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Startseite»Nachrichten»Tragischer Schlaganfall bei Wahl: 0,8 Sekunden verändern alles für einstigen Handball-Star
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Tragischer Schlaganfall bei Wahl: 0,8 Sekunden verändern alles für einstigen Handball-Star

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 24, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Tragischer Schlaganfall bei Wahl

0,8 Sekunden verändern alles für einstigen Handball-Star

344 Länderspiele und Olympiasieger: Frank-Michael Wahl ist einer der größten deutschen Handballer. Doch die richtige Würdigung im vereinten Deutschland wird dem Rekordnationalspieler nie zuteil. Nun feiert er seinen 70. Geburtstag – und setzt ganz andere Prioritäten.

In 0,8 Sekunden hat sich das Leben von Frank-Michael Wahl grundlegend geändert. 0,8 Sekunden lang verstopfte ein Pfropfen die Blutzufuhr in den Kopf. Die Folge: Schlaganfall. Von einem auf den anderen Moment musste der einstige Handball-Star lernen, dass ihm der Körper – sein einstiges sportliches Kapital – nicht mehr gehorchte.

„Wie schnell eine Sekunde normalerweise rum ist. 0,8 Sekunden – dann war der Pfropfen weg. Aber das reichte“, sagt Wahl. „Für mich ist das eine Geschichte, die kann ich im Prinzip gar nicht begreifen.“ In der Klinik sagte er zum Professor: „Sie sind der Chef, dann sind Sie dafür zuständig, dass ich morgen wieder zu Hause bin.“ Der Arzt habe ihm entgegnet: „Herr Wahl, das Wichtigste, was Sie haben müssen, ist Geduld. Der Körper muss sich regenerieren.“

Das war am 30. August 2023, sechs Tage nach seinem 67. Geburtstag. Erst nach einem halben Jahr kehrte er nach Hause zurück. Am heutigen Montag wird Wahl, einer der größten deutschen Handballer, 70 Jahre alt.

Leistungssport hilft beim Ehrgeiz

Wahl ist noch immer eine imposante Erscheinung. Wenn der gebürtige Rostocker in der Tür seines Hauses in Hessisch Oldendorf steht, füllt er sie fast aus. Über 1,90 Meter groß, breitschultrig, der Händedruck zur Begrüßung fest. Und dennoch sind die Folgen des Schlaganfalls an seinem linken Arm und Bein sichtbar.

Doch ist Wahl keiner, der sich seinem Schicksal ergibt. Klagen oder Verbitterung sind von ihm nicht zu hören. „Sei dankbar für jeden Tag. Nutze ihn, mach das, was dir Spaß macht. Weil – übertrieben gesagt – kann es schnell rum sein“, sagt er. Früher habe er nicht darüber nachgedacht. Jetzt sei er dankbar, „dass ich morgens aufwache und gesund bin“, sagt er und fügt nach einer Pause hinzu: „Soweit gesund.“

Frank-Michael Wahl ist bis heute ehrgeizig. (Foto: picture alliance/dpa)

Nicht nur körperlich half ihm der Leistungssport nach dem Schlaganfall. Er war schon als Handballer ehrgeizig und trainierte oft mehr als andere. Das tut er auch jetzt. Wenn andere Patienten in der Reha zwei Minuten auf dem Laufband waren, trainierte er 40 Minuten. Auch heute noch trainiert er täglich. Mehrmals geht er mit der Hündin Nika seiner Lebensgefährtin spazieren, stemmt Hanteln, steigt die Treppe auf und ab, macht Kniebeugen.

„Absolute Weltklasse“ und Olympiasieger

Wenn Wahl vor einem steht, bekommt man eine Ahnung, wie furchteinflößend es für die Abwehrspieler und Torhüter war, wenn Wahl auf sie zulief, zum Sprung- oder Stemmwurf ansetzte und den Ball mit der Urgewalt seines rechten Armes Richtung Tor schleuderte. Mit bis zu 136 Kilometern pro Stunde – wie einmal gemessen wurde – raste das Spielgerät auf die Torhüter zu. Er war einer, für den der Begriff Wucht wie geschaffen zu sein schien.

„Potti war ein überragender Spieler mit einer großartigen Karriere“, sagt der heutige Bundestrainer Alfred Gislason. „Ich habe in den 80er-Jahre öfter gegen ihn gespielt. Was er auf dem Feld gezeigt hat, war absolute Weltklasse – und im Ergebnis für uns Isländer selten erfreulich.“

Nach seiner Schwimm-Laufbahn als Jugendlicher inklusive eines Titels als DDR-Jugendmeister wechselte er zum Handball. Da war er 16 Jahre alt. Weil er vom Schwimmen kam und wegen seines Nachnamens – auch wenn es orthografisch unkorrekt war -, erhielt er beim SC Empor Rostock den Spitznamen „Potti“ in Anlehnung an Pottwal. Sieben Jahre später gewann er mit der DDR-Auswahl bei den vom Westen boykottierten Olympischen Spielen 1980 in Moskau Gold im Finale gegen die als unschlagbar geltende Sowjetunion. Fünf Tore trug er dazu bei. Und nicht wenige glauben, dass er für die DDR-Erfolge im Handball entscheidend war.

Nach der Wende in die westdeutsche Provinz

Noch heute ist Wahl deutscher Rekordnationalspieler mit 344 Länderspielen, 313 für die DDR, 31 für das vereinigte Deutschland nach 1990. 1412 Länderspieltore sind noch immer unerreicht. 17 Jahre spielte er bei Empor Rostock, ehe ihn Manager Dieter Teraske nach der politischen Wende 1990 zum Zweitligisten SG Hameln lockte.

Mit der DDR-Entwicklungshilfe – neben Wahl und Torhüter Wieland Schmidt waren weitere Spieler aus Ostdeutschland gekommen – stieg der Provinzklub auf und hielt sich einige Jahre in der Bundesliga. Wahl beendete 1993 seine Profi-Karriere. Zuvor war er noch mit der vereinten deutschen Mannschaft 1992 bei den Olympischen Spielen in Barcelona. Durch eine Schulterverletzung kam er aber nie mehr an das Leistungsniveau früherer Tage heran.

Nach dem Ende seiner Laufbahn blieb er in der Gegend, arbeitete in mehreren Positionen bei der SG Hameln, war unter anderem Co-Trainer des heutigen Bundestrainers Gislason. Neben seiner Arbeit für eine Bausparkasse trainierte Wahl noch einige Mannschaften in der Region.

Im vereinten Deutschland nie richtig gewürdigt

Angemessen gewürdigt wurden Wahls Leistungen im vereinten Deutschland nicht. So sind in der Hall of Fame des deutschen Sports die westdeutschen Handballer Bernhard Kempa, Heiner Brand, Joachim Deckarm und Erhard Wunderlich sowie die DDR-Handballerin Kristina Richter verewigt. Spieler aus der Olympiasieger-Mannschaft um Torwart Wieland Schmidt und Wahl fehlen.

Er gönne es allen, die dort aufgenommen wurden. Gegen die 78er-Weltmeister Brand, Deckarm und Wunderlich spielte er noch selbst. Sie hätten sich das verdient, betont Wahl. „Dann hätte man aber auch sagen müssen, als Beispiel Wieland Schmidt oder vielleicht sogar Frank Wahl“, sagt er. Er hätte sich gefreut. „Heute sage ich: Na gut, wenn die Verantwortlichen das nicht wollen oder das nicht sehen wollen, dann ist es halt so.“

Für ihn sind ohnehin jetzt andere Dinge wichtig. Er will weiter an sich und seinem Körper arbeiten. „Ich bin ganz froh darüber, dass ich wieder da bin, wo ich bin, und mich so gut bewegen kann“, sagt Wahl. „Ich muss warten. Einen zeitlichen Termin, den kann ich mir nicht setzen.“ Einen anderen Termin hat er aber fest in seinem Kalender: Seinen Geburtstag feiert der zweimalige Vater und dreimalige Großvater im engsten Kreis der Familie. Fünf Tage später steht der zweite Feier-Teil an. Dann kommen Geschwister und Freunde.

Verwendete Quellen: ntv.de, Claas Hennig, dpa

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