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Startseite»Nachrichten»Pioniere in Polen – Bundeswehr unterstützt Grenzbefestigung
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Pioniere in Polen – Bundeswehr unterstützt Grenzbefestigung

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 20, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Bei KaliningradBundeswehr unterstützt Polen beim Ausbau von Grenzbefestigungen

Polnische und deutsche Soldaten arbeiten an der Verstärkung der Befestigungsanlage der polnischen Grenze. (Foto: picture alliance/dpa/Polnische Streitkräfte)

Steine an der Grenze, Minen in der Rückhand: Polens Armee befestigt die Grenze zu Kaliningrad – mithilfe der Bundeswehr. Der Einsatz der deutschen Soldaten soll bis Oktober gehen. Falls die Russen angreifen, stehen wir gemeinsam bereit, so die Nachricht.

In drei Reihen liegen die Panzersperren auf dem matschigen, zerfurchten Acker. Nur an einer Stelle klafft noch eine Lücke. Ein Baggerlader hebt eines der tonnenschweren Betonelemente von einem Militärlaster. Gemeinsam packen deutsche und polnische Soldaten zu und kontrollieren, dass der „Panzerigel“ passgenau in der Reihe steht.

Zweihundert Meter von hier markieren ein Stacheldraht und hohe Birken Polens Grenze zur russischen Exklave Kaliningrad. Es ist auch die Ostgrenze der Nato. Sie soll befestigt werden – und Bundeswehrsoldaten helfen dabei. Generalmajor Tilo Maedler reckt das Kinn Richtung Russland. „Sollen sie uns sehen – dann wissen sie gleich, mit wem sie es tun zu haben. Das dient auch der Abschreckung.“

Seit Juli sind rund 40 Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr eines verstärkten Maschinenpionierzuges im Nordosten von Polen im Einsatz. Sie haben gemeinsam mit der polnischen Armee einen Panzerabwehrgraben angelegt und die Panzersperren aufgebaut. Der Einsatz ist bis Ende Oktober geplant.

„Schutzschild Ost“

Polen ist an seiner Ostgrenze nach den Worten von Regierungschef Donald Tusk „sicherer als je zuvor“. Das EU- und Nato-Mitglied ist einer der wichtigsten Unterstützer der von Russland angegriffenen Ukraine und sieht sich auch selbst von Moskau bedroht. Es investiert daher Milliarden in den sogenannten „Schutzschild Ost“, eine befestigte Verteidigungslinie an Teilen seiner Ostgrenze.

Bis Ende dieses Jahres will das polnische Verteidigungsministerium rund 250 Kilometer der östlichen und nördlichen Grenze absichern. Vorgesehen sind Betonbefestigungen, elektronische Überwachungssysteme und Lager für Pionierausrüstung. Die Europäische Union beteiligt sich über ihr Verteidigungsprogramm „SAFE“ an der Finanzierung des Projekts.

Polen hat wieder Minen

„Der Aufwand für einen potenziellen Feind, hier durchzukommen, wäre enorm“, erklärt Major Martin, der nach den Vorschriften der Bundeswehr nur mit seinem Vornamen genannt werden darf. Gleich hinter dem Grenzzaun haben die Pioniere einen tiefen Graben angelegt. „Der ist dafür da, dass ein Panzer reinfährt und nicht wieder rauskommt.“ Sollte dies doch gelingen, gibt es gleich zwei Mal je drei Reihen von „Panzerigeln“ zu überwinden.

Der etwa hundert Meter breite Zwischenraum zwischen den Sperren hat seinen Sinn. „Im Falle eines drohenden Angriffs können wir hier Minen auslegen“, erklärt General Stanislaw Czosnek von der polnischen Armee.

Polen ist im Februar 2026 aus dem internationalen Vertrag über das Verbot von Landminen ausgetreten, den Russland ebenso wie die USA nie unterzeichnet hat. Polen hatte die Ottawa-Konvention 2012 ratifiziert und seine Minenbestände zerstört. Nach Beginn des russischen Invasionskrieges gegen die Ukraine kündigte es im vergangenen Jahr seinen Austritt an – gemeinsam mit Finnland, Estland, Lettland, Litauen und der Ukraine. Laut Regierungschef Tusk will es bald in der Lage sein, seine Grenze zu Kaliningrad innerhalb von 48 Stunden zu verminen.

„Putin will die Entschlossenheit der Nato testen“

In den über vier Jahren des Moskauer Angriffskriegs gegen die Ukraine hat sich das Bedrohungsgefühl in Polen verschärft. Mit der russischen Exklave Kaliningrad teilt das Land eine 232 Kilometer lange Grenze. Dieses hochgerüstete Gebiet ist von den Nato-Mitgliedern Polen und Litauen umgeben und gilt als „Moskaus unsinkbarer Flugzeugträger“. Hier sind unter anderem atomwaffenfähige Kurzstreckenraketen vom Typ Iskander stationiert. Polen hat zudem eine 418 Kilometer lange Grenze mit dem autoritär regierten Belarus, einem Verbündeten Moskaus.

Das Unbehagen ist nicht nur Teil der polnischen Wahrnehmung: Erst kürzlich gab es US-Medienberichte über neue Geheimdienstinfos darüber, dass der russische Präsident Wladimir Putin innerhalb der nächsten Jahre versuchen könnte, die Entschlossenheit der Nato mit einem begrenzten Angriff auf ein Bündnisland zu testen.

Mögliche Szenarien reichen von einer Cyberattacke bis zu einem klein angelegten Eindringen von Soldaten in nicht gekennzeichneten Uniformen in ein Nato-Land. Polen und die baltischen Länder Litauen, Lettland und Estland gelten als wahrscheinlichste Ziele eines solchen möglichen Angriffs.

„Wir sind alle Pioniere“

„Die Zusammenarbeit mit den polnischen Soldaten funktioniert großartig. Wir sind alle Pioniere und haben ein gemeinsames technisches Verständnis“, sagt Major Martin. Der Einsatz habe auch eine überstaatliche Bedeutung: „Wir sind hier, um Bündnisgebiet zu verteidigen.“

Für den polnischen Major Karol Frankowski steht der Solidaritätsaspekt im Vordergrund. „Das ist einfach gut für die Moral der polnischen Soldaten, wenn sie sehen, dass unsere Armee beim Schutz der Nato-Ostgrenze nicht allein ist.“ Die in vielen Teilen der polnischen Gesellschaft verbreiteten antideutschen Ressentiments spielten für die Soldaten keine Rolle. „Wir sehen den gemeinsamen potenziellen Feind. Und das ist Russland.“

Quelle: ntv.de, Doris Heimann, dpa

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