Der Europa-Park in Rust warnt seine Gäste vor gefälschten Tickets und Buchungen. Über externe Websites und Apps werden Eintrittskarten, aber auch Übernachtungen und andere Angebote des Resorts verkauft, die nicht vom Park stammen und nicht zum Eintritt berechtigen. Der Betreiber hat Anzeige erstattet, beim Polizeipräsidium Offenburg sind innerhalb eines Jahres 24 Fälle bekannt geworden. Die Masche selbst ist nicht neu – neu ist, dass sie sich jetzt gezielt auf einen der meistbesuchten Freizeitparks Europas richtet, und zwar mit Seiten, die dem echten Ticketshop täuschend ähnlich sehen.
Was der Park bestätigt – und wie er es formuliert
Auf seiner Website hat der Europa-Park eine eigene Hinweisseite eingerichtet. Dort heißt es in der Fassung, die wir am 9. September 2026 abgerufen haben: „Aktuell werden über externe Webseiten und Apps vereinzelt gefälschte Tickets und Buchungen für das Europa-Park Erlebnis-Resort angeboten.“ Der Park erklärt außerdem, man habe „wirksame Maßnahmen ergriffen“, und die Zahl entsprechender Seiten und Apps gehe „bereits deutlich zurück“.
Das Wort „vereinzelt“ und der Hinweis auf ergriffene Maßnahmen fehlen in der Fassung, die Regionalmedien am 8. September aus derselben Seite zitiert haben. Der Text wurde also offenbar zwischenzeitlich angepasst. Für die Einordnung ist das nicht unwichtig: Der Park beschreibt das Problem heute als kleiner und rückläufig, während die Polizei parallel von einer vermutlich deutlich höheren Dunkelziffer spricht. Beides kann gleichzeitig stimmen – wer die Seiten abschalten lässt, senkt ihre Zahl, ohne dass die bereits geschädigten Menschen weniger werden.
Gegenüber der Badischen Zeitung bestätigte die Unternehmenskommunikation, dass über diese Seiten „vermeintliche Tickets angeboten“ werden, „die nicht von uns stammen beziehungsweise nicht zum Eintritt berechtigen“. Man warne auf der Website und in den sozialen Medien und habe bei der Polizei Anzeige erstattet. Ob es am Einlass bereits zu Situationen kam, in denen Gäste mit gefälschten Tickets abgewiesen wurden, ließ der Park laut Zeitung unbeantwortet.
Was die Polizei zählt
Die bekannten Fälle
Angaben des Polizeipräsidiums Offenburg, wiedergegeben von SWR und Badischer Zeitung am 8. September 2026.
24
Anzeigen wegen gefälschter Eintrittskarten in den vergangenen zwölf Monaten
700 €
höchster bekannter Einzelschaden, bei mehreren gekauften Tickets
1
zusätzliche Anzeige des Europa-Parks selbst
Das sind nur die Fälle, die bei einer einzigen Polizeidienststelle in Baden-Württemberg angezeigt wurden. Die Polizei selbst geht davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Opfer deutlich höher liegt – weil der Park Besucher aus ganz Deutschland und dem Ausland anzieht.
Polizeisprecher Marius Oschwald beschreibt die Angebote so: Die Fake-Seiten sehen der Website des Europa-Parks ähnlich und stellen große Rabatte in Aussicht. Geschädigte kauften teilweise mehrere Karten auf einmal, daher der Höchstschaden von rund 700 Euro. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen übernommen. Bemerkenswert ist ein Nebensatz aus dem Bericht der Badischen Zeitung: Aktuell scheinen die Fake-Websites verschwunden zu sein. Das passt zur Formulierung des Parks, die Zahl der Seiten gehe zurück. Es heißt aber nicht, dass die Sache erledigt ist – Fake-Shops werden erfahrungsgemäß gelöscht und unter neuen Adressen wieder aufgesetzt, und die Polizei stellt selbst klar, dass sie bei der Löschung nur unterstützend tätig werden kann. Abschalten kann eine Seite nur der jeweilige Hoster.
So läuft die Masche
Der Ablauf ist derselbe wie bei anderen Fake-Shops, nur die Ware ist eine andere. Wer nach günstigen Europa-Park-Tickets sucht, landet über eine Suchmaschine, eine Anzeige oder einen geteilten Link auf einer Seite, die Logo, Bilder und Aufbau des echten Ticketshops übernimmt. Dort gibt es angebliche Rabatte, die es im offiziellen Shop nicht gibt. Beim Bezahlen bleibt am Ende Vorkasse, meist per Überweisung. Laut der SWR-Berichterstattung wurde in den bekannten Fällen durchgehend so bezahlt.
Danach passiert eines von zwei Dingen: Entweder kommt gar nichts, oder es kommt ein Ticket, das am Drehkreuz nicht funktioniert. Das Geld ist in beiden Fällen meist weg. Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg nennt gegenüber dem SWR eine Größenordnung: Nur ein niedriger einstelliger Prozentsatz der Geschädigten erhalte den überwiesenen Betrag jemals zurück.
Betroffen sind laut Park nicht nur Eintrittskarten für den Freizeitpark. Die Warnung gilt für das gesamte Erlebnis-Resort, also auch für die Wasserwelt Rulantica, die Hotels, das Restaurant Eatrenalin, Events und den ResortPass. Gerade bei Übernachtungen geht es schnell um deutlich höhere Beträge als bei einem Tagesticket.
Warum das auch für Österreich und die Schweiz gilt
Rust liegt im Dreiländereck zwischen Deutschland, Frankreich und der Schweiz, der Park ist ein klassisches Ausflugsziel auch für Familien aus Vorarlberg, Tirol und der Ostschweiz. Die Fake-Seiten unterscheiden nicht nach Herkunftsland, und wer aus Österreich Geld überweist, hat dieselben schlechten Karten wie jemand aus Baden-Württemberg – plus den Umstand, dass eine Anzeige bei der heimischen Polizei erst einmal über die Grenze weitergeleitet werden muss. Belastbare Zahlen zu österreichischen oder Schweizer Geschädigten gibt es derzeit nicht. Die 24 Fälle sind allein die Bilanz einer deutschen Polizeidienststelle.
Woran man den echten Shop erkennt
Die einfachste Regel: Es gibt nur wenige offizielle Verkaufsstellen, und der Park nennt sie auf seiner Hinweisseite ausdrücklich. Alles andere ist entweder ein autorisierter Vertriebspartner – oder eben nicht.
Offiziell oder verdächtig?
Links die vom Europa-Park genannten Verkaufsstellen, rechts die Warnsignale, die Polizei und Verbraucherzentrale nennen.
Die offiziellen Shops
- Tickets für Europa-Park, Rulantica, Eatrenalin, YULLBE, Events und ResortPass:
tickets.mackinternational.de - Übernachtungen inklusive Tickets:
reservations.europapark.de - Traumatica:
tickets.traumatica.com - Talent Academy:
tickets.ep-talent-academy.de - Außerdem: die offizielle Europa-Park-App und ausdrücklich autorisierte Vertriebspartner
Warnsignale

- Rabatte und Sonderangebote, die es im offiziellen Shop nicht gibt
- Eine Adresse, die dem Original ähnelt, aber anders geschrieben ist oder anders endet
- Am Ende nur Überweisung oder Vorkasse – Kreditkarte, Rechnung oder Käuferschutz fehlen
- Kein oder ein unvollständiges Impressum
- Lobende Bewertungen direkt auf der Shopseite – sie belegen nichts
Logo, Fotos und Design lassen sich kopieren. Die Adresse in der Browserzeile und die Zahlungsart nicht.
Die Adresszeile verdient dabei den genauesten Blick. Ein vertauschter Buchstabe, ein fehlender Bindestrich, eine ungewohnte Endung – auf einem Handydisplay fällt das kaum auf, und genau darauf setzen solche Seiten. Wer unsicher ist, kann eine Shop-Adresse vor dem Kauf im Fakeshop-Finder der Verbraucherzentralen prüfen lassen; das Werkzeug bewertet Seiten nach dem Ampelprinzip. Es ersetzt den eigenen Blick nicht, denn brandneue Seiten sind dort oft noch nicht erfasst. Wer sich die Prüfung ersparen will, tippt die offizielle Adresse einfach selbst ein, statt einem Link zu folgen.
Schon bezahlt? Dann zählt jede Stunde
Wenn das Geld schon weg ist
Vier Schritte, in dieser Reihenfolge
Bank anrufen
Sofort, nicht morgen. Eine Überweisung lässt sich in manchen Fällen noch stoppen oder zurückrufen, aber nur kurz nach der Freigabe.
Alles sichern
Screenshots der Seite, Bestellbestätigung, Mails, Überweisungsbeleg. Fake-Shops verschwinden – dann fehlt der Beweis.
Anzeige erstatten
In Deutschland auch online möglich. In Österreich bei jeder Polizeidienststelle. Ohne Anzeige gibt es keine Ermittlung.
Nicht noch einmal zahlen
Wer meldet, das Geld „zurückholen“ zu können, und dafür eine Gebühr verlangt, ist die zweite Falle. Das Ticket besorgt man sich nur im offiziellen Shop neu.
Was noch offen ist
Einiges an dieser Geschichte wissen wir nicht, und das sollte man auch sagen. Der Europa-Park veröffentlicht keine Liste der betrügerischen Adressen, und die Polizei nennt ebenfalls keine Domains. Ob die Kampagne über bezahlte Werbung in sozialen Netzwerken ausgespielt wurde oder hauptsächlich über Suchmaschinen funktioniert, ist aus den öffentlichen Angaben nicht ersichtlich. Und ob hinter den verschiedenen Seiten und Apps eine gemeinsame Struktur steht oder mehrere Gruppen unabhängig voneinander dieselbe Idee hatten, kann derzeit niemand von außen beurteilen. Die Formulierung „über externe Webseiten und Apps“ legt nahe, dass es sich nicht um eine einzelne Seite handelt – mehr lässt sich daraus nicht ableiten.
Was sich hingegen sagen lässt: Das Muster ist bekannt. Beliebte Ausflugsziele, Konzerte, Sportveranstaltungen – überall dort, wo viele Menschen kurzfristig nach Tickets suchen und Preise vergleichen, tauchen kopierte Shops auf. Der Europa-Park ist kein Einzelfall, sondern ein besonders attraktives Ziel.
Zum Mitnehmen
Drei Fragen vor jedem Ticketkauf
- Habe ich die Adresse selbst eingetippt?Oder bin ich einem Link, einer Anzeige oder einem Suchergebnis gefolgt?
- Gibt es diesen Rabatt auch im offiziellen Shop?Wenn nicht: Warum sollte ein fremder Anbieter günstiger sein als der Veranstalter selbst?
- Kann ich anders zahlen als per Überweisung?Wenn am Ende nur Vorkasse bleibt, ist das laut Polizei kritisch zu bewerten.
