie bei anderen Schiffen der Schattenflotte – bei einer Briefkastenfirma.
Erhebliche Folgen für die Umwelt befürchtet
Greenpeace warnt seit Jahren vor Tankerunfällen mit unklaren Eigentümerstrukturen: „Denn hier kann es jetzt wirklich sein, dass Oman und seine Bevölkerung schlussendlich auf den Konsequenzen und auf dieser dramatischen Verschmutzung sitzen bleiben“, sagt Noelle.
Jetzt ist aber erst einmal schnelles Handeln angesagt. Beispielsweise indem das Öl auf einen anderen Tanker gepumpt wird. Ansonsten, da sind sich Umweltschützer einig, droht eine enorme Ölpest mit erheblichen Folgen für die Umwelt.

