Erstmals schließt sich in Israel ein jüdischer Politiker der islamischen Ra’am-Partei an. Yoav Segalovitz und Raam-Vorsitzender Abbas wollen beweisen, dass jüdisch-arabische Partnerschaft keine Illusion ist.
Es ist ein Paukenschlag auf der politischen Bühne Israels. Yoav Segalovitz, einst hochrangiger Polizeioffizier und Ex-Vize-Polizeiminister tritt als jüdischer Politiker auf der Liste der arabisch-islamischen Raam Partei an. Ein historischer Schritt.
Auf einer Pressekonferenz in Nazareth räumte Segalovitz mit Tabus auf: „Es ist nicht möglich, im Staat Israel sinnvolle Reformen ohne Verbindungen, einschließlich politischer Partnerschaft, voranzutreiben“, kritisiert er. „Die Grenzen, die im politischen Diskurs gezogen wurden, sind für uns nicht akzeptabel. Sie sind durch Ausgrenzung, Hetze und Rassismus entstanden.
Die weitverbreitete Behauptung, nach dem 7. Oktober sei eine politische Partnerschaft mit arabischen Parteien unmöglich, ist haltlos und falsch.
Arabischer Politiker Abbas: „Wir haben viel Arbeit vor uns“
Segalovitz wird auf dem aussichtsreichen Listenplatz zwei antreten – ein klares Signal. Raam-Parteichef, der arabische Politiker Mansour Abbas, verteidigte das Bündnis gegen heftigen Gegenwind aus allen Lagern. Er betonte, auch mit Blick auf Kritiker aus dem arabischen Lager, man suche keine ideologischen Seelenverwandten, sondern Macher, die anpacken wollen.
„Araber und Juden gemeinsam – das ist eine Kraft, die die Arbeit voranbringt“, sagte Abbas. Und weiter: „In jeder Generation gibt es einen Moment, in dem Angst und Hoffnung im selben Raum aufeinandertreffen. Heute Abend hat in diesem Raum die Hoffnung gesiegt. Yoav, willkommen. Wir haben gemeinsam viel Arbeit vor uns.“
Hintergrund des Bündnisses ist auch der Kampf gegen die massive Gewaltkriminalität in der arabischen Minderheit in Israel, die in den vergangenen Jahren explodiert ist. Segalovitz, Gründer einer polizeilichen Antikorruptions- und Spezialeinheit, soll hier als Problemlöser fungieren. Ein riskanter, aber strategisch weitreichender Schritt.
Jüdisch-arabische Partnerschaft als Kampf gegen Kriminalität?
Während rechte Kräfte in Israel das Bündnis scharf kritisieren, versuchen Abbas und Segalovitz zu beweisen, dass jüdisch-arabische Partnerschaft keine Illusion ist, sondern das einzig verbleibende Mittel gegen Kriminalität und gesellschaftliche Spaltung.
Segalovitz‘ bisherige Partei, Yesh-Atid von Oppositionsführer Jair Lapid, ist allerdings skeptisch. Lapid zeigte sich in einem Radiointerview überrascht vom Wechsel seines langjährigen Weggefährten. „Wir haben lange Gespräche mit ihm geführt; wir alle haben mit ihm zusammengesessen – nicht nur ich. Ich habe Yoav wirklich gerne und möchte, dass er Erfolg hat. Aber ich glaube, er irrt sich.“
Unklar ist noch, welche politischen Wellen der Schritt schlägt. Umfragen zeigen, dass die arabische Ra’am-Partei durch das jüdische Prominenten-Mitglied Stimmen dazugewinnen könnte. Das würde das Anti-Netanjahu-Lager stärken. Bisher gilt eine Koalition mit arabischen Parteien für viele jüdische Parteien als Tabu. Segalovitz könnte dieses Tabu nun ins Wanken bringen.

