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Startseite»Nachrichten»„Unglaublich und total cool“: Dieses Tier ist vorn Schlange und hinten Spinne
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„Unglaublich und total cool“: Dieses Tier ist vorn Schlange und hinten Spinne

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerSeptember 10, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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„Unglaublich und total cool“Dieses Tier ist vorn Schlange und hinten Spinne

Als angeblich missgestaltet lag eine Schlange jahrzehntelang in einem Museum im Regal. Dann wurde klar: Es handelt sich um eine unbekannte Art mit einem bizarren Jagdtrick. (Foto: Omid Mozaffari/dpa)

Eine im Iran lebende Viper nutzt einen bizarren Schwanz-Fortsatz als Köder, der wie eine Spinne aussieht. Neugierige Vögel enden so schnell als Mahlzeit. Der CT-Scan eines Forschungsteams offenbart zudem Überraschendes über das Schwanzende.

Für manche Menschen dürfte es albtraumhaft klingen: ein Tier, das vorn aussieht und sich bewegt wie eine Schlange – und hinten wie eine Spinne. Tatsächlich gibt es so ein Doppelwesen: die Spinnenschwanzviper. Ihr Ende – ein Gnubbel mit beinähnlichen Anhängseln – besteht aus verformten Schuppen, wie ein Forschungsteam in der Fachzeitschrift „The Anatomical Record“ berichtet.

Wie viele andere Tiere setzt die Spinnenschwanzviper im Kampf ums Überleben auf sogenannte Mimikry, die Nachahmung von Eigenschaften anderer Arten zu Täuschungszwecken. Klassisches Beispiel sind harmlose Schwebfliegen, deren gelb-schwarze Zeichnung der wehrhafter Wespen ähnelt und potenzielle Feinde vertreiben soll.

Pseudo-Spinne als Köder

Die im Iran lebende Viper mit dem Fachnamen Pseudocerastes urarachnoides hingegen will nicht abschrecken, sondern anlocken – und zwar Vögel. Sie sollen das Anhängsel am Schwanz für eine Spinne halten. Nähern sie sich in der Hoffnung auf ein leckeres Häppchen, schnappt die Schlange zu und der Vogel wird selbst zur Mahlzeit.

Fasziniert ging das Team um Georgios Georgalis von der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Krakau der Spinnenattrappe genauer auf den Grund – mit überraschendem Ergebnis: Der CT-Scan der Viper zeigte keinerlei Veränderungen an den Schwanzknochen. „Bei einigen anderen Schlangen wie Sandboas und Gummiboas weisen die Wirbel an der Schwanzspitze extreme Formen auf, die wirklich fremdartig wirken“, erklärte Georgalis. Bei der Spinnenschwanzviper hingegen deute im Skelett rein gar nichts darauf hin, wie extrem ihr Schwanz von außen aussieht.

Frustrierter Paläontologe

Für ihn als Paläontologen sei das ein durchaus frustrierendes Ergebnis, erklärte Georgalis. Auch prähistorisches Leben sei möglicherweise oft viel seltsamer, als allein anhand der Knochen zu vermuten ist. „Wir beschäftigen uns mit wunderschönen Tieren, aber meistens versuchen wir, Puzzles zusammenzusetzen, bei denen einige Teile fehlen, und am Ende können wir nicht zu 100 Prozent sicher sein, wie das Tier tatsächlich ausgesehen hat.“

Schlange mit «Spinne» als Schwanzende (1)
CT-Scan der Schlange: keine Veränderungen an den Schwanzknochen erkennbar. (Foto: Courtesy of Sara Ruane and Stephanie Smith/dpa)

Ein erstes Exemplar der Spinnenschwanzviper sei zwar schon 1968 gesammelt und präpariert worden, erklärte Mitautorin Sara Ruane vom Field Museum in Chicago. Es sei aber angenommen worden, das Tier habe eine Missbildung oder einen Tumor gehabt. „Es lag jahrzehntelang in den Regalen des Museums, doch erst als 2003 ein weiteres Exemplar mit einem ähnlichen Schwanz gefunden wurde, wurde es erneut untersucht.“ Im Jahr 2006 wurde die Schlange offiziell als neue Art beschrieben.

Wie eine Spinne, die über den Felsen krabbelt

Später zeigten Videoaufnahmen, wie die Schlange den spinnenartigen Fortsatz an ihrer Schwanzspitze als Köder einsetzt, um Vögel anzulocken. Sie bewegt das Schwanzende über dem Boden hin und her – auch für menschliche Betrachter kann das wie eine geschäftig hin und her laufende Spinne wirken.

Schlange mit «Spinne» als Schwanzende (2)
Der Schwanz des konservierten Exemplars aus den Sammlungen des Field Museum. (Foto: Courtesy of Sara Ruane/dpa)

Sie habe die Schlange als Doktorandin selbst in freier Wildbahn gesehen, erklärte Ruane. „Der Fortsatz an ihrem Schwanzende ist so unglaublich, ich weiß noch, wie ich dachte, das sei total cool“, schwärmte die stellvertretende Kuratorin für Herpetologie (Amphibien und Lurche). „Es ist mein Lieblingspräparat im Museum, ich verwende es ständig bei Vorführungen und Führungen.“

Quelle: ntv.de, Annett Stein, dpa

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