Marken Haibike, Winora und GhostInsolventer niederländischer Fahrrad-Hersteller reißt drei deutsche Firmen mit
Der Insolvenz der Accell Group können sich auch deutsche Töchter nicht entziehen. Sie sollen nun in Eigenverwaltung saniert werden. Der Sachverwalter sieht dazu gute Chancen, denn der deutsche Markt sei solide.
Drei renommierte Fahrradfirmen aus Bayern sind in den Sog der Insolvenz ihrer niederländischen Mutter geraten und nun ebenfalls pleite. Das Amtsgericht Schweinfurt bestätigte, dass Verfahren in Eigenverwaltung für die deutsche Holding der niederländischen Accel-Gruppe sowie deren Tochtergesellschaft Winora Staiger GmbH, Ghost Bikes GmbH und Engelbert Wiener Bike-Parts GmbH angeordnet wurden. Als vorläufiger Sachwalter sei der Nürnberger Rechtsanwalt Stefan Debus eingesetzt worden.
Die Firmen mit Marken wie Haibike, Winora und Ghost beschäftigen nach Angaben von Accell an den Standorten Sennfeld bei Schweinfurt und Waldsassen in der Oberpfalz 370 Mitarbeiter und setzten im vergangenen Jahr 340 Millionen Euro um. Der Geschäftsbetrieb soll fortgeführt werden, Löhne und Gehälter seien über das Insolvenzgeld zunächst gesichert. Ziel sei es, einen Investoren zu finden und die deutschen Unternehmen aus dem Geflecht der niederländischen Gruppe herauszulösen. Winora hat eine große Tradition – das Unternehmen war 1914 von dem Radrennfahrer Engelbert Wiener gegründet worden.
Accell Germany ist derzeit Teil der in den Niederlanden ansässigen und in vielen Ländern Europas agierenden Accell Group, die mehrheitlich dem US-Finanzinvestor KKR gehört. Die Fahrrad-Gruppe steckt international in Schwierigkeiten und macht dafür ein Abflauen des Verkaufsbooms bei Fahrrädern verantwortlich, der im Zuge der Corona-Pandemie seinen Höhepunkt erreicht und dann überschritten habe.
Der Versuch eines strukturierten Verkaufsprozesses für die gesamte Accell Group sei zum Monatswechsel endgültig gescheitert. Infolgedessen habe die Accell Group weltweit in zahlreichen Ländern innerhalb und außerhalb der EU Insolvenzanträge gestellt, darunter in den Niederlanden, Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Belgien, Dänemark, Finnland, Norwegen, Schweden und Ungarn.
Mit dem Verfahren in Eigenverwaltung hat die bestehende Geschäftsführung die Möglichkeit, den Sanierungsprozess in Abstimmung mit den Gläubigern selbst zu steuern. Der deutsche Fahrradmarkt sei eine solide Grundlage für eine Sanierung, heißt es vom vorläufigen Sachwalters. Die Marken seien im Markt gut positioniert.
