Aktuell kursiert auf Facebook eine Collage mit angeblichen alten Zeitungstiteln zu heißen Sommern. Sie stellt frühere Schlagzeilen neben heutige Hitzewarnungen und suggeriert: Alles war schon immer so, nur die Wahrnehmung habe sich geändert.
Das stimmt so nicht. Zwar gab es auch früher heiße Sommer und einzelne Hitzerekorde. Die in der Collage gezeigten Zeitungsseiten sind aber nach Recherchen und Anfragen bei den betroffenen Medien keine echten Titelseiten.
Die Collage arbeitet mit falschen Belegen
Die Collage zeigt mutmaßliche Ausschnitte von „Bild“, „Welt“, „Frankfurter Allgemeiner Zeitung“, „Süddeutscher Zeitung“ und „Tagesspiegel“. Sie sollen aus den Jahren 1975, 1976, 1983, 1994 und 2003 stammen. Dazu steht sinngemäß: „Heiße Sommer gab es schon immer.“
Gerade dieser Punkt macht den Beitrag wirksam. Die Aussage enthält einen echten Kern: Ja, auch früher gab es Hitze, Dürre und sehr warme Sommer. Der Fehler liegt aber im Beleg. Die Collage nutzt offenbar verfälschte oder erfundene Zeitungsausschnitte, um daraus eine größere Aussage über Klimawandel und Hitzewarnungen abzuleiten.
Die „Bild“-Seite wurde verändert
Bei der angeblichen „Bild“-Ausgabe aus dem Jahr 1975 gibt es einen echten Bezug: Eine Schlagzeile zu 37 Grad wurde damals tatsächlich veröffentlicht. Die in der Collage gezeigte Darstellung entspricht aber nicht der Originalseite. Design, Bild und Aufmachung weichen ab.
Auch der Kontext wird verkürzt. In dem damaligen Artikel ging es demnach um hohe Temperaturen in deutschen Großstädten. Die bloße Schlagzeile als Beweis dafür zu verwenden, heutige Hitzewarnungen seien übertrieben, führt deshalb in die Irre.
Die anderen Titelseiten wurden nicht gefunden
Bei den weiteren angeblichen Titelseiten ergaben Rückwärtssuchen und Recherchen keine belastbaren Treffer. Nach Angaben der dpa wurden die betroffenen Medien direkt angefragt. Sie bestätigten demnach nicht, dass die gezeigten Seiten echte Titelseiten waren.
Einzelne heiße Sommer widerlegen keinen Klimatrend
Die Collage vermischt zwei Ebenen: Wetterereignisse einzelner Jahre und langfristige Klimaentwicklung. Dass es 1976, 1983 oder 2003 sehr heiße Phasen gab, widerlegt nicht, dass Hitzetage und Hitzewellen häufiger, länger oder intensiver werden können.
Für die Bewertung des Klimawandels zählen nicht einzelne alte Schlagzeilen, sondern lange Messreihen. Daten internationaler und nationaler Fachstellen zeigen seit Jahrzehnten eine Erwärmung der globalen Durchschnittstemperatur. Auch Behörden wie das Umweltbundesamt verweisen darauf, dass Rekordjahre und extreme Hitzeereignisse zugenommen haben.
Warum die Collage glaubwürdig wirkt
Der Beitrag wirkt auf den ersten Blick überzeugend, weil er bekannte Zeitungstitel zeigt und echte Erinnerungen anspricht: Viele Menschen haben selbst heiße Sommer erlebt. Daraus entsteht der Eindruck, heutige Warnungen seien nur ein Produkt moderner Medien oder Wetter-Apps.
Genau das ist der Täuschungstrick. Eine plausible Grundannahme wird mit falschen oder manipulierten Belegen verstärkt. Wer nur die Collage sieht, prüft meist nicht, ob die angeblichen Titelseiten tatsächlich existieren.
Nutzer sollten bei solchen Sharepics besonders auf Datum, Quelle, Archivbeleg und Originalfundstelle achten. Fehlt ein klarer Link zur Zeitungsausgabe oder widersprechen Layout und Schriftbild dem historischen Erscheinungsbild, ist Vorsicht angebracht.
Bewertung: Falsch. Die Collage nutzt gefälschte Zeitungsausschnitte und zieht daraus eine irreführende Aussage über heutige Hitzewarnungen und Klimawandel.
FAQ zum Thema: Gefälschte Hitze-Collage
Zeigt die Collage echte alte Titelseiten?

Nein. Die gezeigten Titelseiten wurden von den betroffenen Medien nicht als echte Originalseiten bestätigt. Mehrere Angaben zu Datum, Layout und Schlagzeilen passen nicht zu den tatsächlichen Ausgaben.
Gab es früher keine heißen Sommer?
Doch, heiße Sommer gab es auch früher. Das widerlegt aber nicht den Klimawandel. Einzelne heiße Jahre sind Wetterereignisse, entscheidend für den Klimatrend sind lange Messreihen.
Warum ist die Collage trotzdem irreführend?
Sie nutzt einen wahren Kern und verbindet ihn mit falschen Belegen. Dadurch entsteht der Eindruck, heutige Hitzewarnungen seien übertrieben oder nur eine Frage veränderter Wahrnehmung.
Was sagt die Collage über den Klimawandel aus?
Als Beleg taugt sie nicht. Gefälschte Zeitungsausschnitte können keine Aussage über Temperaturtrends ersetzen. Für die Einordnung braucht es Messdaten, nicht nachgebaute Titelseiten.
Woran erkennt man solche Fälschungen?
Auffällig sind fehlende Archivlinks, unpassendes Layout, ungewöhnliche Schriften, falsche Datumsangaben oder Schlagzeilen, die sich in Zeitungsarchiven nicht finden lassen. Bei alten Zeitungsseiten sollte immer die Originalausgabe überprüfbar sein.
dpa-Faktencheck
31. August 2026
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