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„Am Abend war er noch glücklich“: „Sextortion“ oder: Wie Erpresser junge Menschen in den Suizid treiben

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 12, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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„Am Abend war er noch glücklich“„Sextortion“ oder: Wie Erpresser junge Menschen in den Suizid treiben

Die Täter fackeln nicht lange. (Foto: RTL+)

RTL recherchiert weltweit zur Betrugsmasche „Sextortion“. Reporter begleiten Opfer der Nacktbild-Erpressung, zeigen die psychischen Folgen bis zu Suiziden und verfolgen mithilfe eines Selbstversuchs die Spur eines Täters bis nach Nigeria.

RTL-Reporter Christopher Grass begibt sich in eine Welt, die man kaum für möglich hält: Der Investigativreporter lässt sich auf mutmaßliche „Sextortion“-Betrüger („Yahoo Boys“) ein. Das heißt, er lässt sich mehrfach selbst erpressen, reist dann nach Nigeria, stellt den Erpressern eine Falle und versucht, die Täter persönlich zu finden. Der Journalist spricht außerdem mit Eltern, deren Kinder erpresst wurden und die keinen anderen Ausweg wussten, als sich das Leben zu nehmen.

Sextortion bedeutet, dass vor allem Kinder und Jugendliche mit intimen Bildern oder Videos im Netz erpresst werden. Das Muster ist immer gleich: Die Täter fordern einige Hundert Euro und drohen damit, andernfalls das Material zu veröffentlichen. So erging es Noah: Zum Zeitpunkt der Tat war er 16 Jahre alt und wurde über Social Media angeschrieben. Eine fremde Person, in seinem Fall eine junge Frau, baut den Kontakt und letztlich auch das Vertrauen auf, es kommt zu mehreren Nachrichten über Messenger. Aus den Nachrichten entsteht ein Austausch intimer Bilder – irgendwann wird Noah erpresst.

Die junge Frau fordert zuerst 250 Euro und verspricht, seine Nacktfotos nicht an seine Freunde weiterzuleiten. Die Forderungen nach weiteren Zahlungen gehen nach der Zahlung dennoch weiter, ein fatales Dreieck aus Scham, Angst und enormem psychischem Druck entsteht. Noah weiß sich keinen Rat mehr und bittet schließlich seine Mutter um Hilfe. Dass er diese Form der familiären Unterstützung in Anspruch nehmen kann, ist sein Glück.

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Kaum sind Nacktbilder ausgetauscht, geht die Erpressung los. (Foto: RTL+)

Noahs Mutter spricht in der Reportage über ihre Hilflosigkeit, ihre Wut, ihre Belastung, aber auch über den Umgang mit dem Sohn nach der Erpressung: „Wenn ich die Chance hätte, da (nach Nigeria, Anm. d. Red.) hinzufahren, würde ich denen die Hölle heiß machen.“

Wer ist ein potentielles Opfer?

Ein weiteres Opfer ist Dominik. Auch er stand unter massivem Druck und zahlte insgesamt rund 1300 Euro. Dominik entwickelte Suizidgedanken, verletzte sich selbst, findet aber doch noch Hilfe. Der junge Mann leidet noch Monate später unter den Folgen. Sextortion-Opfer Murray Dowey aus Schottland hat dem Druck nicht standgehalten. Seine Mutter schildert den Tod ihres Sohnes, spricht über die Ermittlungen und die Folgen für die gesamte Familie. Murray Dowey wurde nur 16 Jahre alt, seine Mutter sagt: „Am Abend vorher war er noch glücklich.“

Eingeordnet werden die Taten von Paul Raffile: Der US-Ermittler und internationale Sextortion-Experte erklärt die weltweite Entwicklung, Täterstrukturen, beschreibt das Phänomen „Grooming“, erläutert, welche Personen von den Tätern als Opfer identifiziert werden, und er spricht über die erschreckend zunehmenden Fallzahlen. Susanne Zander erläutert aus ihrer Sicht der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin, warum – und welche – Jugendlichen besonders gefährdet sind, weshalb die Opfer häufig sofort zahlen und wie die Täter den psychologischen Druck aufbauen.

Schneller Übergang zu Nacktbildern

IT-Sicherheitsexperten haben für die Recherchen von RTL ein Fake-Bezahlsystem, eine Standort- und eine Kamerafalle entwickelt, um Christopher Grass in die vermeintliche Falle tappen zu lassen. Ein Journalist aus Nigeria hat ihn vor Ort bei der Suche nach dem Täter und bei dem Treffen mit den „Yahoo-Boys“ unterstützt.

Im Beitrag kommen auch sie zu Wort: Sie erklären ihre Vorgehensweise, die Auswahl der Opfer, ihre Motivation und ihre Gesprächsleitfäden. In der Dokumentation wird deutlich, dass sie aus rein wirtschaftlichen Gründen agieren und sich keine Gedanken um ihre Opfer und die Konsequenzen, mit denen diese dann zu leben haben, machen. In Nigeria trifft RTL auch einheimische Journalisten, einen religiösen Unterstützer und Dorfbewohner.

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RTL-Reporter Christopher Grass (l.) im Gespräch mit skrupellosen Erpressern.

Das Selbstexperiment zeigt erschreckend deutlich, wie schnell die Kontaktaufnahme – innerhalb weniger Minuten – möglich ist. Das Gesprächsmuster ist jedes Mal nahezu identisch: schneller Übergang zu Nacktbildern, sofortige Erpressung.

Das Ende des Beitrags ist noch lange nicht das Ende der Story – der Täter meldet sich nach der Rückkehr des Teams nach Deutschland erneut und bestätigt indirekt, dass er das RTL-Team beobachtet hat. Wie er seine Motivation erklärt („Es ist mir egal, wie alt die Opfer sind. Ich will nur ihr Geld“), ob er die Bilder wirklich gelöscht hat und wie Sie sich und Ihre Kinder vor Sextortion schützen können, sehen Sie in den Beiträgen zum Auftakt unserer Investigativ-Wochen.

Am 11. August bei RTL Extra (22.15 Uhr) und RTL+ (ab 18.45 Uhr jederzeit abrufbar) sowie am Montag, dem 17. August in „Extra Report“ (22.15 Uhr).

Quelle: ntv.de, soe

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