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VIP VIP, Hurra!: Dolly Parton, Bruce Willis und die Menschen auf den Wiesen

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 28, 2026Keine Kommentare6 Minuten Lesezeit
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VIP VIP, Hurra!Dolly Parton, Bruce Willis und die Menschen auf den Wiesen

28.08.2026, 17:12 Uhr Die Promikolumne von Verena Maria Dittrich
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Unsterblich: Dolly Parton – hier im Jahr 2016. (Foto: picture alliance / Jordan Strauss/Invision/AP)

Dolly Parton ist unsterblich, Bruce Willis bleibt unkaputtbar und irgendwann sinniert man eben über die eigene Vergänglichkeit. Zum Glück gibt es in Pankow noch Kaffee und Blechkuchen, ohne dass man dafür einen Kleinkredit aufnehmen muss. Nebenan baumelt der Mietendeckel um einen Politikerhals. Und überhaupt: Welche Kettchen hätten unsere Volksvertreter eigentlich verdient?

Neulich sagte eine Freundin zu mir, bei Schmuck sei mittlerweile alles erlaubt, ich müsse nicht mehr darauf achten, was zusammenpasst, sondern könne easy goldene Vintage-Ketten mit großen Silberringen kombinieren, das sei jetzt „in“. Ich erinnere mich noch an die Zeit, in der es dank „Sex and the City“-Carrie modern war, Kettchen mit dem eigenen Namen oder dem des Liebsten zu tragen. Wenn ich mich dieser Tage aber so in der Politik umschaue, frage ich mich, ob ich irgendwas nicht mitbekommen habe.

Nachdem unser (Noch)-Bürgermeister Kai Wegner die Hauptstadt nun lange genug mit seinem ganz großen Tennis beehrt hat, geht es in diesen Tagen um die Wahl eines neuen Bürgermeisters. Ich sitze in meinem Lieblings-Café in Pankow und schaue aus den bodentiefen Fenstern. Vor mir Stammgäste aus der nahe gelegenen Seniorenresidenz, denn Omas Blechkuchen kostet hier noch ’nen Appel und ’n Ei. Doch in diesen Tagen halten die Gäste nicht das Gesicht in die Sonne, sondern schauen auf die Plakate der Bürgermeisterkandidaten. Unter ihnen Elif Eralp von der Linken.

Viel wurde in den vergangenen Wochen über ihr Namenskettchen geschrieben, denn statt Carrie, Elif oder Detlef steht da „Mietendeckel“. Glaubt wirklich noch jemand daran, dass die Mieten in Berlin irgendwann noch mal günstiger werden, frage ich mich, als mir der Mann erzählt, dass um den Hals einer anderen Politikerin von der CDU das Wort „MILF“ prangte.

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Elif Eralp , Spitzenkandidatin der Partei Die Linke in Berlin, trägt eine Goldkette mit dem Schriftzug „Mietendeckel“. (Foto: picture alliance / Ipon)

Weil ich so geschäftstüchtig bin, überlege ich jetzt natürlich, ob ich in so ein Kettchen-Business investieren sollte. Man könnte ein Start-up gründen und hochwertige Goldkettchen für Politiker anfertigen lassen: „Kompetenzattrappe“, „Schaumschläger“ oder „Elfenbeinturmbewohner“. Ich glaube, das Ding würde innerhalb kürzester Zeit durch die Decke gehen.

Am Ende werden wir Wiese

Sie merken, geneigter Leser, ich bin ein bisschen politikverdrossen, obschon ich der Meinung bin, dass heute alles politisch ist. Aber je älter ich werde, desto öfter frage ich mich, Moment, hast du das nicht schon 1983 in der damaligen DDR erlebt? Geschichte wiederholt sich, vielleicht sollte ich an dieser Stelle sagen: leider. Und während ich diese Zeilen schreibe, hier von meinem neuen Stammcafé aus, merke ich, wie sich meine Einstellung zum Tod geändert hat. Ernst Jandl schrieb 1954 in seinem „Sommerlied“: „Wir sind die Menschen auf den Wiesen, bald sind wir Menschen unter den Wiesen und werden Wiesen, und werden Wald, das wird ein heiterer Landaufenthalt“.

2026 schleppt sich gerade durch den achten Monat und schon wieder sind so viele Promis von uns gegangen, Promis, mit deren Filmen wir aufgewachsen sind, zu deren Liedern wir geknutscht, getanzt und geheult haben. Ikonen, die schon zu Lebzeiten Legenden waren. Und nun auch noch Dolly Parton.

Dolly war für mich immer eine dieser alterslosen Frauen, bei denen man sich gar nicht vorstellen konnte, dass sie eines Tages einfach nicht mehr da sein würde. Diese turmhohen Haare, ihr riesiges Dekolleté und dazu diese unverwechselbare Stimme. Sie sah seit Jahrzehnten aus wie ihre eigene Kunstfigur und konnte über ihre Schönheitsoperationen genauso lachen wie über ihre Brüste. Vor allem aber konnte sie etwas, was heutzutage schon beinahe aus der Mode gekommen scheint: eine Haltung haben, ohne allen anderen permanent damit auf den Sack zu gehen.

Aufgewachsen ist sie als eines von zwölf Kindern in bitterer Armut in Tennessee, später verkaufte sie mehr als hundert Millionen Tonträger und wurde so reich, dass sie das Geld problemlos bis an ihr Lebensende hätte zählen können. Stattdessen gründete sie zu Ehren ihres Vaters, der nie lesen gelernt hatte, eine Stiftung, die Kindern kostenlos Bücher schickt, und half Familien, die bei den verheerenden Waldbränden in ihrer Heimat ihre Häuser verloren hatten. Dolly Parton war tiefgläubige Christin und gleichzeitig erstaunlich uninteressiert daran, anderen vorzuschreiben, wen sie lieben, wie sie leben oder was sie glauben sollten. Eine Frau, die vermutlich mehr für andere getan hat als so mancher, der sich „Empowerment“ um den Hals hängen würde.

Und dann natürlich ihre Musik. „Jolene“, „9 to 5“, „I Will Always Love You“. Nun ist sie mit 80 Jahren an Krebs gestorben und während ich hier bei den Alten aus der Residenz sitze und diese Zeilen schreibe, merke ich, wie viele Erinnerungen inzwischen an Leuten hängen, die gar nicht mehr da sind.

Bruce Willis, unkaputtbar!

Bei Bruce Willis ist es noch einmal anders. Er ist da und verschwindet trotzdem seit Jahren Stück für Stück aus seinem eigenen Leben. 2023 teilte seine Familie die Diagnose frontotemporale Demenz mit. Rumer Willis, seine älteste Tochter, hat jetzt darüber gesprochen, wie schwer manche Tage für sie sind, weil sie ihren Vater vermisst und gleichzeitig lernen muss, ihn so anzunehmen, wie er heute ist. Nach der Diagnose ihres Vaters hat sie sich inzwischen auch selbst testen lassen, um mehr über ihr eigenes Alzheimer-Risiko zu erfahren. Das Ergebnis: durchschnittliches Risiko. Wissen sei Macht, sagt sie.

Bruce Willis war über Jahrzehnte einer dieser Typen, die in Filmen einfach nicht kaputtzukriegen waren. Der konnte barfuß durch Glasscherben laufen, halb Los Angeles in Schutt und Asche legen und sah am Ende trotzdem noch aus, als würde er gleich irgendwo ein Bier bestellen. Nun wird er rund um die Uhr betreut und lebt nicht mehr mit seiner Familie im selben Haus. Aber das Traurige und zugleich Schöne daran ist, dass wir anderen ihn jederzeit wieder zurückholen können. Fernseher an, „Stirb langsam“, und da ist es wieder: dieses schiefe Grinsen, das dreckige Unterhemd!

Während ich darüber nachdenke, sitzen vor meinem Fenster noch immer die Senioren beim Blechkuchen, die Sonne scheint, auf den Plakaten gegenüber baumelt der Mietendeckel um Elifs Hals. Ernst Jandl mit seinen Menschen auf den Wiesen wusste, wovon er sprach. Irgendwann werden wir eben alle Wiese. Bis dahin müssen wir uns allerdings noch mit der Politik herumschlagen.

Und damit wären wir wieder bei den Kettchen. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil beschäftigt sich ja gerade mit einer Abgabe auf zuckerhaltige Getränke, wobei er eine Zuckersteuer auf zuckerfreie Getränke immerhin ausgeschlossen hat. Darauf erst mal eine Coke Zero.

Natürlich soll unser Lars bei meinem neuen Kettchen-Business nicht leer ausgehen. „Tax-the-Rich“ wäre hübsch, „Dampfplauderer“ auch, ich tendiere allerdings zu „Sprechblase“. Das passt bequem um den Hals und ist garantiert zuckerfrei.

Quelle: ntv.de

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Dr. Heinrich Krämer
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