Hunderttausende Menschen leben noch immer in Notunterkünften in Gaza-Stadt. Krankheiten, Ungeziefer und verunreinigtes Wasser belasten ihre Gesundheit – bei Temperaturen von rund 40 Grad.
Am Strand von Gaza-Stadt versucht ein Bademeister, per Trillerpfeife Ordnung zu schaffen. Vergeblich. Hunderte Kinder tummeln sich im Wasser. Schwimmen, springen, bespritzen sich gegenseitig. Sommerliches Mittelmeerchaos. Es könnte ein idyllisches Bild sein, wären da nicht die vielen Zelte direkt am Strand. Notdürftig abgeschirmt vor Wind und Sand mit eingerissenen Planen und Decken.
Hier lebt Mohammed Shaaban. Er kommt eigentlich von weiter nördlich. So wie fast alle Menschen des Küstenstreifens musste er während des Kriegs sein Zuhause verlassen. „Das Leben ist voller Probleme“, sagt Shaaban. Bis heute würden sie noch immer als Vertriebene leben. „Auf der einen Seite sind Ratten, auf der anderen Schlangen, dann Kakerlaken und überall Mücken.“ Ihre Hände seien schon ganz angeschwollen, wie man sehen könne, schiebt er hinterher. „Uns bleibt nur, auf Gott zu vertrauen. Im Winter ist es bitterkalt und im Sommer brennt die Sonne.“
Verunreinigtes Grundwasser kann ihren Durst nicht stillen
Zur Hitzewelle kommt eine belastend hohe Luftfeuchtigkeit. Die Menschen im Gazastreifen sind der Hitze quasi schutzlos ausgeliefert. In den Zelten, in denen die meisten Menschen leben, ist es stickig und heiß – bei Temperaturen tagsüber von um die 40 Grad. Das alles ohne ausreichend sauberes Trinkwasser, erklärt Mohammed Shaaban:
„Fließendes Wasser gibt es hier nicht. Jeden Tag kommt nur ein einziger Lastwagen mit Wasser zu uns.“ Auch das belaste ihre Gesundheit, sagt er, denn das Grundwasser sei inzwischen durch Abwasser und Schmutz verunreinigt. Auch unter der mangelnden Hygiene würden sie leiden.
„Alles, was schlimm ist, wird durch die Hitze noch schlimmer“
Mit der Hitze des Sommers verschärft sich die Gesundheitskrise im Gazastreifen noch. Filipe Ribeiro von „Ärzte ohne Grenzen“ berichtet, dass sich in den Notunterkünften und Lagern für Vertriebene Krankheiten häufen.
„Die Zelte, in denen die Menschen leben, sind wie stickige Backöfen. Familien können nachts nicht schlafen. Und auch tagsüber können sie sich nicht erholen.“ Ribeiro sagt, es sei nicht einfach nur unangenehm. Durch die hohen Temperaturen verbreite sich auch Ungeziefer schneller. „Alles, was ohnehin schon schlimm ist, wird durch die Hitze noch schlimmer.“
Ein kleines Stück ihres alten Lebens zurückbekommen
Die Menschen im Gazastreifen wie Fatima Mahmoud wünschen sich nicht nur ein Ende der Hitze – was sie wollen, ist Sicherheit, ausreichend Wasser und Lebensmittel und die Aussicht, irgendwann wieder nach Hause zurückkehren zu können.
„Im Moment warten alle einfach darauf“, sagt Fatima Mahmoud, „dass etwas passiert, das unser Leben zum Besseren verändert“. Vielleicht würden sie wenigstens ein kleines Stück ihres früheren Lebens zurückbekommen. „Wir sind von all den schweren Bedingungen und den schlimmen Umständen völlig erschöpft“, sagt sie. Körperlich und seelisch seien sie am Ende, sie hätten kaum noch Kraft, noch mehr auszuhalten.

