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Dramatische Folgen von 9/11: Krieg gegen den Terror: Eine Bilanz nach 25 Jahren

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerSeptember 11, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Dramatische Folgen von 9/11Krieg gegen den Terror: Eine Bilanz nach 25 Jahren

Ein Taliban-Kämpfer hebt die Hände zur Kapitulation vor den alliierten Soldaten. (Foto: picture alliance / Zoonar)

Nach den Anschlägen vom 11. September rufen die USA den Krieg gegen den Terrorismus aus. Es folgen Niederlagen und Fehleinschätzungen. Deren Auswirkungen zeichnen sich auch im Iran-Krieg ab.

Neunzehn islamistische Terroristen verwandeln vier Flugzeuge in fliegende Bomben, die an einem einzigen Tag etwa 3000 Menschen in den Tod reißen: Die Terroranschläge vom 11. September 2001 haben die USA schwer erschüttert. Und die Außenpolitik des mächtigsten Landes der Erde für Jahrzehnte verändert – mit dramatischen Folgen für Millionen Menschen auf der Welt. In darauffolgenden Kriegen gegen den Terror kamen nach Berechnungen der Brown-Universität etwa 940.000 Menschen ums Leben. Ein Ende des Terrors hat das nicht gebracht.

„Für viele ist das auch biografisch ein einschneidendes Erlebnis. Das gilt natürlich vor allem in den Ländern, in denen nach dem 11. September größere Kriege ausgebrochen sind“, sagt Nahostexperte Guido Steinberg. „Das gilt für die Afghanen, das gilt für die Iraker, das gilt aber auch für Menschen in all denjenigen Ländern, in denen Al Kaida und der IS anschließend aufgetreten und erstarkt sind.“

Bisher einziger Nato-Bündnisfall

Infolge des 11. Septembers riefen die USA den Krieg gegen den Terrorismus aus und bewirkten damit den ersten und bislang einzigen Bündnisfall in der Geschichte der Nato nach Artikel 5. Staaten weiteten Überwachung und Sicherheitsvorkehrungen massiv und dauerhaft aus und antimuslimischer Rassismus in westlichen Gesellschaften nahm nachweisbar zu.

Die Terroristen hatten damals vier Flugzeuge gekapert. Nachdem sie American-Airlines-Flug 11 in den Nordturm des World Trade Centers steuerten, flog kurze Zeit später ein weiteres Flugzeug in den Südturm. American-Airlines-Flug 77 lenkten die Angreifer in das Verteidigungsministerium nahe Washington. Eine vierte Maschine stürzte in Pennsylvania ab, nachdem die Passagiere Widerstand gegen die Entführer geleistet hatten. Welches Ziel die Entführer mit der vierten Maschine hatten, ist bis heute unklar.

Jagd auf Osama bin Laden

Nachdem die Taliban sich weigerten, Al-Kaida-Chef Osama bin Laden, den Drahtzieher der Anschläge, auszuliefern, begann am 7. Oktober 2001 unter Präsident George W. Bush der US-geführte Angriff auf Afghanistan, mit Unterstützung Deutschlands und anderer Nato-Staaten. Dem Einmarsch in Afghanistan folgte 2003 der Krieg im Irak. Die USA begründeten den Irak-Krieg mit einer Bedrohung durch Massenvernichtungswaffen und warfen dem damaligen Machthaber Saddam Hussein auch Verbindungen zu Al-Kaida vor. Beides stellte sich später als falsch heraus. In vielen weiteren Ländern unternahmen die USA Anti-Terror-Operationen.

Eine „überdimensionierte“ Reaktion, findet Steinberg. „Das gilt schon für Afghanistan, das gilt allerdings vor allem für den Irak.“ Al-Kaida habe es im Irak bis zum Jahr 2003 fast gar nicht gegeben. Die Entstehung des irakischen Ablegers im Jahr 2004 sei vielmehr eine Folge des amerikanischen Eingreifens.

Es sei der Eindruck erweckt worden, „dass in der arabischen Welt sehr viele Leute unterwegs sind, die im Westen einen Feind sehen“. Das sei befördert worden durch Diagnosen, die davon ausgegangen sind, dass es sich bei Al-Kaida um eine ganz große Organisation und ein weltumspannendes Netzwerk handelte. „Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass nach dem 11. September Zahlen von 70.000 oder 80.000 Al-Kaida-Kämpfern kolportiert wurden, was wirklich gar nichts mit der Realität zu tun hatte.“

Ende 2011 zogen die USA ihre Truppen aus dem Irak ab. Keine drei Jahre später mussten sie zurückkehren, um die irakischen Sicherheitskräfte im Kampf gegen den Islamischen Staat (IS) zu unterstützen. Die Terrormiliz ist trotz ihrer militärischen Niederlage weiter im Irak und im benachbarten Syrien aktiv.

Kriegskosten: rund acht Billionen US-Dollar

Laut der Brown-Universität belaufen sich die Kosten der Kriege nach dem 11. September im Irak, in Afghanistan, Pakistan, Syrien und anderen Ländern für die USA insgesamt auf rund acht Billionen US-Dollar. Die Versorgung von Veteraninnen und Veteranen der Kriege werde sich bis 2050 auf 2,2 bis 2,5 Billionen US-Dollar belaufen.

Der Irak-Krieg habe erst dazu geführt, dass der IS derartig erstarken konnte, sagt Steinberg, und nennt ihn die „Ursünde der Terrorismusbekämpfung“. „Weil da wirklich die viel größere, die viel bedrohlichere Organisation als Al-Kaida, nämlich der IS, erst entstanden ist.“

Der Einsatz in Afghanistan endete 2021 nach einem als überstürzt kritisierten Abzug der internationalen Truppen. Die Taliban übernahmen als Sieger über die USA wieder die Macht im Land. Fünf Jahre später gilt Afghanistan weiterhin als Rückzugsort international agierender islamistischer Terroristen. Bereits vor dem Abzug der internationalen Truppen war Al-Kaida nach Einschätzung der Vereinten Nationen in fast jeder zweiten afghanischen Provinz präsent.

US-Präsident Bush kündigte 2001 an, der Krieg gegen den Terror beginne mit Al-Kaida, aber „er wird erst enden, wenn jede Terrorgruppe von globaler Reichweite gefunden, gestoppt und besiegt worden ist.“ Das ist so nicht eingetreten. „Die meisten Gruppierungen des islamistischen Terrorismus sind zwar stark geschwächt, aber immer noch präsent“, sagt Steinberg. „Eine Al-Kaida-nahe Gruppierung hat die Macht in Syrien übernommen. Der alte Verbündete der Al-Kaida, die Taliban, haben die Macht in Afghanistan erobert. Ein anderer Al-Kaida-Verbündeter könnte vielleicht bald in Mali das Regime stürzen.“

Anti-Terror-Kampf Aufwind für Trump?

Der Historiker Nathan Citino von der Rice-Universität sieht auch den Aufstieg von Donald Trump als Folge der US-Kriegsführung. Die Kriege nach dem 11. September hätten zu einem breiteren Vertrauensverlust in die amerikanischen Institutionen beigetragen. Je länger sie dauerten und je umstrittener sie wurden, desto stärker hätten sich viele Amerikaner von den Institutionen abgewandt, die diese Politik mitgetragen hatten. „Ohne diese „endlosen Kriege“ hätte Donald Trump meiner Ansicht nach nicht den politischen Erfolg gehabt, den er hatte.“

Spätestens seit Barack Obama tun sich US-Präsidenten oder Anwärter auf das Amt einen Gefallen damit, sich gegen Militäreinsätze auszusprechen. Es war auch eines der zentralen Wahlversprechen von Amtsträger Trump. Dass er dieses Versprechen mit dem Iran-Krieg gebrochen hat, könnte ihm und seiner republikanischen Partei allerdings bei den Zwischenwahlen im November zum Verhängnis werden.

Quelle: ntv.de, Anne Pollmann, dpa

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