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Startseite»Nachrichten»Nicht nur Speicher entscheidend: Wirtschaftsministerium will Sorgen um Gas-Engpass zerstreuen
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Nicht nur Speicher entscheidend: Wirtschaftsministerium will Sorgen um Gas-Engpass zerstreuen

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 21, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Nicht nur Speicher entscheidendWirtschaftsministerium will Sorgen um Gas-Engpass zerstreuen

Niedrigere Speicherstände reduzieren den Puffer für außergewöhnliche Situationen, erkennt das Wirtschaftsministerium an. (Foto: IMAGO/Joerg Boethling)

Experten warnen vor einer Gasmangellage im Winter. Das Wirtschaftsministerium will nun beruhigen. In der Pflicht sei zunächst die Wirtschaft. Aber die Regierung bereite sich auf alles vor.

Das Bundeswirtschaftsministerium versucht Sorgen um etwaige Engpässe bei der Gasversorgung in der kalten Jahreszeit zu zerstreuen. „Nach aktuellem Erkenntnisstand ist eine Gasmangellage im kommenden Winter nicht zu erwarten“, heißt es in einem Papier des Hauses. Einen staatlichen Eingriff schließt man aber für die Zukunft nicht aus.

Man nehme es ernst, dass die deutschen Gasspeicher deutlich weniger gefüllt seien als in den vergangenen Jahren, so das Ministerium. „Gleichzeitig lässt sich die Versorgungssicherheit nicht allein an einem Speicherfüllstand ablesen.“ Gas komme insbesondere über Pipelines aus Norwegen, Importterminals für Flüssiggas (LNG) und von europäischen Nachbarländern.

„Gleichzeitig gilt: Niedrigere Speicherstände reduzieren den Puffer für außergewöhnliche Situationen.“ Das sei vor allem dann relevant, wenn mehrere Belastungen gleichzeitig aufträten: „etwa eine längere Kältephase zusammen mit dem Ausfall wichtiger Importinfrastruktur oder zusätzlichen Störungen auf dem internationalen LNG-Markt.“

Die Gaspreise sind hoch

Speicherstände von 60 bis 70 Prozent zu Winterbeginn würden nach Einschätzung des Ministeriums zusammen mit Importmöglichkeiten ausreichen, um eine durchschnittliche Winternachfrage zu decken. Derzeit sind die deutschen Gasspeicher zu rund 50 Prozent gefüllt.

Die Gaspreise sind in diesem Sommer wegen des Iran-Kriegs mit der Blockade der Straße von Hormus ungewöhnlich hoch, weshalb Händler weniger Gas für den Verkauf im Winter einkaufen. „Eine angespannte Marktlage mit hohen Preisen ist noch keine Versorgungskrise“, betont das Ministerium aber.

Das Haus von Ministerin Katherina Reiche sieht vor allem die Privatwirtschaft in der Pflicht. „Die Wintervorsorge liegt grundsätzlich bei den Gasunternehmen und Händlern.“ Ein staatlicher Eingriff berge Risiken. „Staatliche Gaskäufe können zusätzliche Nachfrage schaffen, Preise erhöhen und private Einspeicherung verdrängen. Zudem besteht das Risiko, dass Marktteilnehmer künftig darauf vertrauen, dass der Staat bei niedrigen Speicherständen ohnehin einspringt.“

Dennoch bereite die Bundesregierung „die notwendigen Handlungsoptionen so vor, dass sie bei einer Verschlechterung der Lage schnell und gezielt eingesetzt werden können“, so das Ministerium. Dabei würde beobachtet, wie sich Speicherfüllstände, Importe, LNG-Verfügbarkeit, Infrastruktur, Nachfrage und die Situation in den europäischen Nachbarländern entwickelten.

Lieferverpflichtungen werden erfüllt

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) sieht die Gasversorgung im kommenden Winter trotz der niedrigen Speicherstände gesichert. „Gashändler und Lieferanten erfüllen ihre vertraglichen Lieferverpflichtungen. Darauf können sich die Kundinnen und Kunden verlassen“, sagte die Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, Kerstin Andreae.

Die Unternehmen sicherten ihre Lieferverpflichtungen mit individuellen Beschaffungsportfolios ab, zu denen auch Speichermengen gehörten. Es gebe jedoch keine Pflicht, die Versorgung über die Einspeicherung von Gas in Speicher zu gewährleisten. Mit dem Aufbau der Terminals für Flüssigerdgas (LNG) sei zudem eine weitere Säule der Versorgung hinzugekommen.

Kritisch sieht der BDEW die staatlichen Vorgaben für Speicherfüllstände. Diese seien reine Kennvorgaben und lösten nicht automatisch staatliches Handeln aus. Zugleich könnten sie Fehlanreize schaffen, weil Marktteilnehmer mit einem möglichen Eingreifen des Staates rechneten und deshalb weniger Gas einspeicherten.

Die von der Bundesregierung konzipierte nationale Gasreserve begrüßte Andreae. Diese solle in festgelegten Krisenfällen eingesetzt werden. „Dafür braucht es schnell den rechtlichen Rahmen, damit Deutschland für Krisensituationen besser abgesichert ist.“

Angesichts der geringen Füllstände der Gasspeicher hat die Vorständin des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv), Ramona Pop, vor steigenden Preisen für Gaskunden gewarnt. „Wir beobachten die Gasspeicherstände sehr genau und sehen die möglichen Herausforderungen für den kommenden Winter. Die Einkaufspreise für Gas steigen seit Beginn des Krieges im Nahen Osten deutlich“, sagte Pop der „Rheinischen Post“.

„Niedrige Speicherstände würden die bereits angespannte Lage auf den Energiemärkten in der kommenden Heizsaison weiter verschärfen. Für Privathaushalte kann das höhere Energiepreise bedeuten“, erklärte Pop. Gaskunden riet sie zur Vorsicht: „Verbraucherinnen und Verbraucher sollten jetzt prüfen, ob ihr Vertrag über den Winter hinaus eine Preisbindung vorsieht“, sagte Pop. Das schütze zunächst vor steigenden Preisen. Zugleich lohne es, Preise zu vergleichen und gegebenenfalls zu einem günstigeren Anbieter zu wechseln.

Quelle: ntv.de, mba/dpa

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