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Startseite»Nachrichten»Wunder vom Westend: Hertha BSC zertrümmert die Fußball-Gesetze
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Wunder vom Westend: Hertha BSC zertrümmert die Fußball-Gesetze

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerSeptember 15, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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14.09.2026 | 19:25 Uhr

Als vor der Saison Fabian Reese, Kennet Eichhorn und Tjark Ernst die Hertha verlassen, schwant den meisten Fans und Experten Böses. Das kann eigentlich nicht gutgehen. Doch dann passiert etwas Besonderes.

Da schauten die Gäste in der Bahn nicht schlecht. Paul Seguin auf dem Weg nach Osnabrück zum Auswärtsspiel seiner Hertha. Das wäre eigentlich keine spezielle Erwähnung wert, doch Seguin war für die Partie an der Bremer Brücke gesperrt. Und Profis, die privat ihrem Team hinterherreisen, obwohl sie gar nicht spielen dürfen, sind dann doch etwas Besonderes. Denn es zeigt etwas, das leider viel zu selten ist, aber Großes entstehen lassen kann und durch viel Geld meist nicht zu kaufen ist: einen echten mannschaftlichen Zusammenhalt.

Was die Hertha zurzeit in Liga Zwei abreißt, ist ein kleines Fußballwunder. Fünf Spiele, fünf Siege, natürlich Tabellenführer und zwei Punkte Vorsprung auf den Zweiten, den 1. FC Nürnberg. Nach all den prominenten Abgängen, den sehr lange hinausgezögerten eigenen Verpflichtungen und den finanziellen Alltagsproblemen vor und am Anfang der Saison wurde schon geunkt, dass dieses Mal der Blick nicht nach oben, sondern nach unten gehen würde. Womöglich könnte es sogar zum zähen Ringen um den Klassenerhalt im Abstiegskampf kommen.

Davon, das ist als erstes Saisonfazit bereits zu ziehen, dürfte sich die Hertha schon jetzt verabschiedet haben. Noch ein Sieg und man hätte fast schon die Hälfte aller Punkte gesammelt, um nicht abzusteigen. Irgendwie beruhigend für einen Klub, der vor der Spielzeit noch wie ein Auslaufmodell wirkte. All die großen Ambitionen der vergangenen Jahre waren – wenigstens nach außen hin – einkassiert worden. Reese, Eichhorn und Ernst weg. Scheinbar hatte man sich in Berlin damit abgefunden, dass ein weiterer Versuch mit der Brechstange nichts bringen würde. Nüchterne Realität statt Träumen ins Blaue hinein.

Hertha „unter der Woche sensationell“

All das, was die Fußballgelehrten gerne predigen, wurde bei der Hertha vor der Saison also zertrümmert. Eine Mannschaft ohne Neu-Verpflichtungen – wie soll das gehen? Man hat ein Team durch den Abgang leistungsstarker Kicker vermeintlich geschwächt und erwartet, dass es trotzdem auf dem Platz funktioniert? Ein Unding! Nicht wenige Experten hatten die Hertha vor dem ersten Spieltag bereits abgeschrieben, doch dann kam das Spiel in Bochum. Eine totgesagte, aber eingespielte Mannschaft traf auf einen Gegner, der fast komplett neuformiert auf dem Rasen stand. Und siehe da, es funktionierte. Die Hertha gewann ihr erstes Spiel.

Und seitdem wächst von Woche zu Woche der Glaube, dass da in Berlin gerade etwas entsteht, dass am Ende endlich zu dem führen kann, was man sich in der Hauptstadt so sehr herbeisehnt: den Aufstieg in die erste Liga. Als man am Wochenende in Osnabrück spielte, passierte genau das, was man einen Lauf nennt. Denn die Partie hätte bei etwas weniger (Spiel-)Glück auch anders ausgehen können. Tat sie aber nicht.

Und genau das stärkt aktuell den Glauben in Berlin, dass man sich dieses Glück selbst verdient hat, wie Verteidiger Niklas Kolbe nach der Partie sagte: „Wie das Spiel in vielen Situationen für uns gelaufen ist, lag daran, dass wir unter der Woche sensationell arbeiten.“ Vermutlich haben sie in den letzten Jahren auch nicht immer schlecht unter der Woche trainiert, aber dann lief es am Spieltag häufig nicht so, dass die Kleinigkeiten, die ganze Partien entscheiden können, sich in die richtige Richtung bewegten. Und hinterher musste dann meist die Reizfigur der Hertha, Fabian Reese, mal wieder erklären, was denn so schiefgelaufen war.

Über den Autor

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Reese weg, Aufstieg da?

Überhaupt Reese. Der neue Spieler des VfL Wolfsburg hat in den letzten Jahren quasi die komplette Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Er sollte das Symbol für die Mission Aufstieg sein. Dieses Projekt ist krachend gescheitert – und hat Platz gemacht für eine deutlich handfestere und ehrlichere Version des Ziels erste Liga. Mit dem original Berliner Jungen Linus Gechter hat sich da jemand in den Vordergrund gespielt, dem nicht nur die Zukunft gehört, sondern dem man auch alles abnimmt, was er sagt.

Und wenn der viel umworbene Gechter trotz all der Abgänge vor der Saison bleibt und jetzt meint – „Es ist ein Zeichen an die Mannschaft, dass es einfach extrem viel Spaß macht und ich hier etwas vorhabe. Und ein Zeichen an die ganze Stadt, dass wir zusammenhalten sollen“ -, dann horchen nicht nur die Fans auf, sondern auch die Experten. Denn auch ein anderer Berliner Junge, der Torwart Marius Gersbeck, steht aktuell für den Wandel bei der Hertha. Nach seinem Fauxpas im Trainingslager vor drei Jahren, der ihn auch als Fanliebling zurückwarf, ist er nun eine feste Größe und verkörpert die neue Hertha.

Und dass das Gerede von Zusammenhalt, Mannschaftsgeist und „anderer Mentalität“ nicht nur Geschwätz ist, beweist das Team gerade auf eine spezielle Art und Weise. Acht verschiedene Spieler haben bereits für die Hertha in den ersten fünf Spielen getroffen. Man kann deshalb getrost sagen, dass der Star die Mannschaft ist. Und wer genau hinschaut, der erkennt sogar Parallelen zu dem Schalker Team des letzten Jahres. Wohin dessen Weg geführt hat, weiß man ja. Zuzutrauen ist es der neuen Hertha auf jeden Fall. Und dann wäre es am Ende nicht nur ein kleines Wunder, was sich da am Westend abgespielt hat.

Verwendete Quelle: ntv.de

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Dr. Heinrich Krämer
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