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Startseite»Nachrichten»Ökonomen lösen Widerspruch auf: Warum die AfD da am stärksten ist, wo sich der Arbeitsmarkt am besten entwickelt
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Ökonomen lösen Widerspruch auf: Warum die AfD da am stärksten ist, wo sich der Arbeitsmarkt am besten entwickelt

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerSeptember 8, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Ökonomen lösen Widerspruch aufWarum die AfD da am stärksten ist, wo sich der Arbeitsmarkt am besten entwickelt

Auch wenn die Arbeitslosigkeit stark zurückgegangen ist, hinken strukturschwache Regionen wirtschaftlich weiter hinterher. (Foto: picture alliance / Caro)

Die Statistik zeigt eindeutig: Der Aufstieg der AfD fällt nicht etwa mit wirtschaftlichem Niedergang, sondern mit einem Rückgang der Arbeitslosigkeit zusammen. Wo sich der Arbeitsmarkt am besten entwickelt, sind die Rechten besonders stark. Das heißt allerdings nicht, dass die Wirtschaft keinen wichtigen Einfluss auf das Wahlverhalten hat.

Die wirtschaftliche Entwicklung, insbesondere die Arbeitslosigkeit, steht oft im Zentrum von Erklärungsansätzen für den Erfolg von Rechtsextremismus und Rechtspopulismus. Die Forschung hat aber ein Problem mit der schlüssig erscheinenden Idee, dass Jobverluste durch Strukturwandel und Deindustrialisierung Wähler empfänglich für populistische Politik machen. Der Aufstieg der AfD in Deutschland lässt sich damit nicht erklären. Tatsächlich ist der statistische Zusammenhang zwischen Wahlerfolgen der Rechtspartei und der Entwicklung der Arbeitslosigkeit in Ostdeutschland teilweise sogar negativ.

Heißt das aber, dass die wirtschaftliche Entwicklung überhaupt keine Rolle spielt für das Erstarken des Rechtspopulimus? Und bieten umgekehrt auch eine gut laufende Wirtschaft und ein Rückgang der Arbeitslosigkeit keinen Ansatz, um Populisten zurückzudrängen und die Demokratie zu stabilisieren? Forscher des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle in Sachsen-Anhalt sind in einer Analyse der Frage nachgegangen, „warum es anscheinend Gemeinden mit besonders positiver Entwicklung am Arbeitsmarkt sind, in denen die AfD zunehmend stärkere Wahlergebnisse erreicht“. Dazu haben sie die Ergebnisse der Bundestagswahlen von 2013 bis 2025 auf regionaler Ebene mit der Entwicklung der Arbeitslosigkeit und der Einkommen (mittleres Tages-Entgelt) verglichen. Das Rekord-Wahlergebnis der AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ist nicht Teil der Analyse.

Betrachtet man die Entwicklung dieser Parameter im Zeitverlauf ist der statistische Zusammenhang eindeutig: „Der Stimmenanteil für die AfD (ist) insbesondere in jenen Regionen stark gestiegen, die auf eine überaus positive Entwicklung ihrer Arbeitsmärkte zurückschauen können, etwa in Ostdeutschland.“ Laut den Studien-Autoren ist das aber nur ein „scheinbarer Widerspruch“ zu der Annahme, dass die Wirtschaft eine wichtige Rolle für den Erfolg von Populisten spielt. Denn in ihrer Analyse betrachten die Forscher nicht nur die Entwicklung des Arbeitsmarktes jeder Gemeinde für sich, sondern auch die „im Querschnitt“, das heißt: Wo liegt er im deutschlandweiten Vergleich.

Dabei stellen die Forscher zum Beispiel fest, dass gerade die Regionen den stärksten Rückgang der Arbeitslosigkeit verzeichneten, in denen die Ausgangslage 2013 besonders schlecht war. Gleichzeitig reichten diese Verbesserungen aber nicht aus, um starke Regionen ein- oder gar zu überholen. Die zehn Prozent der strukturschwächsten Regionen hatten demnach 2013 eine durchschnittliche Arbeitslosigkeit von 13,5 Prozent. Bis 2021 sank sie auf nur noch 4,8 Prozent. In den zehn Prozent der stärksten Gemeinden lag die Arbeitslosigkeit dagegen schon 2013 bei nur zwei Prozent und sank geringfügig auf 1,6 Prozent im Jahr 2021.

Die „Niveauunterschiede“ hätten sich also verringert, der „Unterschied in der Rangfolge“ sei aber bestehen geblieben, konstatieren die Forscher. Auch wenn sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt verbessert habe, seien abgehängte Regionen abgehängt geblieben. Und dort sei auch die AfD besonders attraktiv für die Wähler. Für den Erfolg der AfD sei also nicht die Lage vor Ort an sich entscheidend, sondern „die langfristige relative sozioökonomische Positition einer Gemeinde innerhalb eines gesamtdeutschen Vergleichs“. Dieser Befund, so die Autoren, passe zu Erkenntnissen anderer Forschungen, denen zufolge „relative Vergleiche der eigenen Stellung zum Gesamtdurchschnitt für die Unterstützung rechtspopulistischer Parteien“ von zentraler Bedeutung seien.

Wolle man dem Populismus wirtschaftspolitisch etwas entgegensetzen, reicht es also nicht aus, auf Verbesserungen auf dem Arbeitsmarkt zu verweisen. Entscheidend sei, etwas an den seit langem bestehenden regionalen Unterschieden zu verändern, heißt es in der Analyse. Daran sollte „die Regionalpolitik direkt ansetzen“.

Quelle: ntv.de, mbo

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