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Mit dem Segen des Staates: Russen stürmen Kinos für zensierte „Spider-Man“-Raubkopie

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 21, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Mit dem Segen des StaatesRussen stürmen Kinos für zensierte „Spider-Man“-Raubkopie

In den USA hat der Film in kurzer Zeit Hunderte Millionen Dollar eingespielt. (Foto: picture alliance / Sipa USA)

In Russland lassen Kinogänger die heimische Produktion „Der letzte Held: Kolobok“ links liegen. Für den US-Actionfilm „Spider-Man: Brand New Day“ wird hingegen Schlange gestanden. Doch eigentlich dürfte der Streifen gar nicht gezeigt werden – und der Staat hat ihn zensiert.

Der mit Verzögerung und als Raubkopie in den russischen Kinos angelaufene neue „Spider-Man“ hat am ersten Tag für weitgehend ausverkaufte Säle in den Moskauer Filmtheatern gesorgt. Selbst Tickets für umgerechnet gut 40 Euro waren in der Hauptstadt nicht mehr zu bekommen. Wegen der westlichen Sanktionen gibt es keine Lizenzen für Hollywood-Blockbuster, weshalb in den Kinos und auf den Piratenseiten im Internet Raubkopien gezeigt werden – ein illegales Millionengeschäft mit dem Segen der Staatsführung.

Viele Russen hatten sehnsüchtig auf „Spider-Man: Brand New Day“ gewartet und sich seit Wochen geärgert, dass der Kinostart wegen des russischen Märchenfilms „Der letzte Held: Kolobok“ verzögert wurde. Die Macher des Streifens um einen dicken Pfannkuchen hatten die Kinobetreiber aufgefordert, „Spider-Man“ zu verschieben, damit Filmfreunde mehr Zeit haben, sich Koloboks Abenteuer anzuschauen. In einigen Kinos sei der Film, ein Kassenflop, von früh bis spät vor leeren Sälen gelaufen, hatten Medien berichtet.

Die Filmemacher beklagten sich über Morddrohungen, was auch die Strafverfolgungsbehörden auf den Plan rief. Die mit staatlichem Geld finanzierte und vom Kreml gesteuerte Filmindustrie in Russland produziert nach Einschätzung von Filmkritikern oft völlig am Geschmack der Zuschauer vorbei. Filme aus den USA und anderen westlichen Ländern hingegen sind oft der Renner – auch wenn sie verboten werden, weil sie nach Auffassung des Kulturministeriums nicht „traditionellen Werten“ entsprechen.

Staat entfernt Lied

Wie „Spider-Man“ werden die meisten westlichen Filme als Raubkopien gezeigt und bisweilen auch von Zensoren beschnitten. In der in Moskauer Kinos gezeigten Fassung von „Spider-Man“ etwa fehlt das Lied der russischen Sängerin Monetotschka, die den Krieg gegen die Ukraine kritisiert hatte, meldeten kremlkritische Medien.

Der stellvertretende Chef des nationalen Sicherheitsrates, Dmitri Medwedew, meinte schon 2023, dass in Zeiten westlicher Sanktionen das Urheberrecht keine Rolle spiele. „Ich begrüße die Nutzung von Raubkopien in einer Situation, in der wir von allen Seiten unter Druck gesetzt werden“, sagte er.

Kremlsprecher Dmitri Peskow pflichtete ihm bei mit der Begründung, dass Russland es auf internationaler Bühne ebenfalls mit Piraten zu tun habe, die die Aktiva des Landes gestohlen hätten. Er meinte damit etwa die Beschlagnahmung von Milliardenvermögen des russischen Staates im Westen im Zuge von Moskaus Angriffskrieg.

Quelle: ntv.de, rog/dpa

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