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„Wäre lieb zu meinem Bruder“: Die Welt schaut auf William und Harry

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerSeptember 12, 2026Keine Kommentare11 Minuten Lesezeit
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„Wäre lieb zu meinem Bruder“Die Welt schaut auf William und Harry

12.09.2026, 15:02 Uhr

Von Sabine Oelmann
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Ein Foto von 1989: Nichts stimmte an dem schönen Schein. Doch William und Harry waren lange ein Herz und eine Seele, vereint in ihrem Schmerz um den so frühen Verlust der Mutter. Ob sie an ihr gutes Gefühl füreinander je wieder anknüpfen können? (Foto: picture alliance / empics)

Jeder, der einen Bruder hat oder Geschwister, weiß, da gibt es ‚Ups and Downs‘. Ab einem gewissen Alter sollte man jedoch in der Lage sein, einen Strich unter alte Streitigkeiten zu ziehen. Können das auch William und Harry?

Man wäre zu gerne Mäuschen gewesen, als die Nachricht durchsickerte: „Die Sussexes ziehen wieder nach England“: Wie haben William und Kate reagiert, als ihnen klar wurde, dass Harry nebst Gattin und Kindern wieder in – auch gemeinsamen – Kreisen verkehren wollen? Wurden sie blass? Waren sie verärgert? Ist es ihnen egal? Freuen sie sich eventuell wenigstens darüber, dass sie die Kinder der Abtrünnigen aufwachsen sehen können?

Dass Kate mit Meghan zu Ikea geht und eine neue Küche für die Cotswolds kauft, wird wohl eher nicht der Fall sein. Und dass William schwer genervt ist, kann man sich gut vorstellen: Sein kleiner Bruder ist jetzt wieder der Attention-Seeker von Papa. Königshaus-Expertin Leontine Gräfin von Schmettow hat im ARD-Magazin „Brisant“ vor ein paar Tagen gesagt, sie glaube, dass „Prinz William, gelinde gesagt, schockiert gewesen ist, als er gehört hat, dass sein entfremdeter Bruder und seine Familie nach Großbritannien zurückkommen wollen. Es ist ja tatsächlich auch mit niemandem abgesprochen worden. Die sind völlig überrumpelt worden.“

Des Weiteren ist nun ständig zu befürchten, dass Meghan ungefragt zu allem ihrem Senf geben wird. Auch die Nachricht, dass Harry nur deswegen zurückgekommen ist, um zum 30. Todestag seiner Mutter kommendes Jahr eine Dokumentation über selbige zu drehen, löst Unbehagen im Palast aus. Laut Richard Kay, stellvertretender Chefredakteur der „Daily Mail“, hat Prinz Harry bereits damit begonnen, ehemalige Freunde von Lady Di zu kontaktieren.

Können William und Harry wieder zueinanderfinden?

Dieser Bruderzwist kann für einiges Unheil sorgen, denn die Mischung aus lebenslanger Verbundenheit und latenter Rivalität ist prägend. Aus psychologischer Sicht erfordert eine nachhaltige Versöhnung von Geschwistern das Durchbrechen alter Kindheitsmuster und bewusste Kommunikation. Dabei sollten die wichtigsten psychologischen Ansätze und Schritte, um einen geschwisterlichen Streit beizulegen, beachtet werden. Die Ursachen müssen von beiden Parteien verstanden werden. Bevor eine Versöhnung gelingen kann, wäre es also hilfreich, die Dynamik zu durchschauen.

Es geht um Rollenzuweisungen, und oft verhalten sich erwachsene Brüder im Streit noch genau wie in der Kindheit: Der „verantwortungsvolle Ältere“ gegen den „rebellischen Jüngeren“, was bei William und Harry ja vollends zutrifft. Es geht um Rivalität, um Anerkennung, und unbewusst geht es häufig immer noch um die Gunst der Eltern oder den Status in der Familie. Am Status kann Harry wenig machen, er ist nun mal der Zweitgeborene, aber um Papas Gunst kann er wieder buhlen, vor allem, weil der König alt und krank ist. Um Mama kümmert er sich selbst, in dem er einen Film über sie plant, gegen den sie sich nicht mehr wehren kann. Nach den Harry-Memoiren nun also auch noch ein Harry-Film.

Schon wieder hintergangen

An dieser Stelle würde jeder gute Psychologe das Phänomen der Abgrenzung ins Spiel bringen: Weil man sich so gut kennt, weiß man genau, welche emotionalen „Knöpfe“ man beim anderen drücken muss. Ein paar Tausend Kilometer und ein Ozean zwischen ihnen scheint in Williams und Harrys Fall jedoch nichts gebracht zu haben.

Eine Versöhnung wäre dennoch ideal: für die Monarchie. Um den Gazetten den Wind aus den Segeln zu nehmen. Für die psychische Gesundheit der beiden und ihrer Familien. Für Weihnachten. Als Vorbilder. Doch wie könnte eine Annäherung gelingen? Wahrscheinlich nur schrittweise und ohne Druck – nicht so einfach, wenn man in der Öffentlichkeit steht.

Psychologen raten Geschwistern normalerweise, eine gewisse Abkühlphase zu nutzen, um die ersten heftigen Emotionen wie Wut oder Enttäuschung abklingen zu lassen, also Ich-Botschaften statt Vorwürfen: „Ich habe mich damals übergangen gefühlt“ statt: „Du hast mich schon wieder hintergangen“. Sicher nicht so einfach, wenn man bedenkt, dass William sich richtig schlimm hintergangen gefühlt hat, als sein Bruder seine Memoiren „Spare“ mitsamt Vorwürfen gegen die ganze Familie herausgebrachte. Denn da hat Harry kein Blatt vor den Mund genommen: Es ging unter anderem um Rassismus im Königshaus, seine Stiefmutter Camilla und Schwägerin Kate.

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Eines Tages wird ihr Vater nicht mehr sein, dann haben sie nur sich. (Foto: picture-alliance / dpa)

Ob William es schafft, die Perspektive zu wechseln? Wird er versuchen – oder hat er schon längst versucht – zu verstehen, warum sein jüngerer Bruder so gehandelt hat? Und umgekehrt: Würde Harry verstehen, warum sein älterer Bruder von ihm enttäuscht ist? Sich vorgeführt fühlt? Verraten? Welche Ängste oder Bedürfnisse stecken möglicherweise dahinter, bei beiden?

So eng sie früher wirkten, so entfernt voneinander sind sie inzwischen: Harry sieht nicht mehr auf zu seinem großen Bruder, und der verzeiht nicht mehr jeden Mist, den der jüngere anstellt. Die Vergangenheit ruhen zu lassen, wäre ratsam, aber auch das wird schwer bei zwei Söhnen, von denen der eine eines Tages König wird und der andere die Rolle des ewigen Hofnarrens nicht mehr erfüllt. Es sind immerhin die Söhne der Prinzessin der Herzen, es sind die Söhne von Lady Di, die ‚forever young‘, schön und tragisch bleiben wird. Eine Strategie könnte daher sein, sich auf den aktuellen Konflikt zu konzentrieren. Doch was genau ist der aktuelle Konflikt? Das Aufrechnen alter Fehler blockiert jedenfalls jegliche Lösung.

Nachwuchsprobleme bei den Royals

Kommt nun doch die große Bruder-Versöhnung, auf die alle warten? RTL-Adelsexperte Michael Begasse findet: „Warum nicht? Ich würde mir wünschen, dass Harry Stück für Stück wieder zurück in die Familie kommt. Denn wenn man sich jetzt mal die Personalsituation vom künftigen König William anschaut, dann hat der ein riesiges Problem eines Tages, allein, weil sämtliche Tanten und Onkel dann nicht mehr da sein werden. Es müssen ja bereits jetzt der Herzog von Gloucester und der Herzog von Kent hochaltrig offizielle Termine wahrnehmen.“ Und auch Andrew ist raus. Hat das britische Königshaus – wie viele andere Unternehmen – ein Nachwuchsproblem? Auf jeden Fall! „Und das könnte natürlich in Zukunft Harry mit seiner Familie, mit seinen Kindern, so ein kleines bisschen ausgleichen“, findet Begasse. „Wenn ich William wäre, wäre ich ganz lieb zu meinem Bruder, denn vielleicht muss er irgendwann mal auf ihn zählen.“ 

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In London munkelt man, dass Harry mit seinem Dokumentarfilm versuchen wird, das Erbe Dianas für sich zu beanspruchen – so wird das sicher nichts mit einer Versöhnung. (Foto: picture alliance/dpa/PA Wire)

Ob es, vielleicht mit Einlenken des Vaters, gelingen kann, Gemeinsamkeiten zu betonen? Wird König Charles es schaffen, an positive Erlebnisse zu erinnern? Oder sind die Fronten so verhärtet, dass ein direktes Gespräch unmöglich sein wird? Die Psychologie bietet ein paar Alternativen: Einen Brief schreiben, der es ermöglicht, Gedanken zu sortieren und ohne Unterbrechung zu formulieren. Der Bruder kann den Brief im eigenen Tempo lesen und sacken lassen. Man könnte auch über neutrale Vermittler oder eine Mediation nachdenken. Andere Familienmitglieder fallen bei diesem Szenario raus.

Zu guter Letzt, und das wäre sicher machbar im Falle der royalen Brüder: die Akzeptanz der Grenzen. Versöhnung bedeutet nicht zwingend, dass man beste Freunde werden muss. Manchmal ist ein höflicher, distanzierter, aber konfliktfreier Umgang („Waffenstillstand“) der erste gesunde Schritt. Und wenn es nur um Harry ginge, dann wäre es vielleicht einfach – aber da ist nun mal auch noch Meghan.

Muss sich Prinz William – auch angesichts der Annäherung zwischen seinem Vater und Prinz Harry – aber überhaupt genötigt fühlen, sich mit seinem Bruder zu versöhnen? Obwohl er das vielleicht gar nicht will? Es wird Szenarien geben, in denen die ganze Familie anwesend sein sollte, und man wird sich fragen: Sind Harry und seine Frau auch da? Wenn nein wird es heißen, William sei unversöhnlich, und wenn sie dabei sind, wird vielleicht nur eine royale Show geboten. Man möchte nicht in Williams Haut stecken.

Da Prinz Harry als Privatperson nach Großbritannien zurückkommt – das haben König Charles und der Hof unmissverständlich klargemacht – wird er keine offiziellen Aufgaben im Königshaus übernehmen. Aber während im Vereinigten Königreich in den vergangenen sechs Jahren alles seinen durchaus üblichen Gang ging (sieht man von den schweren Zeiten aufgrund von Charles‘ und auch Kates Krebserkrankungen ab) bringt die Rückkehr der Sussexes nun wirklich einigen Zündstoff mit sich. In Montecito haben sich Harry und Meghan schließlich eine Art „alternativen Königshof“ aufgebaut. Wenn ihre Zeit in Kalifornien auch nicht unbedingt von dem Erfolg gekrönt war, den sich die reichen Aussteiger erhofft hatten, beschäftigten sie dennoch eine eigene Presseabteilung und eine Stiftung mit Charity.

„Die Schwester, die ich nie hatte“

Entstehen jetzt also zwei Parallel-Universen beziehungsweise Parallel-Königshäuser? Durchaus denkbar. Wie lange werden Kate und William das alles schweigend zur Kenntnis nehmen? Die Brüder haben im Vereinigten Königreich überdies nicht nur eine Familie, sondern hatten auch gemeinsame Freunde – wie werden diese sich verhalten?

Vielleicht schaffen beide Paare es, wenigstens ihre Kinder nicht mit hineinzuziehen – vielleicht gelingt es den etwas älteren Kindern von William und Kate sogar, die Cousine und den Cousin aus Kalifornien ganz süß zu finden. Die Tatsachen jedoch, dass man ganz und gar nicht begeistert war über die Namenswahl von Harrys Tochter – Lillibet, Kosename der Oma und eine Art Heiligtum – oder, dass Harry nach der Geburt des dritten Kindes seines Bruders eine Bemerkung über Kates „Babyhirn“ gemacht haben soll, stehen im Raum. Kate habe, laut Buch, scharf gekontert: „Du hast über meine Hormone gesprochen. Wir stehen uns nicht nahe genug, als dass du über meine Hormone sprechen könntest!“ Hat ihn, Harry, diese Aussage – „wir stehen uns nicht nah genug“ – vielleicht sehr verletzt? Sprach er an anderer Stelle doch immerhin von Kate als „die Schwester, die ich nie hatte“.

Fest steht: Wenn Harry öffentlich über seine Schwägerin Kate spricht, hört bei William der Spaß auf. Royal-Autor Robert Jobson verriet dem britischen Boulevard-Magazin „Hello!“, dass der Thronfolger bei Kritik an sich selbst gelassen bleibe – gehe sein Bruder aber seine Frau an, ziehe William eine knallharte Linie. Der absolute Brandbeschleuniger für den Familienkrach war und ist also „Spare“, Harrys Memoiren. Darin packte er einfach zu viele, pikante Details aus. Der Zoff um Prinzessin Charlottes Brautjungfernkleid kurz vor seiner eigenen Hochzeit mit Herzogin Meghan gehört zu den bekanntesten Szenen: Harry zufolge habe Meghan weinend am Boden gesessen, Kate soll sich später entschuldigt haben. Zudem seien Meghan und Kate wegen eines Lipglosses aneinandergeraten. In einem ITV-Interview mit Tom Bradby verriet Harry, dass es zwischen William, Kate und Meghan praktisch von Anfang an geknirscht habe.

Erstaunlich, dass Harry sich und seine Familie mit dieser Rückkehr so viel Stress aussetzt. Seinen Vater öfter besuchen hätte er auch können, wenn er mit seiner Familie in Montecito geblieben wären. Es liegt also fast nahe, dass er „etwas ausheckt“, und deswegen haben nicht nur die Royals, sondern alle Briten gemischte Gefühle bei dem Thema.

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Charles und William im Juli beim Gottesdienst in Balmoral. Trotz einer ersten Annäherung von Charles und Harry ist von einer Aussöhnung Harrys mit William und Kate nichts zu spüren: Experten glauben, der zukünftige Monarch werde sich über all das erheben und auf kein Hin und Her einlassen. (Foto: via REUTERS)

Noch einmal RTL-Experte Begasse: „Die Briten wissen natürlich auch, dass das Ganze eine Ongoing-Story ist. Wenn es jetzt eine Annäherung gäbe – die ersten Monate oder Jahre als Privatpersonen – dann geh‘ ich davon aus, dass die Briten ihren „Everybody’s Darling“, ihren Harry, wieder ins Herz schließen werden. Und dann könnte es eine Zukunft geben. Auch, wenn der König sagt: ‚Ich gehe jetzt auf die 80 zu, kannst du nicht den ein oder anderen Termin für mich wahrnehmen?'“

Win-win-Situation möglich

Begasse sieht noch weitere Vorteile für Harry: „Wenn er wieder Working Royal wäre, dann steht ihm auch Personenschutz und Sicherheit aus Steuergeldern zu.“ Und er gibt noch etwas anderes zu bedenken: Die Briten haben Harry in den vergangenen vier Jahrzehnten alles verziehen: „Er konnte ja tun und lassen, was er wollte. Alle dachten immer nur ‚Ach ja, unser Harry‘. Und genau so ist das Gefühl jetzt wieder: Okay, er war sechs Jahre weg, die Meghan ist ohnehin schuld, aber jetzt ist er zurück.“

So positiv fällt das Urteil von Richard Kay („Daily Mail“) nicht aus. Er will wissen, dass Harry versucht haben soll, Lady Dianas Erbe für sich zu beanspruchen, „zum großen Ärger von William“. Harry wolle Diana nutzen, „die Marke Spencer, den Namen Spencer“, um sich von der königlichen Familie abzuheben. Er begründet das auch: „Vergessen wir nicht, mit wem Harry seine Zeit verbracht hat, als er im Juli hier war: mit Dianas Familie in Althorp“, fügt er hinzu. Zum Schluss die positive Sicht von Michael Begasse: „Ich bin fest davon überzeugt, wenn der seine ersten Charity-Geschichten macht, ist er auch wieder in den Herzen der Menschen.“

Quelle: ntv.de

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