Russland hat die Ukraine in der Nacht wieder massiv angegriffen. Insgesamt wurden nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Selenskyj zwölf Menschen getötet. Durch ukrainische Drohnen starben nach russischen Angaben fünf Menschen.
Bei einem großangelegten Luftangriff in der Nacht zum Dienstag sind in der Ukraine mindestens zwölf Menschen getötet worden. Darunter befinde sich auch ein Zivilist aus Indien, teilte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj mit.
Die ukrainische Luftwaffe teilte mit, Russland habe gegen 18 Uhr am Montagabend mit den Angriffen mit Raketen sowie mehr als 200 Drohnen begonnen. Etwa ein Drittel der Drohnen sei Berichten zufolge mit Strahltriebwerken ausgestattet gewesen. Diese erreichen höhere Geschwindigkeiten und können schlechter abgefangen werden. Russland setzt sie zunehmend ein.
Eisenbahndepot und Grenzübergang getroffen
Der ukrainische Bahnchef Oleksandr Perzowskyj erklärte, eine Rakete habe ein Eisenbahndepot und weitere Bahnanlagen in Kiew getroffen. Sieben Menschen seien dabei getötet worden, sechs von ihnen waren Bahnmitarbeiter. Ein weiterer Eisenbahnmitarbeiter sei ins Krankenhaus gebracht worden. In Boryspil östlich von Kiew wurden laut Selenskyj insgesamt vier Menschen getötet. Wohngebäude und zivile Infrastruktur seien beschädigt worden.
Neben Kiew und Umgebung wurde unter anderem auch die Region Odessa angegriffen. Dort sei die Hafeninfrastruktur getroffen worden. Der massive Schlag habe der Energieinfrastruktur gegolten, teilte der ukrainische Rettungsdienst auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mit. Zudem sei durch den Beschuss ein Feuer in einem Wohnhaus ausgebrochen, bei dem ein Mensch verletzt worden sei. Präsident Selenskyj sagte, „Tausende Familien“ seien nach dem Angriff ohne Strom.
Auch ein Grenzübergang zum NATO-Mitgliedsstaat Rumänien sei getroffen worden. Nach Angaben des ukrainischen Katastrophenschutzes wurde ein Kontrollpunkt für den Fährverkehr in Orliwka getroffen. Die Abfertigung von Reisenden und Fahrzeugen sei vorübergehend ausgesetzt worden, hieß es in einer Erklärung der Behörde. Selenskyj warf Russland vor, „vorsätzlich einen Grenzübergang nach Rumänien sowie die Exportinfrastruktur beschädigt“ zu haben.
Russland spricht von „massivem Angriff“
Aus dem russischen Verteidigungsministerium hieß es, die russischen Streitkräfte hätten einen „massiven Angriff“ mit Waffen mit großer Reichweite und Drohnen ausgeführt. Der Angriff habe sich gegen militärisch-industrielle Einrichtungen sowie Kraftstoff- und Energieanlagen in Kiew sowie die Infrastruktur in der Region Odessa gerichtet.
Die nächtlichen Angriffe markierten den sechsten aufeinanderfolgenden Tag russischer Attacken auf Kiew, nachdem in der vergangenen Woche eine beispiellose Serie von Luftalarm-Warnungen begonnen hatte.
Ukrainische Gegenangriffe
Die Ukraine hat unterdessen ihre Gegenangriffe auf Russland fortgesetzt. Dabei sei der russische Ostseehafen Ust-Luga getroffen worden, teilte der Gouverneur der Region Leningrad, Alexander Drosdenko, mit. „Im Hafengebiet von Ust-Luga sind infolge des Drohnenangriffs Schäden entstanden und es brennt“, so Drosdenko. Mittlerweile sei das Feuer gelöscht.
Der Hafen von Ust-Luga am Finnischen Meerbusen in der Nähe der estnischen Grenze ist ein wichtiger Umschlagplatz für Dünger, Öl und Kohle aus Russland. Nach Angaben der russischen Behörden wurde er bereits mehrfach attackiert.
Russland: Mehrere Tote
In der von Russland besetzten Teil der Region Luhansk seien vier Menschen getötet und drei weitere bei einer Welle von ukrainischen Drohnenangriffen verletzt worden, sagte der von Russland eingesetzte Gouverneur der Region, Leonid Pasechnik. Eine weitere Person sei in der russischen Region Belgorod getötet worden, teilten die russischen Behörden mit.
Belgorod wird häufiger von ukrainischem Beschuss getroffen. Zuletzt hatte die Ukraine ihre Gegenangriffe vor allem auf die russische Infrastruktur verstärkt, etwa auf Raffinerien, Öldepots und Häfen. Kiew sieht diese Anlagen als legitime Ziele, um die Einnahmen Russlands aus dem Ölgeschäft zur Finanzierung seiner Offensive in der Ukraine zu reduzieren.
Konfliktparteien als Quelle
Angaben zu Kriegsverlauf, Beschuss und Opfern durch offizielle Stellen der Konfliktparteien können nicht unmittelbar von unabhängiger Stelle überprüft werden.
