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US-Anleihen vor kritischer Marke: Trumps Schuldenorgie gefährdet den KI-Boom

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerSeptember 9, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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US-Anleihen vor kritischer MarkeTrumps Schuldenorgie gefährdet den KI-Boom

09.09.2026, 18:33 Uhr Von Hannes Vogel
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Unendliche Weiten: Die KI-Rechenzentren der Technologiekonzerne werden immer größer und verschlingen immer mehr Milliarden an Bau- und Betriebskosten. (Foto: imago images/ZUMA Wire)

Der Schuldenberg der USA bedroht nicht nur die Finanzstabilität dort. Die Schuldenlast könnte auch den KI-Boom ersticken: Washington und das Silicon Valley liefern sich einen gigantischen Verdrängungswettbewerb darum, wer sich das meiste Geld leihen kann.

Die neueste schlechte Nachricht für Donald Trump kommt aus Norwegen. Nicht etwa, dass das dort ansässige Friedensnobelpreis-Komitee auch in diesem Jahr die weltberühmte Auszeichnung nicht an ihn verleihen wird. Sondern dass der mehr als zwei Billionen Dollar schwere Staatsfonds des skandinavischen Landes gerade vergangene Woche den Daumen über den USA gesenkt hat: Die Finanzmanager in Oslo wollen mehr als ein Drittel ihrer US-Staatsanleihen verkaufen. Eine Ansage, die aufgrund der Finanzpower, die sie verwalten, an den Märkten Gewicht hat.

Nicht nur in Norwegen, auf der ganzen Welt verkleinern Regierungen und Investoren ihre Bestände. Auch in Japan stößt die Regierung US-Staatsanleihen ab, um ihre eigene Landeswährung Yen zu stabilisieren. Die Zinsen für 30-jährige US-Schuldscheine liegen inzwischen auf dem höchsten Stand seit fast 20 Jahren. Einer der wichtigsten Gründe dafür: Der Schuldenberg der USA gerät immer weiter außer Kontrolle. Mehr als 40 Billionen Dollar steht Washington inzwischen bei seinen Gläubigern in der Kreide. Das entspricht rund 126 Prozent der US-Wirtschaftsleistung, eine ähnliche Schuldenquote wie auf dem Höhepunkt des Zweiten Weltkriegs.

Nicht nur für die Haushaltslage und die Finanzstabilität der USA lässt das Böses ahnen. Ein weiterer Effekt ist, dass Amerikas gigantischer Schuldenberg den KI-Boom zunehmend erdrücken könnte. Denn nicht nur die US-Regierung, auch die Tech-Riesen im Silicon Valley feiern eine riesige Schuldenorgie. Die Frage ist, wie lange das Geld für beide reicht, wenn Investoren weltweit zunehmend den Geldhahn zudrehen. Weil die US-Regierung immer mehr Finanzmittel aufsaugt, steigen auch für die Tech-Riesen die Zinsen. Und damit ist die Gefahr real, dass dem KI-Boom die Luft ausgehen könnte – falls die Finanzierungskosten zu stark steigen sollten.

Kreditorgie im Schatten des KI-Booms

Allein die Betreiber von riesigen KI-Rechenzentren, sogenannte Hyperscaler und Nvidia haben in diesem Jahr bislang Anleihen für 225 Milliarden Dollar aufgelegt – mehr als eine Verzehnfachung gegenüber dem Vorjahr. Bis Ende des Jahres könnten es bis zu 400 Milliarden Dollar werden, schätzt S&P. Morgan Stanley rechnet gar mit insgesamt 570 Milliarden Dollar im Jahr 2026. Bis 2030 könnten bis zu sieben Billionen Dollar Kapital für neue Rechenzentren nötig werden, schätzt McKinsey. Zu einem Großteil wird die Finanzlücke mit Schulden gedeckt werden.

Und das ist nur der sichtbare Teil des Kreditbooms. Auch außerhalb ihrer Bilanzen türmen KI-Riesen Verbindlichkeiten auf: Nvidia etwa garantiert mit seinen gigantischen Einnahmen indirekt hunderte Milliarden an Baukosten für neue Rechenzentren beispielsweise von OpenAI.

Die wertvollste Firma der Welt hat zudem extra eine KI-Finanzierungsplattform aufgelegt: Zusammen mit sechs großen Banken will sie so 500 Milliarden Dollar für den Ausbau mobilisieren und die Projekte mit weiteren Garantien absichern. Auch andere Chip-Giganten wie Broadcom stricken an ähnlichen Modellen: die Firma will über ein Spezial-Finanzvehikel bis zu 100 Milliarden Dollar zur Finanzierung von Rechenleistung für Anthropic, OpenAI und anderen KI-Firmen aufbringen.

Schulden-Wettlauf zwischen Silicon Valley und Washington

Der Appetit der Investoren, diese horrende Schuldenlast weiter zu finanzieren, lässt allerdings bereits nach: Laut der Vermögensverwaltung Apollo waren die Anleiheemissionen von Alphabet, Amazon, Meta & Co. im Februar noch fast 5-fach überzeichnet. Im Juli waren die Orderaufträge der Investoren für die Papiere auf nur noch das Zweifache des ausgegebenen Volumens zurückgegangen und lagen damit deutlich unter dem Schnitt für US-Unternehmensanleihen mit vergleichbarer Bonität. Auch die Großbank Goldman Sachs spürt den Trend: Ende des zweiten Quartals hätten nur noch etwa halb so viele Kunden im großen Stil Big-Tech-Anleihen geordert wie im ersten Quartal, sagte der für die US-Kreditmärkte, zuständige Manager kürzlich in einem Podcast.

Denn die Tech-Riesen konkurrieren mit der Trump-Regierung mit immer mehr Schulden um das begrenzte Kapital der Investoren. Dabei bietet die Regierung dank der steigenden Zinsen für US-Staatsanleihen eine immer bessere Verzinsung. Zwischen dem Silicon Valley und Washington läuft ein Verdrängungswettbewerb. Die Gefahr ist, dass der KI-Boom jäh zu Ende geht, wenn der kombinierte Finanzbedarf von Tech-Riesen und Staat einfach zu groß und die Zinsen zu hoch werden. Von einer „historischen Kapitalklemme“ spricht etwa bereits das US-Portal „Axios“.

Auch wenn die Tech-Riesen bislang hunderte Milliarden Dollar an Einnahmen aus ihrem laufenden Geschäft generieren: Auch sie können sich steigende Zinsen für Anleihen, die 30 Jahre oder länger laufen, irgendwann nicht mehr leisten. Die Hoffnung ist zwar, dass die KI-Entwicklung eines Tages Renditen abwirft, die nahezu jegliche Zinsen rechtfertigt. Ob und wann das eintritt, ist aber ungewiss. Bislang verdienen Anthropic, OpenAI & Co. nicht annähend genug, um die gigantische Schuldenlast, die sie aufhäufen, zu rechtfertigen.

Kritisches Zinsniveau könnte die Blase platzen lassen

Analysten haben anhand historischer Trends bereits einen Punkt ausgemacht, an dem die Blase platzen könnte: „Reißen die langfristigen Zinsen nachhaltig die Fünf-Prozent-Marke, könnte das den KI-Boom aus der Bahn werfen“, schreibt der Chef der Rockefeller-Vermögensverwaltung in der britischen „Financial Times“. Denn die Geschichte der letzten 300 Jahre habe gezeigt: „Jede große Blase platzte erst, als die Finanzierungskosten für die Unternehmen in ihrem Zentrum deutlich stiegen.“ Das sei schon bei Eisenbahn-Pleiten im 19. Jahrhundert in den USA so gewesen. Für den Vermögensverwalter ist das entscheidende Barometer die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen, die globale Referenz für langfristige Finanzierungskosten, die inzwischen bei etwa 4,8 Prozent liegt.

Steigt sie dauerhaft über fünf Prozent „könnte die KI-Blase platzen“. Denn wenn die Tech-Riesen mit einer Regierung konkurrieren müssten, die dauerhaft mehr als fünf Prozent Rendite biete, „werden viele feststellen, dass sie den Zugang zum Kreditmarkt verlieren.“ Washington biete dann im Schnitt eine Verzinsung, mit der die Profite der Konzerne nicht mehr mithalten könnten. „Bei einer Rendite in dieser Höhe würden Anleihen die Gewinnrendite des US-Aktienmarktes übertreffen – und wann immer das geschah, bekamen Aktien Gegenwind.“

Auch auf die Geschwindigkeit des Anstiegs kommt es an: Wird die Fünf-Prozent-Marke bis November geknackt, hätte die Zehnjahres-Rendite mehr als 0,75 Prozentpunkte in sechs Monaten zugelegt: „Historisch gesehen haben Zinssprünge dieser Größenordnung Börsenbooms beendet.“

Quelle: ntv.de

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