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Startseite»Nachrichten»Daten zu Wasserwerken im Darknet: IT-Sachverständiger: Berlin ignorierte Sicherheitslücken
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Daten zu Wasserwerken im Darknet: IT-Sachverständiger: Berlin ignorierte Sicherheitslücken

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerSeptember 6, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Daten zu Wasserwerken im DarknetIT-Sachverständiger: Berlin ignorierte Sicherheitslücken

In der Hauptstadt ziehen dunkle Wolken über dem Roten Rathaus und Fernsehturm auf. (Foto: picture alliance/dpa)

Rund 1,44 Millionen Dateien der Berliner Verwaltung stehen im Darknet – darunter sensible Hauptstadt-Unterlagen zu Umspannwerken, Gefängnissen und der Bundeswehr. Mehrere IT-Experten machen den Behörden schwere Vorwürfe.

Der Hackerangriff auf Teile der Berliner Verwaltung könnte viel weitreichendere Folgen haben als zunächst bekannt – weit über die Hauptstadt hinaus. Seit Freitag sind rund 1,44 Millionen Dateien mit einem Umfang von 5,8 Terabyte im Darknet veröffentlicht. Ein Terabyte entspricht rund 1.000 Gigabyte. Der IT-Experte Manuel Atug machte nun öffentlich, dass er nach eigener Aussage bereits 2023 und 2025 als Sachverständiger in den Berliner Innenausschuss geladen worden sei. Demnach habe er schon vor Jahren auf „eklatante Sicherheitslücken“ hingewiesen. „Das Land Berlin hat grob fahrlässig gehandelt und vorsätzlich die Geheimschutz-Vorgaben nicht eingehalten“, sagte der IT-Experte. Er sei „wirklich schockiert und sprachlos.“

Zunächst schienen nur personenbezogene Daten betroffen zu sein – darunter gescannte Reisepässe, Arbeitsverträge, Bewerbungsunterlagen und Krankmeldungen von Staatsbediensteten. Laut mehreren Medienberichten und der Einschätzung von IT-Experten könnten allerdings auch hochsensible Daten geleakt worden sein, die für den Schutz kritischer Infrastruktur und die Sicherheit von Bund und Ländern relevant sind. Dabei geht es etwa um den Zivilschutz oder Rüstungsunternehmen.

Von einem „echten Daten-Super-GAU“ sprach der Grünen-Fraktionsvize Konstantin von Notz im „Handelsblatt“. „Sollte sich herausstellen, dass Schutzmechanismen bewusst nicht eingehalten wurden und der dringend notwendige Geheimschutz nicht gewährleistet war, wären auch personelle Konsequenzen unausweichlich“, sagte der Grünen-Politiker der Zeitung.

Der Grünen-Politiker warf der Bundesregierung „massive Versäumnisse“ vor. Seiner Einschätzung nach könnte es sich um den schwersten bislang bekanntgewordenen IT-Sicherheitsfall auf Landesebene handeln – mit möglicherweise erheblichen finanziellen Folgen, so von Notz: „Der jüngste Fall in Berlin wird die Steuerzahler Millionen kosten. Die Bundesregierung trifft eine direkte Mitschuld.“ CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter sagte der „Süddeutschen Zeitung“: „Dieser Datenabfluss ist von gravierendem Ausmaß und gefährdet unsere nationale Sicherheit.“

Die Hacker hatten sich vom 7. bis zum 12. August unbemerkt Zugang zu Teilen des Berliner Landesnetzes verschafft und Daten abgeschöpft. Betroffen waren die Senatsverwaltungen für Bauen und Verkehr. Die Verwaltung bemerkte den Angriff am 14. August und machte ihn drei Tage später öffentlich. Die Hacker-Gruppe Rhysida forderte 30 Bitcoin, was umgerechnet rund zwei Millionen Euro entspricht. Der Senat zahlte nicht und die Täter veröffentlichten die Daten nach Ablauf ihres Ultimatums. Ein Sprecher des Innenministeriums betonte, die Gruppierung habe aus finanziellen Gründen gehandelt. Unbekannte Dritte könnten die im Darknet veröffentlichten Daten nun aber für weitere kriminelle Zwecke missbrauchen.

Chaos Computer Club findet sensible Datensätze

Ein vollständiger Überblick über die geleakten Daten ist wegen der gewaltigen Menge bislang kaum möglich. Außerdem könne der Datensatz nicht nach bestimmten Begriffen durchsucht werden, erklärte Jochim Selzer, Sprecher des Chaos Computer Clubs. Seinen Recherchen zufolge sind unter den Dateien neben personenbezogenen Daten auch sensible Informationen über die Berliner Wasserversorgung zu finden. Dem „Tagesspiegel“ zufolge sollen sich darunter zudem Daten zu Heizkraftwerken, Tanklagern, Notstromanlagen, Umspannwerken, Gefängnissen, Wasserwerken sowie Rüstungsunternehmen und der Bundeswehr befinden.

Für Betroffene besteht die Gefahr von Identitätsdiebstahl und gezielten Phishing-Angriffen, wie das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) warnte. Sicherheitsrelevante Informationen könnten zudem von fremden Mächten oder Terroristen missbraucht werden. Das BSI teilte mit, dass Angaben zu kritischen Infrastrukturen, Unternehmen und Organisationen je nach Sensibilität die Bedrohungslage erhöhen könnten.

In Berlin koordiniert inzwischen eine zusätzliche Steuerungseinheit die Sichtung und Bewertung der Daten. Nach Angaben des Bundesinnenministeriums sind auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), das Bundeskriminalamt (BKA) und das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) an der Aufarbeitung beteiligt. Im Gemeinsamen Cyberabwehrzentrum würden alle Erkenntnisse zusammengetragen und geteilt.

Sicherheitsmaßnahmen werden erhöht

Betroffene Bürgerinnen und Bürger, Beschäftigte und Unternehmen sollen nach Angaben der Senatskanzlei risikobasiert per Brief oder E-Mail kontaktiert und beraten werden. Konkrete Angaben dazu, welche Daten genau veröffentlicht wurden, machte die Senatskanzlei zunächst nicht. Die forensischen Untersuchungen und Ermittlungen dauern an. Die Bundeswehr kündigte an, nach der Analyse möglicher Sicherheitsrisiken Maßnahmen zum Schutz der militärischen Sicherheit einzuleiten.

Auch die Berliner Landesregierung hat die Sicherheitsmaßnahmen nach eigenen Angaben erhöht. In zwei Wochen wird in Berlin ein neues Abgeordnetenhaus gewählt. Die Wahlumgebung sei nach derzeitigem Stand nicht betroffen, sagte Landeswahlleiter Stephan Bröchler.

Quelle: ntv.de, bho/dpa

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